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BAW/Marktkommunikation

Fünfzig Prozent jeder Krise sind Psychologie!

BAW Expertenrunde analysiert Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Marktkommunikation. Viele Probleme im Marketing haben mit der Wirtschaftskrise nichts zu tun. Die Branche hat in den vergangenen Jahren ihre Hausaufgaben nicht gemacht und wird dafür jetzt bestraft. Das ist das Ergebnis eines von Prof. Dr. Dr. Claudia Mast moderierten Experten-Podiums am Freitag Abend, 17.07.09 in der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing (BAW) in München.

Dennoch bleibt die Wirtschaftskrise nicht ohne Auswirkungen auf die Kommunikationsbranche. Die Krise beschleunigt negative Entwicklungen und teilt Unternehmen in kommunikative Gewinner und Verlierer. Auch wenn das Schlimmste noch nicht überstanden ist, bleiben Branchenkenner verhalten optimistisch und erwarten den Aufschwung bereits für 2010.

„Viele negative Entwicklungen in der Kommunikationsbranche kannten wir auch schon vor der Wirtschaftskrise“, erklärt Torsten Oltmanns, Leiter der Abteilung Global Marketing & Communications der Roland Berger Strategy Consultants Holding GmbH. Oltmanns verweist zum Beispiel auf die rückläufigen Anzeigenbudgets im Printbereich, die große Nachfrage hingegen im Bereich Online und die dadurch wachsenden Schwierigkeiten der Verlage. „Diese Phänomene waren bekannt. Dass die Verlage erst durch die Wirtschaftskrise in Schieflage geraten sind, stimmt also nicht“, so Oltmanns. „Wir müssen endlich unsere Hausaufgaben machen und diese Probleme ganz unabhängig von der Krise lösen“, fordert Oltmanns deshalb. Dies gelte umso mehr, da die Talsohle der Krise noch nicht erreicht sei. „Das dicke Ende kommt noch“, warnt Torsten Oltmanns und zeigt sich dennoch verhalten optimistisch: „Ich sehe gute Chancen, dass sich die Wirtschaft schon im nächsten Jahr wieder erholen kann.“

Es gibt aber auch kommunikative Gewinner der Krise. Zu diesen zählt beispielsweise der Sparkassenverband Bayern. Das bestätigte Verbandspressesprecher Hans Schmid. „Das Image und die Anerkennung der Sparkassen hat sich durch die Finanz- und Bankenkrise im letzten Herbst über Nacht schlagartig verbessert“, so Schmid. Ein Vertrauensgewinn, der sich auch in nackten Zahlen ausdrücken lässt. „Im Oktober 2008 haben wir mehr Umsatz gemacht als in den neun Monaten zuvor“, berichtet Hans Schmid. Die Markenkommunikation der Sparkassen ist seit der Krise komplett auf das Thema Vertrauen ausgerichtet. „Vor der Krise standen die Produkte im Mittelpunkt. Jeder halbe Prozentpunkt Zinsen war wichtig in der Kommunikation. Heute erklären wir stattdessen, wo wir das Geld der Sparer investieren und wie die Anlagen abgesichert sind“, so Hans Schmid.

Verlierer der Krise ist die Automobilbranche. Dennoch sind bei Audi die Marketingbudgets nahezu stabil geblieben. Jürgen de Grave, Leiter der Abteilung Kommunikation Unternehmen bei Audi. „Wir hatten Glück, dass uns die Krise in einer sehr gesunden Phase des Unternehmens getroffen hat“, so de Grave. Dennoch sei hart über jeden Euro diskutiert worden. „Das Geld wird jetzt anders eingesetzt“, bekräftigt de Grave. Im Mittelpunkt stehen Effizienz und Nachhaltigkeit. Jede Maßnahme und jedes Projekt sei auf den Prüfstand gestellt worden. „Früher hat man als Automobilhersteller einen Messestand für 20 bis 30 Millionen Euro gebaut und nach der Messe weggeworfen. Heute planen wir modular und überlegen von Beginn an, was wir im nächsten Jahr wiederverwenden können“, verrät de Grave.

BAW Akademie-Direktor Dr. Matthias Lung appellierte an die Meinungs- und Stimmungsmacher in Deutschland, der aktuellen Wirtschaftskrise mit mehr Mut, Zuversicht und Optimismus zu begegnen. „Fünfzig Prozent der Krise sind Psychologie“, zitierte Dr. Lung Wirtschaftswunder-Minister Ludwig Erhardt. „Deshalb sind jetzt vor allem die Kommunikationsprofis in unserem Land gefragt“, ist Matthias Lung überzeugt. „Stimmungsterroristen“ warnt er vor unnötiger Panikmache. „Es bringt nichts die Dinge schön zu reden, aber wir sollten sie auch nicht schlimmer machen, als sie sind.“

(BAW)


 


 

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