05.11.2009  08:50 Uhr

Selbständigkeit
Der Verlust des Traums bei Selbständigen und wie Sie zu einem neuen Traum finden

Die Wachstumshürden

Der entscheidende Punkt ist nun: Die meisten Selbständigen beginnen als Fachkraft, weil sie zuvor Fachkraft waren. Deshalb sind die Träume der meisten Selbständigen Fachkraft-Träume. Sie beziehen sich auf das Produkt, auf die eigenen Fertigkeiten, im Falle der Vertriebsfachkraft auch auf die Kundengewinnung. Das ist nichts Schlechtes. Im Gegenteil. Unternehmen lassen sich – außer es ist genügend Kapital für Mitarbeiter vorhanden, was aber den Ausnahmefall darstellt – nur gründen, wenn der Selbständige Fachkraftaufgaben ausführt und zwar möglichst gut und für die Kunden überzeugend. Das ist die erste Wachstumshürde.

Wenn nun das Unternehmen erfolgreich ist und Mitarbeiter einstellt, so muss sich die Rolle zunehmend ändern. Je nach Branche und Anzahl der Gründungspartner kommt bei etwa 5 bis allerspätestens 30 Mitarbeitern der Punkt, an dem der Unternehmer keine Fachkraft-Aufgaben mehr ausführen sollte. Das Problem ist jedoch: Der Gründer ist begeisterte und meist auch exzellente Fachkraft. Er liebt seine Aufgabe. Und das, was man liebt und wovon man träumt, macht man immer automatisch, sobald ein Problem auftritt. Zumal dann, wenn es auch noch dem ursprünglichen Fachkraft-Traum entspricht. Sie kennen sicher alle die Selbständigen, die, sobald es Probleme gibt, sich in ihr Schneckenhaus zurückziehen und erst mal ihr Produkt „verbessern“. Das ist aber in dieser Phase nicht das, was die Lösung der Probleme bringen würde.

Die Lösung ist schlicht: Dafür zu sorgen, dass die Aufgaben des Managers und des Unternehmers ausgeführt werden. Und zumindest die Rolle des Unternehmers muss zwingend der Unternehmer selbst ausfüllen. Es steht also ein Berufswechsel an. Vom selbständigen Facharbeiter hin zum Unternehmer. Das ist die zweite Wachstumshürde.

Ein Unternehmer träumt von anderen Dingen.

Ein Unternehmer führt andere Aufgaben aus.

Eine Entscheidung ist erforderlich. Und Sie müssen dann beginnen, neue Träume zu träumen. Schauen Sie sich die eingangs erwähnten Träume an:

Der Traum von einem tollen Produkt ist ein Fachkrafttraum!

Der Traum, seine eigenen Fähigkeiten zu entwickeln, ist vorrangig ein Fachkrafttraum!

Der Traum, einem unfähigen Chef oder einer unerträglichen Arbeitslosigkeit zu entkommen, ist in jedem Fall ein Fachkrafttraum!

Nur der Traum vom Reichtum kann allen drei Rollen zu Eigen sein. Je nachdem, was Sie mit dem Reichtum tun möchten. Eine Fachkraft setzt den Reichtum für seine eigenen Zwecke ein, ein Manager, um die Welt nach seinen Vorstellungen zu ordnen und ein Unternehmer, um eine bessere Zukunft für seine Kunden zu schaffen.

Diese Träume helfen Ihnen vielleicht über die erste Wachstumshürde, aber sicher nicht über die zweite!

Der neue Traum

Wie verändern sich Träume? Da gibt es die blutarme, buchhalterische Methode aus vielen Coachings: Sie sammeln Ihre Werte und Träume in Listen und bewerten diese. Und das sind dann Ihre neuen Träume. Das funktioniert manchmal, aber oft eher nicht. Selbst, wenn Sie so auf neue und adäquate Träume kommen, entfalten diese meist zu wenig Kraft, um wirksam zu werden.

