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Warenkreditversicherung

Fluch oder Segen?

Wer sich mit dem Thema Kreditversicherung in den letzten Monaten beschäftigt hat musste sich diese Frage immer wieder stellen. Unabhängige Kreditversicherungsmakler führen täglich Gespräche vor diesem Hintergrund. Diese werden sowohl mit den Verursachern, also den Versicherern, in dem Fall mit den Bereichs- & Geschäftsleitungen der „Verursacher“ als auch mit den „Leidgeplagten“ geführt. Dies sind die Kunden der Versicherer Versicherungsnehmer genannt – aber auch die Betroffenen – vom Versicherer „Risiken“ genannt. Also den Firmen, die von den Kreditversicherern aus der Versicherung rausgeworfen wurden.

Fluch oder Segen? Hier erhalten Sie nun eine Antwort auf diese Frage.

Zudem geben wir Ihnen Handlungsempfehlungen für die nächsten Monate im Umgang mit Ihrem/den Kreditversicherern.

Kreditversicherung – der Fluch:

Die Kreditversicherer haben in den letzten Monaten Ihre Zeichnungspolitik drastisch geändert. Sie haben Tausenden von Unternehmen im In- und Ausland den Versicherungsschutz gestrichen und weltweit einige Milliarden an Versicherungssummen „vernichtet“. Zudem haben sie die Anforderungen an Bonitätsinformationen erhöht und die Voraussetzungen zur Zeichnung verschärft. Ergänzt werden diese Maßnahmen durch Verschlechterungen der Versicherungsbedingungen also durch Anhebungen der Prämien und Selbstbeteiligungen.

All diese Punkte sind nicht erfreulich. Dies umso mehr, da wir aus einer mehrjährigen Phase kommen, in der quasi alles versichert wurde, was „nicht bei drei auf den Bäumen war“ und sich die Versicherer in einer Art und Weise konditionell unterboten, dass es eine helle Freude war. Bei allem Ärger kommen wir aber zu dem Schluss, dass die Kreditversicherer eigentlich „nur“ Ihre Funktion wahrnehmen:

  • Risiken im Vorwege identifizieren (also Unternehmen mit Zahlungsstörungen im Vorfeld erkennen),
  • die Spreu vom Weizen trennen (Versicherungsschutz für gute Unternehmen ausweiten für Schlechte reduzieren) und
  • im Insolvenzfall bzw. bei Zahlungsverzögerung entschädigen.

Gleichfalls müssen wir den Versicherern vorwerfen, dass sie manchmal über das Ziel hinausschießen und überreagieren. Es wurden nicht nur schlechte Firmen aus der Versicherung rausgeworfen, sondern auch Unternehmen mit recht guten Bonitätsinformationen. Die Aufhebungsentscheidungen waren für die Firmen häufig nicht nachvollziehbar.

Kreditversicherung – der Segen:

Die Kreditversicherer ziehen sich nämlich nur bei „Risiken“ aus dem Risiko zurück! Unternehmen, die offensiv über Ihre Geschäftsentwicklung informieren, in der Vergangenheit ertragreich waren und/oder Substanz aufgebaut haben, werden auch weiterhin versichert. Sie werden auch nachweislich auch mit steigenden Summen versichert. Die Kreditversicherer stehen nach wie vor im Schadenfalle mit hohen Entschädigungsquoten (also guten Selbstbeteiligungen) zur Verfügung. Zudem fordern sie seit Jahresbeginn nachdrücklicher Unternehmenszahlen ein und haben dadurch heute ein Vielfaches mehr an aktuellen substantiellen Bonitätsinformationen zur Verfügung als je zuvor. Das steigert die Qualität der Prüfung ganz erheblich. Das Frühwarnsystem funktioniert dadurch deutlich besser.
Kunden der Kreditversicherer wissen durch die Aufhebungen und Ablehnungen nunmehr Bescheid, welcher der Kunden unter besonderer Beobachtung stehen soll und bei wem andere Zahlungsvereinbarungen ratsam sind. Auch wenn es sich um mehr Kunden handelt als es wünschenswert wäre. Es werden auch deutlich mehr Insolvenzen eintreten als „es wünschenswert“ wäre.

Wir sind überzeugt, dass die Kreditversicherungen gestärkt durch die Krise kommen und aus der Krise hervorgehen werden. Das gilt natürlich auch für die Kunden der Kreditversicherer. Schließlich wird Ihr Kundenportfolio heute viel schneller und weitaus besser durch den Kreditversicherer überwacht.

