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Fiskus wirft prüfenden Blick auf Gemeinschaftskonten

Unterhalten Paare ohne Trauschein, Erben- und Grundstücksgemeinschaften oder Familiengesellschaften Konten und Depots, machen die Steuern deutlich mehr Arbeit als bei einzelnen Bankverbindungen. Ab dem ersten Euro fällt Abgeltungsteuer an, weil mit Ausnahme von Ehegatten bei Gemeinschaftskonten kein Freistellungsauftrag möglich ist.

Ab dem ersten Euro fällt Abgeltungsteuer an, weil mit Ausnahme von Ehegatten bei Gemeinschaftskonten kein Freistellungsauftrag möglich ist. Von der Bank zu viel einbehaltene Abgaben lassen sich nur mühselig über die Steuererklärung zurückholen. Diese Arbeit ist oft alleine dazu nötig, um die Kirchensteuer korrekt zu ermitteln. Denn für die einzelnen Inhaber von Gemeinschaftskonten darf die Bank Kirchensteuer nur einbehalten, wenn alle Beteiligten dieselbe Konfession besitzen, keiner aus der Kirche ausgetreten ist und alle einen gemeinsamen Antrag auf Steuereinbehalt stellen.

Aber auch aus anderen Gründen muss das Finanzamt für die Gemeinschaftskonten kontaktiert werden. So erhalten die einzelnen Kontoinhaber ihren Sparer-Pauschbetrag nur, wenn sie die Einnahmen melden. Liegt der persönliche Steuersatz bei einzelnen Beteiligten – wie etwa Kindern – unter 25 Prozent, kann ein Antrag auf Veranlagung mit der individuellen Progression für die anteiligen Erträge aus dem Gemeinschaftsvermögen gestellt werden. Ähnlich sieht es aus, wenn Mitglieder negative Kapitaleinnahmen – wie gezahlte Stückzinsen oder realisierte Kursverluste aus Einzeldepots – mit den positiven Einnahmen aus den Gemeinschaftskonten verrechnen wollen. Das gelingt nur über das Finanzamt.

Steuerpflichtige Geschenke

Bei gemeinsamen Bankverbindungen von Paaren und Ehegatten besteht das kaum bekannte Risiko, dass die Kontobewegungen steuerpflichtige Geschenke darstellen können. Das wird meist erst bemerkt, wenn sich das Finanzamt aufgrund der verbesserten Kontrollmöglichkeiten meldet. Das lässt sich im Nachhinein kaum noch reparieren. Finanzgerichte mussten sich jüngst verstärkt mit der Schenkungsteuer bei gemeinschaftlichen Konten und Depots beschäftigen. Das liegt vor allem daran, dass zunehmend unverheiratete Paare Konten unterhalten und der Freibetrag bis 2008 nur bei 5.200 Euro lag und mit aktuell 20.000 Euro auch nicht gerade üppig ausfällt. Sofern die Summe aller Zuwendungen innerhalb von zehn Jahren über dieser Grenze liegt, fällt auf den übersteigenden Betrag sofort ein Steuertarif von 30 Prozent an.

BUCHEMPFEHLUNG:

Oder-Konto

Daher lohnt es sich für den Fiskus, genauer auf die Einrichtung eines Oder-Kontos sowie die Umschreibung eines Depots auf beide Partner zu schauen. Bereits dies kann eine steuerpflichtige Zuwendung von 50 Prozent des Guthabens darstellen, wenn beispielsweise nur ein Partner bislang Vermögen besaß und seine Guthaben oder Wertpapiere auf eine gemeinsame Kontenverbindung umschreiben lässt.

Aber schon der alltägliche Umgang mit einem Oder-Konto löst oftmals Steuer aus. Zahlt nur der Alleinverdiener aufs Gemeinschaftskonto, können Schenkungen vorliegen, wenn der andere über die Gelder verfügt und die laufende Gehaltseingänge über den Zeitraum von zehn Jahren addiert werden. Allerdings setzt eine Schenkung die Bereicherung auf Kosten des Leistenden voraus. Außen vor bleiben daher Zuwendungen für die normale Lebensführung, sämtliche Einzahlungen des Alleinverdieners zum Zwecke des Unterhalts werden daher nicht erfasst.

(VSRW-Verlag)


 


 

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