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Familienweihnacht

Erst der Braten oder erst die Geschenke? Ohne Rituale geht es nicht

Für den einen „gehört es sich doch so“, andere „haben es doch schon immer so gemacht“. Fakt ist, jeder einzelne Mensch hat seine eigenen Rituale, ohne die schon ein geordneter Start in den Tag nicht funktionieren würde. Keine Angst, sämtliche Formen von Zwangshandlungen lasse ich aus. Ich denke an die kollektiven Rituale, wie zum Beispiel Weihnachten oder die Begrüßung eines neuen Jahres. Fangen wir mit dem ersten an.

Wenn aus „spießig“ wieder „traditionell“ wird

Immer wieder mitten im Vorweihnachts-Stress fragt man sich: „wofür mache ich das eigentlich“, „braucht man das?“ Die Antwort ist: Na klar! Seit Ende der 80er Jahre beschäftigen sich Anthropologen aus aller Welt unter anderem mit (unseren) Alltagsritualen. Früher sezierten sie afrikanische Fruchtbarkeitsriten oder gar das Klassenbewusstsein mongolischer Ziegentreiber. Heute liegen die Forschungsobjekte viel näher: In der eigenen Familie, bei Freunden oder den netten Nachbarn. Vor allem, wenn Heilig Abend ansteht. Bei uns weiß meistens jeder in der Siedlung schon am 24. Dezember um 9 Uhr morgens, dass der alte Lemper (Name von der Red. geändert) von nebenan sowieso spätestens um vier „strull“ ist. So sicher wie das Amen in der Kirche. Auch das scheint ein Ritual zu sein. Schön ist daran vor allem, dass sich nichts ändert. Dann muss man sich auch nicht fürchten. Gut, ne?

9 mal 7? Weiß nicht. Der Engel hing da letztes Jahr aber nicht!

Spätestens wenn es unter dem Weihnachtsbaum wieder so richtig kracht, weil alle mit ihren unterschiedlichen Vorstellungen und Wünschen aneinandergeraten, wird eines klar: Es wurden eine Menge Rituale verletzt. Und zwar jedes Einzelne von jedem Einzelnen. Vielleicht ist es vor allem den Aufständlern bei den Familienriutalen nicht klar, wie wichtig die Reihenfolge von Braten und Geschenken ist. Seitdem ich selbst Nachwuchs habe werde ich immer wieder an die wirklich wichtigen Dinge erinnert. Obschon es meinen Lieben nicht so leicht fällt, sich zu merken wie viel 9 mal 7 ist – der Kommentar: „der Engel hing letztes Jahr aber weiter da oben!“ beschäftigt mich nachhaltig. Es beschwichtigt mich aber immer wieder aufs Neue, dass meine Brut scheinbar doch ein sehr gutes Gedächtnis hat. Ich versuche mir das zu merken. Scheint wichtig zu sein. Auch das mit dem Engel.

Ein Stückchen Narrenfreiheit und dann zurück ins Leben

Nicht dass ich an dem Firlefanz am Baum hänge – sorry, dem rituellen Weihnachtsbaum-Schmuck. Wichtig ist doch das gemeinsame Handeln, der gemeinsame Fokus und der enge Kontakt zueinander. Psychologen haben dafür folgende Erklärung: Solche Momente erlaubten es dem Einzelnen, aus dem Alltag herauszutreten, eine Weile Narrenfreiheit zu genießen, und sich dann in neuem Status wieder einzugliedern. Klingt nach einer kollektiv-spirituellen Erfahrung, ist aber logisch, denn wer hätte spontan Verständnis wenn meine Tante Else auf der Straße laut losheult, einfach so? Aber wenn sie mit uns allen „Oh du Fröhliche“ singen soll, geht das nie ohne lautes Heulen. Und alle wissen: Es ist wie immer, es ist gut. Dieses Gefühl hat somit noch einen Effekt: Es schafft Nähe, Gemeinsamkeit, Orientierung im Umbruch, der Angst machen oder sogar eine Krise mit sich bringen kann. Tante Else jedenfalls ist danach wieder mit sich im Reinen. Na bitte.

Dann kann das Fest ja kommen und übrigens ist es völlig egal, ob erst der Braten oder die Geschenke. Hauptsache zusammen, das sagen die Psychologen auch. Denn: Weihnachten – oder die persönliche Nähe während dieser Zeit - trainiert auch Empathie. Und dafür muss man sich auch mal kontakten. Mit möglichst vielen, möglichst nah. In der wahren Welt. 

Viel Spaß bei der Vorfreude – auch die birgt schon viele Rituale...

(Edda Nebel)


 


 

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