Interview
10 Fragen über Social Media an Florian G. Liss
München. Florian Liss, 29, gründete nach seiner Ausbildung zum Werbekaufmann und dem Studium der Soziologie und Psychologie in München zusammen mit seinem Jugendfreund, Schreiner und Diplom Volkswirt Stefan Schmidl, 30, das Unternehmen „0049 Betriebsgesellschaft“. Mit Ihrer Firma Veranstalten Liss und Schmidl „Flohmärkte mit Eventcharakter“ in Deutschland. In einem Büro im Münchner Stadtteil Neuhausen betreiben beide ein kleines Café.

Florian G. Liss, Geschäftsführer der 0049 Betriebsgesellschaft UG und Veranstalter des Nachtflohmarkts „nachtkonsum“
business-on.de: Marketing über soziale Netzwerke liegt gerade im Trend – ist das wirklich für alle Unternehmen sinnvoll?
Florian G. Liss: Prinzipiell ja, aber sobald das soziale Marketing größere Summen – z.B. durch Werbeanzeigen – verschlingt, sollte die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit zuerst sorgsam überprüft werden.
business-on.de: Welche Möglichkeiten und Kanäle sozialer Netzwerke nutzen Sie für Ihr Unternehmen?
Florian G. Liss: Wir nutzen überwiegend Facebook, um Resonanz zu unserer Dienstleistung zu erhalten, um somit unser Produkt laufend optimieren zu können.
business-on.de: Mit welchem Erfolg?
Florian G. Liss: Der Erfolg ist immer schwer messbar, vor allem wenn der klassische „Marketing-Mix“ angewendet wird, also „von allem etwas“. Man müsste mal alles weglassen um zu sehen, wie viel das Internet wirklich leistet. Aber das auszuprobieren, wäre doch zu risikoreich.
business-on.de: Wie haben soziale Netzwerke die Eventbranche verändert?
Florian G. Liss: Die Frage suggeriert ja, dass die Eventbranche durch Social Media verändert wurde. Ich denke, der Eventbranche wurde es - seit Social Networks existieren, schwieriger gemacht. Ich erhalte täglich rund 70 Veranstaltungseinladungen von „Freunden“.
business-on.de: Was sind die größten Vorteile von sozialen Netzwerken für Unternehmen?
Florian G. Liss: Werbung kann, zumindest Anfangs – kostenlos gestreut werden. Zunehmend verschwimmt für den Konsumenten jedoch die Grenze zwischen relevanter Information und dessen, worunter gemeinhin „lästige Werbung“ aufgefasst wird, nämlich Information, die wir nicht benötigen. Jetzt wird es schwierig, denn sobald die Nutzer nicht mehr filtern können, was wirklich von Bedeutung ist, und was Spam, melden sie sich ab.
business-on.de: Worauf achten Sie bei Ihrem Unternehmen, wenn Sie es im Netz präsentieren?
Florian G. Liss: Da gibt es meiner Meinung nach keine signifikante Differenzierung zu sonstiger Öffentlichkeitsarbeit und PR. Ob auf der Imagebroschüre, den Flyern, im Newsletter, in der Presse oder online: Immer hat das Unternehmen die Abendgarderobe an. Es ist umgekehrt wie im Bewerbungsgespräch. Ein bisschen Übertreibung und Selbstbewusstsein führt eher zum Erfolg als kleine Brötchen backen. Im Cyberspace achten Unternehmen wohl noch stärker darauf, jung und modern zu wirken, passend zur Zielgruppe, die ja auch nicht häkelnd vor dem Bildschirm schaukelt.
business-on.de: Welche Gefahren sehen Sie für Unternehmen im Internet?
Florian G. Liss: Die größte Gefahr meiner Ansicht nach ist die Diskrepanz zwischen dem Markenimage on- und offline. Wie kann ich meine Marke einerseits traditionell offline etabliert präsentieren, zugleich aber für junge und moderne Konsumenten im Web koexistieren?
business-on.de: Der neueste Trend in sozialen Netzwerken sind Location Based Services wie „foursquare“. Wo liegen hier die Möglichkeiten fürs Marketing?
Florian G. Liss: Neben Hobbies und Bildungsgrad, demografischen Merkmalen und sozialen Beziehungen zu anderen gibt man schließlich noch sein letztes Geheimnis preis. Wo trinke ich Kaffee, wo kaufe ich ein. Der Konsument hinterlässt immer mehr Spuren, er ist gläsern, durchschaubar und immer besser zu steuern und zu beeinflussen. Der Trend geht eben weg von im vergangenen Jahrhundert so sehr geschätzten und kostbaren Privatheit zur Öffentlichkeit. Wir werden sehen.
business-on.de: nachtkonsum hat 5070 Fans auf Facebook – was bedeutet das für Ihre Event-Reihe und was sind 5000 Fans auf Facebook wert?
Florian G. Liss: Wir wenden die 20-Prozent-Regel an. Wenn wir 1000 Leute erreichen, ist das schon viel. Über den Wert lässt sich streiten. Mein Geschäftspartner Stefan Schmidl und ich haben uns tatsächlich schon mal überlegt, was wir machen würden, wenn uns Facebook schreiben würde, dass wir unsere „Fans“ jetzt kaufen müssten, sonst hätten wir keinen Zugang mehr zu „nachtkonsum | Nachtflohmarkt“. In jedem Fall würden wir verhandeln.
business-on.de: Was können soziale Netzwerke nicht?
Florian G. Liss: Echte Freundschaft ersetzen.
(Kathrin Hollmer)
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