Spam 2.0
Der Weg von der E-Mail zum Facebook-Posting
SaarLorLux. Spam im E-Mail-Postfach ist nichts Besonderes mehr - die Nutzer sind seit Jahren daran gewöhnt und wissen, damit umzugehen. Dies ist auch den Versendern ungewünschter Mails bekannt. Daher suchen sie unentwegt nach neuen Möglichkeiten, Schadsoftware und Werbung "an den Mann" zu bringen. Social Media scheint da ein willkommener Kanal.
Laut einem aktuellen Bericht des Wall Street Journal sind soziale Medien eine beliebte Alternative zum E-Mail-Spam geworden, da "Social Spam" häufig angeklickt wird. Hier nutzen Kriminelle das Vertrauen in den Online-Freundeskreis aus.
"Seit es soziale Netzwerke gibt, werden sie zur Verbreitung von Schadsoftware benutzt. Die Netzwerke werden mit steigenden Nutzerzahlen zunehmend attraktiver für die Verbreitung von Spam", sagt Kaspersky Viren-Analyst Stefan Ortloff.
Weniger Spam-Mails
Social Spam versucht sich normalerweise als Posting eines Freundes aus dem verwendeten sozialen Netzwerk zu tarnen. Klicken User auf den augenscheinlich vertrauenswürdigen Querverweis, wird Schadsoftware im Browser installiert. Diese erlaubt es Dritten, den Link unter dem Namen der unbescholtenen User weiterzuverbreiten. Für soziale Netzwerke ist der Kampf gegen diese Form von Spam essenziell.
"Zu viel Spam kann das Vertrauen der Nutzer in ein Netzwerk zerstören. Deshalb haben die Betreiber großes Interesse daran, den Anteil möglichst gering zu halten. Bei Facebook zum Beispiel arbeiten komplexe Systeme und eine große Mannschaft an der Eindämmung von Malware", so Ortloff.
Das Vertrauen, das die Nutzer ihrem jeweiligen Freundeskreis entgegenbringen, macht soziale Netzwerke für Kriminelle zu einem lukrativen Ziel. Die Klickraten sind höher als bei E-mails. "Der Anteil von Spam am weltweiten Gesamt-E-mail-Aufkommen beträgt immer noch etwa 80 Prozent. Es waren laut Spam-Report vom November 2011 http://www.securelist.com aber schon über 90 Prozent", so Ortloff.
Bei Facebook liegt der Spam-Anteil bei den Postings laut eigenen Angaben unter vier Prozent. Twitter spricht sogar von lediglich 1,5 Prozent. "Spam-Raten wie sie bei E-mails vorkommen, wird es in den sozialen Netzwerken nie geben. Soziale Netzwerke sind geschlossene Systeme, die einfacher kontrolliert werden können als E-mails", erklärt Ortloff.
Schwierige Aufgaben
Obwohl die Betreiber von sozialen Netzwerken theoretisch die absolute Kontrolle über den Informationsfluss auf ihren Plattformen haben, ist der Aufwand, der zur Spam-Kontrolle nötig ist, in den vergangenen Jahren gestiegen. Sowohl Facebook als auch Twitter haben ihre entsprechenden Abteilungen ausgebaut.
"In diesem Spiel wird es keinen Gewinner geben. Es ist ein Wettrüsten und wir versuchen, einen Schritt voran zu bleiben", sagt Facebook-Techniker Pedram Keyani.
Manches Schindluder mit Social-Media-Accounts lässt sich aber auch mit größtem Aufwand nicht stoppen.
"Auch über gefälschte Benachrichtigungs-E-Mails, die angeblich von sozialen Netzwerken kommen, wird Malware verbreitet. Dagegen können die Betreiber der Netzwerke kaum etwas unternehmen", sagt Ortloff.
(FN)
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