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General Electric

Fünf Jahre europäisches Forschungszentrum

Die oberbayerische Stadt Garching verkörpert wie kaum eine zweite das Image von "Laptops und Lederhosen". Nicht zuletzt das charakteristische Atom-Ei steht für die lange Tradition von Forschung und Technik. Im Schatten des alten Forschungsreaktors forschen heute zahlreiche Wissenschaftler - rund 100 von ihnen in einem futuristischen Kubus aus Glas und Aluminium für den Konzern General Electric (GE).

Vor wenigen Wochen stellten die dortigen Forscher ein neuartiges System zur Nutzung von Abwärme vor, ein großer Erfolg für den Leiter des Forschungszentrums, Carlos Härtel. Und ein schönes Geschenk zum fünften Geburtstag der Einrichtung. Am Freitag (3. Juli) gratuliert Staatskanzleichef Siegfried Schneider (CSU) bei einem offiziellen Festakt.

Der Mischkonzern GE hat weltweit vier Forschungszentren. Garching ist davon die jüngste Einrichtung. Trotz der scheinbar übermächtigen Präsenz des Konkurrenten Siemens scheute GE dessen Nähe nicht und eröffnete sein europäisches Forschungszentrum in Bayern. Denn auch GE wollte von den zahlreichen Vorteilen des Raums München profitieren.

Neben hoch qualifizierten Wissenschaftlern und der Technischen Universität (TU) sind hier auch zahlreiche Hochtechnologieunternehmen ansässig. So müsse GE nicht immer "das Rad neu erfinden", da im Wesentlichen alles da sei, betont Härtel. Bei Bedarf könne zum Beispiel schnell ein externes Team von Lasertechnologen engagiert werden. "In Indien müssen sie alles, was sie brauchen, selbst aufbauen", erläutert der Leiter.

Die Labors sind das Herzstück des Forschungszentrums. In einem Raum forschen Hochspannungselektroniker in kleinen Gitterkäfigen mit Solarenergie. In einem anderen versuchen die Wissenschaftler hinter ihren Schutzbrillen einen neuen Werkstoff aus Kohlefasern und Harz herzustellen, der die Rotorblätter von Windgeneratoren leichter machen soll. Die teilweise gefährlichen Versuchsanrichtungen beeinträchtigen die positive Arbeitsatmosphäre nicht. Die Ingenieure Gabor Ast und Herbert Kopecek geraten regelrecht ins Schwärmen, wenn sie von der Zusammenarbeit erzählen. "Es gibt kaum Titel, die Hierarchien sind sehr flach", hebt Kopecek hervor. Zentraler Teil der Unternehmenskultur ist auch, dass sich alle Mitarbeiter duzen.

"Als wir vor fünf Jahren herkamen, da waren wir alle neu und haben mit unseren Ideen bei null angefangen", beschreibt Kopecek die Ausgangssituation. Die Kollegen kämen aus ganz unterschiedlichen Fachbereichen. Ob Elektrotechniker, Biologen, Ärzte oder Chemiker - alle arbeiten hier in Garching unter einem Dach. Gerade durch das vernetzte Forschen entstünden viele Innovationen, sagt Härtel. Diese müssten jedoch am Ende auch profitabel sein und sich finanziell auszahlen, fügt er hinzu.

Vor wenigen Wochen hat das Forschungszentrum ein System zur Umwandlung von Abwärme, die beim Betrieb einer Gasturbine frei wird, in Strom vorgestellt. Auf diese Weise kann zusätzlicher Strom erzeugt werden, ohne mehr zu verbrennen oder zusätzliche Emissionen zu verursachen. Das Neuartige an der Entwicklung sei, aus der relativ geringen Wärme noch wirtschaftlich Strom zu erzeugen, erläutert der Leiter des Forschungszentrums.

Das sei jedoch keineswegs die erste Innovation gewesen, betont Härtel. Viele Geschäftsbereiche wollten jedoch nicht groß über neue Entwicklungen sprechen. Ziel sei es nun, das innovative Verfahren zur Abwärmenutzung auch auf andere Antriebe, so zum Beispiel Gasmotoren, anzuwenden, erläutert Härtel.

Von der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise spüren die Forscher in Garching relativ wenig. Zwar sei der Forschungsetat des Zentrums in diesem Jahr nicht gestiegen, aber doch zumindest gleich geblieben, erläutert Härtel. Auch die Wissenschaftler Ast und Kopecek unterstreichen, dass das Unternehmen wisse, wie wichtig Forschung und Entwicklung für den Gesamterfolg sind. Insgesamt hat GE seit der Einweihung 100 Millionen Euro in das Forschungszentrum investiert.

(Redaktion)


 


 

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