Joseph Campbell hat in seinem herausragenden Buch „Der Heros in tausend Gestalten“ vor 60 Jahren die Gemeinsamkeiten der meisten Mythologien vieler Kulturen untersucht. Und es in dem Konzept der sogenannten Heldenreise zusammen gefasst. In Kurzform:

Der Held, ein Mensch wie Du und ich, erhält aus irgendeinem Grund einen Ruf. Entweder muss er die Gemeinschaft retten, die Ordnung wiederherstellen oder seine eigene Unzufriedenheit drängt ihn vorwärts. Meist verweigert sich der Held am Anfang – bis er nicht mehr anders kann. Dann überschritt er die erste Schwelle und passiert einen furchterregenden Torwächter. Danach kommt er in ein Land, in dem völlig neue Regeln und Gesetze gelten. Meist trifft er dort einen Mentor, der ihn in die neuen Regeln einweiht und ihm bei den ersten Schritten hilft. Dann muss er verschiedene Abenteuer bestehen und schließlich am Ende den Antagonisten – einen äußeren oder auch inneren Feind besiegen. Danach kehrt der Held scheinbar in sein bisheriges Leben zurück und kann dort die Früchte des Erfolgs ernten oder die Gemeinschaft retten. Natürlich ist dieses bisherige Leben dann ein anderes, ein neues Leben.

Was hat dies nun mit den Träumen von Selbständigen und Unternehmern zu tun? Die Heldenreise ist ein Modell der Veränderung – wenn Sie mich fragen: Das wirksamste Modell von Veränderung! Der Held ändert mehrfach seine Träume und seine Sichtweise auf die Wirklichkeit. Er lernt und handelt anders als zuvor. Und in diesem Sinne sind alle Unternehmer Helden.

Noch mal: Ihre Träume sind verschwunden. Die alten Träume greifen nicht mehr. Das ist die Situation des Helden vor dem Ruf. Das Alte stirbt langsam und unmerklich ab. Der Ruf kann nun alles Mögliche sein: Ein Kunde, der sich beschwert, die Partnerin, die sich trennt, die Gesundheit (wie bei Thomas Willmann in meinem Buch „Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer“). Und wie in den Mythologien möchten die meisten Menschen diesen Ruf erst nicht wahrnehmen. Bis sie nicht mehr anders können. Und wenn Sie dann den Schritt über die Schwelle machen, werden Sie auf einmal mit völlig neuen Regeln und Gesetzen konfrontiert. Neue Wünsche entstehen. Und Sie bahnen sich den Weg zu einem anderen Leben.

Deshalb ist der Verlust des Traums, der in die Selbständigkeit führte, nichts Negatives. Im Gegenteil: er zeigt an, dass sich dieser Traum überlebt hat und die Zeit für Neues gekommen ist. Zeit für die Entwicklung der eigenen Rolle als Unternehmer. Und damit Zeit für einen neuen Traum.

Was bedeutet das praktisch? Es ist so: Jeder erzählt sich permanent Geschichten über sich selbst. Je nachdem, welche Geschichten Sie sich selbst erzählen, erscheinen Ihnen andere Handlungsoptionen. Und deshalb handeln Sie anders und erleben mittel- und langfristig unterschiedliche Dinge. Wenn Sie sich die Geschichte erzählen: „Oh je, meine Träume sind weg und ich bin immer nur am ackern“, dann gibt es dort keinen Ausgang. Es ist völlig selbstverständlich, dass sie in dieser Geschichte verhaftet bleiben. Wenn Sie sich jedoch die Geschichte erzählen, dass das Alte langsam am Absterben ist und Sie einen Ruf erhalten, in ein unbekanntes Land aufzubrechen, dann haben Sie die Option, diesem Ruf Folge zu leisten. Und Sie können sich ganz bewusst entscheiden, die erste Schwelle zu überschreiten, von der aus es keinen Rückweg gibt.

Mit anderen Worten: Ob Sie zu einem neuen Traum finden, hängt davon ab, welche Geschichte Sie sich selbst erzählen. Und hier kann uns das Modell der Heldenreise von Joseph Campbell wichtige Anregungen geben. Erzählen Sie sich also selbst die Geschichte vom Helden zu Beginn seiner Reise. (Nebenbei: Mein neues Buch „Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer“ ist ganz bewusst genau nach diesem Modell aufgebaut).

Mehr zum Thema und zum Buchtipp: „Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer“ von Stefan Merath erfahren Sie auch unter www.unternehmercoach.com.

Bestelllink: Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer.


 

(Redaktion)

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