Das geheime Problem:
Wir müssen bedenken – spätestens in der Phase des Umschwungs (zum Aufschwung hoffentlich) kommt der Kreditversicherung besondere Bedeutung zu. In dieser Phase brauchen Ihre Kunden nämlich mehr Finanzierungsspielraum, den der Kunde von der Bank nicht bekommen wird. Daher werden Sie und somit die Kreditversicherung stärker gefordert. Der Versicherungsbedarf wird dann pro Kunde steigen (folglich auch das Insolvenzrisiko). Es wird viele Firmen geben, die zwar die Krise noch überstanden haben, aber an einer nicht ausreichenden Wachstumsfinanzierung scheitern. Nur die Kreditversicherung kann vor dem Schaden schützen.

Wir möchten Ihnen aber einige Maßnahmen empfehlen, wie Sie mit der aktuellen Situation am besten umgehen:

  1. Gebot der Transparenz – gehen Sie selber und auch Ihre Kunden offensiv auf die Kreditversicherer / Auskunfteien zu und bedienen Sie diese mit den notwendigen Informationen. Zählte früher die Unschuldsvermutung (Der Versicherer zeichnet ein Limit wenn nichts Negatives bekannt ist), fordern die Kreditversicherer heute Offenheit (gesetzgeberisch unterstützt), Ertragsfähigkeit und Substanz. Die Versicherer wollen selber überprüfen, ob Ihr Kunde zahlungsfähig ist und bleibt. Unterstützen Sie Ihren Kunden und informieren Sie ihn aktiv über diesen Sachverhalt. Wenn er ausreichend versichert ist wird er spätestens in der Wachstumsphase um so mehr auf SIE angewiesen sein und Ihre Warenkredit-Linie nutzen. Das Gebot der Transparenz gilt natürlich auch für Sie!
  2. Zahlungsverzögerungen – Da die Bilanz/GuV nur historische Erträge und vergangene Substanz darstellt, ist die Mitteilung von Zahlungsverzögerungen (Mitteilung von Überfälligkeiten) für die Kreditversicherer das wichtigste Mittel zur Früherkennung von Insolvenzen. Durch die Zurückhaltung der Banken gibt es seit ca. 6 Monaten einen rasanten Anstieg der Überfälligkeiten bei den Versicherern. Dem wird ein ebenso rasanter Anstieg der Insolvenzen folgen. Abhängig von den jeweiligen Verträgen sind Versicherungsnehmer im Schnitt nach 60 Tagen nach Fälligkeiten angehalten eine Meldung an den Versicherer zu senden. Tun sie es nicht verlieren sie im Insolvenzfall den Entschädigungsanspruch. Man sollte also penibel darauf achten a) solche Zahlungsverzögerungen zu vermeiden oder b) auf jeden Fall an den  Versicherer zu melden, um seinen Schutz nicht infrage zu stellen.
  3. Bewusstsein schärfen – Seien Sie sich bewusst, dass auch ein Teil Ihrer Kunden heute einem viel höheren Insolvenzrisiko ausgesetzt ist. Die Banken stellen keine (zusätzliche) Liquidität zur Verfügung. Die Kreditversicherer streichen Unternehmen mit einem Rating von ca. 4 (Schulnoten) das Limit. Dadurch reduzieren auch andere Lieferanten den Refinanzierungsspielraum. Aufgrund der eingeschränkten Liquidität im Markt drohen Kunden bereits bei kleinen Ertrags- und/oder Liquiditätskrisen die Insolvenz. Hat Ihr Versicherer ein Limit nachhaltig abgelehnt oder aufgehoben - engagieren Sie sich nicht ausgerechnet bei diesen Kunden mit einem hohen eigenen Risiko!
  4. Prämienerhöhungen – natürlich müssen Versicherer ein stark gestiegenes Risiko durch höhere Prämieneinnahmen decken. Was passiert wenn die Schäden aus dem Ruder laufen sehen wir bei den Banken. Sie werden ihrer Funktion nicht mehr gerecht und verleihen kein Geld mehr. Es wird bereits kolportiert, dass die Rückversicherer Ihr Kreditversicherungsgeschäft einschränken möchten. Daher ist das Streben nach Prämienanpassung der Kreditversicherer nachvollziehbar – sofern es vernünftig und maßvoll ist!

Fazit:

Die Kreditversicherer, die jahrelang im Stillen und unbekannt agierten, sind in der heutigen Zeit häufig das Zünglein an der Waage. Heben die Kreditversicherer Ihr Limit auf steht die Insolvenz unmittelbar bevor. Auch hier gilt Angriff ist die beste Verteidigung. Gehen Sie auf die Kreditversicherer zu und informieren Sie sie über Ihre erfreuliche Entwicklung oder zumindest über die positive Tendenz. Oder machen Sie sie sich zu Freunden und nutzen Sie selber das Instrument der Kreditversicherer. Als Kunde gibt es manchmal den entscheidenden Vorteil.

HFB Creditversicherungsmakler GmbH
Dirk Bedenbecker
Gottesweg 143
50939 Köln
Tel.: +49 221 29784578
Fax : +49 221 29784579
[email protected]

(Dirk Bedenbecker)


 


 

Dirk Bedenbecker
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