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Zinsspreads auf europäische Anleihen: Finanzmärkte verstärken Druck zu mehr Haushaltsdisziplin

Die Finanzmärkte üben zunehmend Druck auf die Regierungen in Europa aus, um sie zu mehr Haushaltsdisziplin zu bewegen. Dies zeigt die Entwicklung der Zinsdifferenzen bei Staatsanleihen von zehn Euroländern seit Beginn der Europäischen Währungsunion (EWU).

"Die Krise hat die Staatsverschuldung wieder in den Fokus der Finanzmärkte gerückt", sagte DIW-Expertin Kerstin Bernoth. "Die Märkte haben damit eine wichtige Funktion übernommen, die der Stabilitäts- und Wachstumspakt als 'zahnloser Tiger' nicht erfüllt." Dies unterstreiche die Bedeutung einer Haushaltskonsolidierung für die hochverschuldeten Länder Europas. "Die Einführung gesamt-europäischer Staatsanleihen mit gemeinschaftlicher Haftung - sogenannte Euro-Bonds oder e-Bonds, in Kombination mit einem durchsetzungsschwachen EU-Regelwerk, würde auch noch die letzte disziplinierende Instanz, nämlich die Marktdisziplin, außer Kraft setzen", warnte Kerstin Bernoth.

Zinsunterschiede sind seit der Finanzkrise steil angestiegen

In den Jahren vor der Finanzkrise hatten die Finanzmärkte eine recht eingeschränkte Risikowahrnehmung und unterschieden kaum zwischen hoch- und niedrig verschuldeten Ländern. Doch bereits Ende 2006, also zwei Jahre vor dem Zusammenbruch der Investment Bank Lehman Brothers, wurden die Finanzmärkte generell risikoscheuer. Viele Anleger begannen damals schon, ihr Portfolio in vermeintlich sicherere deutsche Staatsanleihen umzuschichten. Deutschland erhielt einen Zinsvorteil als "Sicherer Hafen", und die Zinsspreads anderer Länder stiegen. Mit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 erhöhten die Märkte ihren Preis für das eingegangene Kreditrisiko, indem sie stärker auf die Schuldenquote eines Landes reagierten: Allein bis Ende 2008 verdreifachte sich der Anstieg der Zinsspreads als Reaktion auf eine Schuldenerhöhung. Nach einer kurzen Beruhigungsphase infolge massiver Stützungsmaßnahmen stiegen die Risikoprämien einiger Länder mit dem Beginn der europäischen Staatsschuldenkrise Ende 2009 erneut steil an, wobei die Märkte erstmals nun auch auf einen Anstieg der Defizitquote reagierten.

Märkte waren vor der Krise zu optimistisch

Der derzeitige Anstieg der Risikoprämien auf Staatsanleihen bestimmter Länder ist vor allem eine Korrektur einer zuvor zu optimistisch bewerteten Risikoeinschätzung auf den Finanzmärkten. Insbesondere die Zinsen auf griechische Staatsanleihen waren über einen langen Zeitraum viel zu niedrig, "Wenn man den tatsächlichen Schuldenstand Griechenlands betrachtet, hätte Griechenland viel höhere Zinsen für seine Anleihen bezahlen müssen. Offenbar haben sich nicht nur Regierungen, sondern auch die Finanzmärkte von der geschönten griechischen Statistik täuschen lassen", sagte Bernoth. Eine strikte Haushaltskonsolidierung Griechenlands könnte nun den Bondmarkt erheblich entlasten.

(Redaktion)


 


 

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