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Fachkräftemangel

Fachkräftemangel - Handeln statt Jammern

Angesichts des strukturellen Mangels an Fachkräften auf dem deutschen Arbeitsmarkt und der drohenden Engpässe bei der Besetzung von Lehrstellen, fordert der Verband zur Förderung der Wirtschaftspsychologie e.V. (WiPs) in einer aktuellen Stellungnahme zu entschlossenem Handeln auf:

Die sich durch den demografischen Wandel zuspitzenden Arbeitsmarktprobleme seien in Politik und Wirtschaft zwar seit längerem erkannt und würden auch gerne beklagt. Konkrete Maßnahmen der Gegensteuerung seien aber bisher Mangelware. Im Gegenteil blieben derzeit immer mehr junge Menschen ohne qualifizierte Berufsausbildung und auch viele Ältere verlören den Anschluss an den Arbeitsmarkt. Es sei, so der Verband, daher wichtig, jetzt vorausschauend zu handeln.

"Die Entwicklung vorhandener Personalreserven bietet große Potenziale, die bisher nicht genutzt werden", sagt Verbandspräsidentin Sabine Siegl. "Da die großen Katastrophen auf dem Arbeitsmarkt aber erst in einigen Jahren erwartet werden, fehlt häufig noch der Wille zum Handeln."

Diese Einschätzung teilt auch Professor Dr. Heinrich Wottawa von der Ruhr-Universität Bochum. In einem Experteninterview mit dem WiPs macht er für die Schieflage auf dem Arbeitsmarkt vor allem die hohe Diskrepanz zwischen den Beschäftigungs- und Ausbildungssystemen verantwortlich:

"Eine nicht unerhebliche Anzahl von Akademikern bereitet sich auf Berufe vor, die im Arbeitsmarkt nicht nachgefragt werden. Gleichzeitig besteht ein erschreckendes Überangebot an Schulabgängern, die mit den üblichen Ausbildungsangeboten nicht berufsfähig gemacht werden können", so Wottawa.

Nach seiner Ansicht gibt es für die Probleme des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels keine Patentlösungen, jedoch zahlreiche Ansatzpunkte, in denen Politik, Unternehmen und Verbände stärker tätig werden sollten. So könnte beispielsweise eine psychologisch fundierte Berufswahlberatung eine bessere Passung individueller Berufswahlmotive und Arbeitsstile mit zukunftsorientierten Perspektiven im Arbeitsmarkt sicherstellen. Zudem gelte es, ´problematische´ Schulabgänger gezielt nachzuschulen, die Talente von Zuwanderern besser zu nutzen, betriebliche Qualifizierungsprogramme für ältere Arbeitnehmer auszubauen und nicht zuletzt die berufliche Reintegration von Frauen nach längerer Kinderpause systematisch zu fördern. Wirtschaftspsychologen und Menschen mit psychologischem Know-how könnten in diesen Bereichen wertvolle Unterstützung bieten.

Insgesamt plädiert Wottawa dafür, neue Ausbildungskonzepte und Ansprachewege umzusetzen. Da deren Wirkung nicht über Nacht komme, sei es wichtig, frühzeitig Erfolgsbeispiele zu schaffen. Den Führungskräften der deutschen Wirtschaft stellt er dennoch kein schlechtes Zeugnis aus - im Gegenteil: "Wenn der Wille zum Handeln einmal da ist, haben die Entscheidungsträger immer noch eine erstaunliche Leistungsfähigkeit bewiesen, die ihnen vorher niemand zugetraut hätte", so Wottawa.

Ähnlich äußert sich Verbandspräsidentin Siegl: "Es ist Zeit, aufzuhören, den Mangel zu beklagen oder die Verantwortung auf andere zu schieben. Mit Entscheidern, die den Nutzen wirtschaftspsychologischen Denkens und Handelns erkennen, lässt sich der Wandel aktiv und erfolgreich gestalten."

(Redaktion)


 


 

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