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Solarbranche

Deutliche Marktbereinigung innerhalb der kommenden zwei Jahre

Der deutschen Solarbranche geht es schlecht. Die ersten Unternehmen haben Insolvenz angemeldet. Das Konstanzer Solarunternehmen Sunways hat nun am Silvesterabend bekanntgegeben, dass das chinesische Photo-Voltaik (PV)-Unternehmen LDK Solar über eine Kapitalerhöhung einsteigt - mit anschließendem Übernahmeangebot.

Die equinet Bank AG hat diesen Deal auf Seite der Sunways begleitet. Business-on.de sprach mit deren Vorstandsvorsitzenden, Lutz Weiler.

business-on.de: Herr Weiler, bereits im Juni des vergangenen Jahres gab es erste Gerüchte einer möglichen Übernahme der Sunways durch LDK, am Silvesterabend wurden diese nun bestätigt. Ist das der Startschuss der allgemein erwarteten Konsolidierung ? Wohin wird diese führen?

Lutz Weiler: Die chinesischen PV-Unternehmen haben die vergangenen Jahre für einen massiven Kapazitätsausbau genutzt - maßgeblich unterstützt durch günstige Kredite beispielsweise der China Development Bank. Darüber hinaus verfügen sie über die günstigsten Kostenstrukturen weltweit auf einem mittlerweile hohen Qualitätsniveau. Europäische Hersteller von Solarwafern und -zellen können diesem Druck kaum mehr standhalten. Zwar gab es Versuche, über Marke, Technologie oder Qualität einen "Damm" um die europäische Solarindustrie zu ziehen, doch China ist ein Ozean, und die Flut steigt.

business-on.de: Welche Unternehmen sind für Käufer interessant? Welcher Teil der "solaren Wertschöpfungskette " ist dabei besonders gefragt?

Lutz Weiler: Die meisten chinesischen Player haben das Problem, keine adäquaten Vertriebsstrukturen auf den reifen Solar-Märkten Europas zu besitzen. Deren Aufbau war in den letzten Solar-Boom-Jahren schlichtweg nicht notwendig. Dies rächt sich heute in Form von Überkapazitäten und hohen Lagerbeständen. Aus diesem Grund sind vor allem solche PV-Unternehmen interessante Partner, die gute Zugänge zu großen Key Accounts (z.B. Solar-Händler, -Installateure), eine Marke bzw. eine gute Wahrnehmung beim Endkunden oder Zugang zu Großprojekten (Projektierer oder EPCs) besitzen.

Darüber hinaus werden zukünftig auch in China Produktionskostenvorteile gegenüber der heimischen Konkurrenz eine entscheidende Rolle spielen - insbesondere je mehr Commodity Charakter die kristalline Solarzelle durch ihre technologische Reife bekommt. Stetige Erhöhung der Wirkungsgrade, effiziente Fertigungsprozesse, Minimierung von Bruch und hoher Durchsatz sind Themen, mit denen sich die europäische PV-Industrie schon länger auseinandersetzen musste. Genau diese technologischen Aspekte werden für die chinesischen Wettbewerber zunehmend an Relevanz gewinnen.

business-on.de: Welche strategischen Partner aus dem Reich der Mitte sind aus Sicht der deutschen Unternehmen von Interesse?

Lutz Weiler: Für die deutschen Solarunternehmen sind insbesondere finanzstarke Partner mit einer klaren Strategie interessant, die vorhandene Strukturen in Europa weiter nutzen möchten. Idealerweise bieten sie zusätzlich eine Win-win-Situation , basierend auf einer Kombination aus industrieller Größe, Produktionskostenvorteilen und Nutzung einer etablierten Technologie und Marke.

Dies können bereits etablierte Player sein, die sich hauptsächlich auf der Suche nach Absatzkanälen befinden, aber auch Newcomer mit entsprechendem Bedarf an Zugang zu technologischem Know-how sowie Produktionserfahrung. Vielleicht gelingt es so, die europäische PV-Industrie als Technologie- beziehungsweise F&E-Zentrum zu erhalten - in der Automobilindustrie findet die Wertschöpfung heutzutage ja bekanntermaßen auch zu großen Teilen an Niedrigkostenstandorten statt.

business-on.de: Treten künftig auch Finanzinvestoren auf den Plan?

Lutz Weiler: Aus den oben genannten "Merger Rationales" - dem Zugang zu Vertriebsstrukturen und Technologien - ergeben sich unseres Erachtens derzeit wenig Ansatzpunkte für Finanzinvestoren. Zumal sich eine Vielzahl der potenziellen Unternehmen in einer eher schwierigen finanziellen Situation befinden. Innerhalb der nächsten zwei Jahre sollte die Konsolidierung abgeschlossen sein und eine deutliche Marktbereinigung stattgefunden haben. Wenige große europäische bzw. globale Player, wie beispielsweise Solarworld, werden sich durchaus alleine behaupten können, wohingegen kleinere und mittlere PV-Unternehmen entweder pleitegehen oder einen "weißen Ritter" finden. Jedoch wird diese Welle für den Einstieg eines Finanzinvestors mit einem entsprechenden Turnaround und anschließendem Weiterverkauf höchstwahrscheinlich zu schnell vorüber sein.

business-on.de: Gibt es Alternativen für deutsche Solarunternehmen - und wenn ja, welche?

Lutz Weiler: Die deutschen Solarunternehmen müssen sich aktiv den verschärften Rahmenbedingungen stellen, Kosten an der richtigen Stelle sparen sowie Marketing und Vertrieb professionell organisieren. Eine etablierte Marktposition, die Wahrnehmung als Marke und ein nachhaltiges Vertriebskonzept ermöglichen unseres Erachtens auch zukünftig Umsatz- und Ergebniswachstum. Dies gilt insbesondere in einem mittelfristig zu erwartenden Preisumfeld für PV-Systeme, in dem sich der Kauf auch ohne EEG-Vergütung lohnt. In einem solchen Umfeld kann auch eine europäische Modulproduktion Sinn ergeben, da die Transportkosten einen immer höheren Anteil am PV-Systempreis ausmachen. Für die europäische Produktion von Solarzellen wird es jedoch schwierig werden.

(Redaktion)


 


 

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