10.02.2010  11:51 Uhr

Fasching
München bekommt Nachhilfe im Feiern

München. Die Münchner gelten in der fünften Jahreszeit als eher gemäßigte Narren. Jahrzehntelang hatte die Stadt nicht mal mehr einen eigenen Faschingsumzug.

Nun sollen sie von waschechten Kölnern Nachhilfe im Feiern bekommen. In der Schrannenhalle direkt neben dem weltberühmten Viktualienmarkt finden ab Donnerstag Karnevalspartys unter dem Motto "Kölsch meets München" statt. Die Veranstalter rechnen mit täglich bis zu 3000 Gästen.

Vom unsinnigen Donnerstag bis zum Faschingsdienstag darf bei Mettbrötchen, Frikadellen und Kölsch geschunkelt und "jebützt" (gebusselt) werden. Karnevalsgesellschaften, DJs und Live-Bands aus Köln und Umgebung sollen ein wenig Stimmung ins "trostlose" Bayern bringen und den kulturellen Austausch zwischen Rhein und Isar vorantreiben.

"Die Münchner brauchen Nachhilfe im Feiern", urteilt der Organisator der Partyreihe, Joachim Pohl. Der Kölner lebt seit über 30 Jahren im bayerischen Exil und ist Mitinhaber des "Coellner im Paragraphe". Das Team der rheinischen Kneipe mischt bereits seit einigen Jahren den Münchner Fasching auf und bot den feierwilligen Rheinländern jahrelang ein Stück Heimat im Karneval.

Der 1. Vorsitzende des Köln Münchner Karnevals Verein (KMKV), Hans-Joachim Zimmermann, zweifelt an der Faschingsqualität in der bayerischen Landeshauptstadt und will lieber in Köln feiern: "Die Flüge nach Hause sind schon gebucht. Wenn man sich am Karnevalswochenende in München verkleidet, wird man auf der Straße mit Verwirrung und Belustigung angeschaut." Für bayerische Rheinländer, die keine Möglichkeit haben, an Karneval ins Rheinland zu fliehen, sieht der Kölner die Partys jedoch als willkommene Rettungsinsel. Auch eine "zugereiste" Studentin aus Köln steht dem karnevalistischen Treiben an der Isar kritisch gegenüber. "Hier in München haben die Leute vom Karneval keine Ahnung, aber ich werde das Beste aus der Faschings-Mogelpackung machen", erklärt sie.

Der Präsident der Münchner Gesellschaft Narrhalla, Uli Kreuzer, findet ganz eigene Erklärungen für den "nicht so intensiven" Fasching in der Landeshauptstadt. "Die Wirkung des bayerischen Bieres ist halt sehr beruhigend", urteilt er und freut sich dennoch, Jahr für Jahr ein paar "lustige und farbenprächtige" Rheinländer in München begrüßen zu können. Wobei ihm klar ist, warum man im milden Rheinland so ausgelassen feiert: "Den Rheinländern fehlen im Winter die Freizeitmöglichkeiten."

Dem Exilkölner Pohl ist all das Gerede herzlich egal. Er hat in München eine zweite Heimat gefunden und sieht mit seiner "kölschen Kneipe" und dem "närrischen Kulturimport" die alte Liebe zum Karneval bewahrt.

In der Schrannenhalle laufen derweil die Vorbereitungen für das Spektakel. Rund 30 000 Liter Kölsch wollen zapfbereit sein und auch die Licht- und Tontechnik bedarf vor dem Partymarathon eines letzten Checks. Der Kölner Pohl ist mittendrin. Er organisiert und delegiert das Team aus 70 Personen, das ihm hilft, ein Stück Heimat an die Isar zu transportieren.


 

(ddp)

Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © pixelio.de/chocolat01



 


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