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Literaturfest München

Schriftsteller Liao Yiwu mit Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet

Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu ist am Montagabend in München mit dem Geschwister-Scholl-Preis geehrt worden. Liao erhielt die Auszeichnung für sein Buch "Für ein Lied und hundert Lieder. Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen".

Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller lobte in ihrer Laudatio den Mut des 53 Jahre alten Schriftstellers. "Er war des Taktierens überdrüssig und bereit, für dieses Buch wieder ins Gefängnis zu gehen", sagte Müller laut Redemanuskript.

In seinem Zeugenbericht schildert der Dichter in drastischer Weise seine vierjährige Haft in einem chinesischen Gefängnis und Arbeitslager. Liao wurde 1990 verhaftet, nachdem er am Vorabend des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking 1989 ein kritisches Gedicht verfasst hatte. Bis dahin galt Liao als unpolitisch. Mittlerweile lebt er im Exil in Deutschland.

Müller lobte auch die hohe Qualität von seinem literarischem Werk. "Kein Ton ist falsch, kein Bild verrutscht, kein Satz gestelzt. Liao Yiwus Sprache hat eine Natürlichkeit, die sich nicht verbiegen muss", hieß es weiter in der Laudatio. Sein Werk sei "Poesie und Zeitgeschichte in Einem".

"Literarischer Kampf"

In der Preisbegründung der Jury hieß es, Liao kämpfe "einen literarischen Kampf für die Wiederherstellung der Menschenwürde - er ist ein großer Künstler und ein mutiger Chronist zugleich". Er habe "einen eigenen Kopf und einen eigenen Ton". Liao Yiwu sei "im Sinne des Vermächtnisses der Geschwister Scholl ein Vorbild für alle, die gegen Ungerechtigkeit und Diktatur aufbegehren".

Liao sagte laut Redemanuskript, er sei "anders als die Geschwister Scholl, die heldenhaft in den Tod gingen und die in ihrem Heimatland jeder kennt" und er stehe "beschämt vor ihnen". Seine Ehrung wollte er auch als Ermutigung für seine Kollegen verstanden wissen.

Vor der Preisverleihung hatte der Schriftsteller deutliche Kritik an seinem früheren Heimatstaat geäußert. "In China zählt nur das Geld, die Natur ist zerstört, die Moral herunter", sagte er. Die momentanen chinesischen Werte seien "ein moralischer Müllhaufen".

Am Dienstag (15. November) ist Liao Yiwu auf dem Münchner Literaturfest zu Gast. Der Schauspieler Axel Milberg liest ab 19.00 Uhr im Alten Rathaussaal in München aus Liaos preisgekrönten Werk und der Dichter selbst begleitet die Lesung musikalisch.

(Redaktion)


 


 

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