Finanzmarkt
Mehr Regulierung oder mehr Eigenverantwortung?
München. Tagung der Hanns-Seidel-Stiftung zur gesellschaftlichen Verantwortung der Banken
Die Diskussion um die Konsequenzen aus der Wirtschafts- und Finanzkrise wird kontrovers geführt. Das zeigte auch eine Tagung der Hanns-Seidel-Stiftung zur gesellschaftlichen Verantwortung der Banken am Montagabend (8.2.2010) in München, zu der Politiker, Wissenschaftler und Bankenvertreter geladen waren.
Der frühere Finanzminister Erwin Huber, heute Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Bayerischen Landtag, fordert eine "wirksame internationale Finanzmarktregulierung", gleichzeitig aber auch mehr Eigenverantwortung der Banken durch "Orientierung an Stabilität und dem Leitmotiv des ehrlichen Kaufmanns". Diese Forderung hält auch Dr. Theodor Weimer, Sprecher des Vorstands der HypoVereinsbank, für richtig: "Wir müssen uns der Verantwortung stellen und tiefgreifende Konsequenzen ziehen. Ein bisschen Reputationskosmetik ohne echten Wandel in unserem Verhalten wird nicht ausreichen." Mit einer Flucht aus der Verantwortung kann die Bankenbranche das massiv verspielte Vertrauen nicht zurückgewinnen, prognostiziert Weimer, der keine Lösung darin sieht, "wenn jede derzeit diskutierte Regulierungsidee durchkommt. Dann wird eine erstarrte, gelähmte Bankenlandschaft die Folge sein. Und das wäre fatal für unsere Wirtschaft, die auf funktionierende Banken angewiesen ist."
Ursachen- und Wirkungsforschung betreibt Prof. Bernd Rudolph von der LMU München. Für ihn ist die internationale Finanzkrise "das Ergebnis des komplexen Zusammenspiels von Politik-, Regulierungs-, Markt- und Managementversagens. Reformen helfen nicht, wenn sie nicht an allen Ursachen und Treibern der Krise ansetzen". In der Bewertung der Finanzkrise unterscheidet Prof. Peter Schallenberg von der Uni Paderborn in Institutionenethik und Individualethik. Er richtet eine konkrete Forderung an die Politik: "Der Staat muss die Gesetze so machen, dass die Banken und die Akteure in den Banken sich ethisch einwandfrei verhalten."
Um diese oder ähnliche Regulierungsansätze wird man in der Bankenbranche nicht herumkommen. Für HypoVereinsbank-Chef Theodor Weimer führt jede härtere Regelung dazu, "dass das Bankgeschäft zukünftig weniger ertragreich sein wird als bisher. Wir sollten diese Konsequenz als Branche aber akzeptieren." Erwin Huber empfiehlt den Banken, "durch eigene Anstrengung das verloren gegangene Vertrauen wieder zurückzugewinnen und ein verlässlicher Partner für Staat, Wirtschaft und Bürger zu sein".
(ots )
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