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Gezielte Börsenmanipulation

Geständnis im Prozess um Manipulationen am Aktienmarkt

Mit einem Geständnis hat der erste von mehreren Prozessen um großangelegte Manipulationen des Aktienmarkts begonnen. Der Angeklagte Stefan F. räumte am Donnerstag vor dem Landgericht München I ein, an der Beeinflussung von Aktienkursen durch gezielte Veröffentlichungen beteiligt gewesen zu sein.

Sein Mandant sei "in diese Geschichte hineingeraten" und bereue, was daraus geworden sei, sagte Anwalt Alexander Kleinert.

Vorab schon Bewährungsstrafe in Aussicht gestellt

Zuvor hatte das Gericht dem 47 Jahre alten Angeklagten in Aussicht gestellt, bei einem ausführlichen Geständnis eine Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren und eine Geldstrafe von 300 bis 360 Tagessätzen zu verhängen. Auch die Staatsanwaltschaft hatte dem zugestimmt.

Die Anklage wirft einer Gruppe von Spekulanten vor, von 2005 bis 2008 durch gezielte Veröffentlichungen Aktienkurse nach oben oder unten getrieben zu haben, um mit zuvor getätigten Käufen oder Leerverkäufen hohe Gewinne zu erzielen. Dabei sollen teils mehrere Millionen Euro eingesetzt worden sein. Einzelnen Beschuldigten wird zudem auch Insiderhandel zur Last gelegt.

Angeklagter machte nach eigenen Angaben Verlust

F. ist nur als Mittäter in 165 Fällen der Marktmanipulation angeklagt. Eigenen Angaben zufolge soll er bei den Spekulationen sogar etwa 50.000 Euro Verlust gemacht haben. Sein Verfahren war abgetrennt worden.

Die Hauptbeschuldigten, zu denen pikanterweise auch der ehemalige Vizechef der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Markus S., gehört, sollen ab dem 23. Januar vor Gericht kommen. Dem ehemaligen Aktionärsschützer wird vorgeworfen, auch Mitteilungen der SdK zur Kursmanipulation eingesetzt zu haben. In einem Fall soll der Börsenwert eines Unternehmens daraufhin binnen Stunden um mehr als ein Drittel beziehungsweise bis zu 220 Millionen Euro abgesackt sein. Bislang gibt es in dem Gesamtkomplex vier Anklagen. Zudem laufen Ermittlungen gegen eine zweistellige Zahl weiterer Verdächtiger.

In wirtschaftlich schwieriger Situation

Verteidiger Kleinert sagte, dass sein Mandant den Börsenbrief, mit dem er zu den Manipulationen beigetragen haben soll, in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit als Broterwerb gesehen habe. F. selbst sagte, dass viele seiner Empfehlungen gut für die Anleger gewesen seien. Sonst hätte er ja keine Leser mehr gehabt. Zudem sagte er, er habe damals "wenig Ahnung" von der rechtlichen Situation gehabt.

Trotz des Geständnisses und der Absprache sollten am Nachmittag noch Zeugen gehört werden. Das Urteil wird für den 17. Januar erwartet.

(dapd-bay)


 


 

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