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Gläubigerversammlung

Teilzahlungen an Solar-Millennium-Gläubiger in Aussicht gestellt

Gute Nachrichten für die Gläubiger des zahlungsunfähigen Solarkraftwerk-Entwicklers Solar Millennium: Insolvenzverwalter Volker Böhm hat den rund 16.000 geschädigten Anleihegläubigern eine Teilentschädigung in Aussicht gestellt.

 "Es wird eine Auszahlung an die Anleger geben", sagte er am Rande der Gläubigerversammlung am Dienstag in Erlangen. Eine Quote wollte er nicht nennen. Wie aus der nicht öffentlichen Veranstaltung aber zu erfahren war, könnten es bis zu zehn Prozent der jeweils angelegten Summe sein.

Die Anleihegläubiger investierten über sogenannte Inhaber-Teilschuldverschreibungen knapp 227 Millionen Euro in Solar Millennium und sind die größte Gläubigergruppe. Mit dem Geld finanzierte das Unternehmen seine Projekte.

Insgesamt belaufen sich die Verbindlichkeiten für alle Gläubiger - also auch Banken oder Lieferanten - auf rund 300 Millionen Euro. Dem stehen zu erwartende Erlöse in Höhe von mehr als 25 Millionen Euro gegenüber, darunter bis zu sieben Millionen Euro liquide Mittel.

Böhm erklärte, wie viel am Ende tatsächlich zurückgezahlt werden könne, hänge davon ab, ob zwei noch nicht fertige Projekte verkauft werden könnten. Hier bestehe noch ein gewisses Risiko. "Ich bin optimistisch, dass wir das zum Abschluss bringen", sagte er. Bis das Insolvenzverfahren abgeschlossen sein wird, könnten seinen Worten zufolge durchaus fünf Jahre vergehen.

Böhm erklärte weiter, es werde noch geprüft, ob gegen die ehemalige Führungsriege Haftungsansprüche geltend gemacht werden können oder diese sogar in kriminelle Machenschaften verwickelt gewesen sei.

Interessensvertreter gewählt

Als nicht gerechtfertigt bezeichnete der Insolvenzverwalter Schadensersatzforderungen von Kurzzeit-Vorstandchef Utz Claassen gegen Solar Millennium in Höhe von 203 Millionen Euro wegen Rufschädigung. "Ich werde diese Forderung bestreiten", sagte Böhm. Claassen müsste sie somit einklagen.

Bei der Gläubigerversammlung am Dienstag waren etwa 530 der rund 16.000 geschädigten Anleiheinhaber persönlich vertreten. Sie wählten die Rechtsanwälte Klaus Nieding aus Frankfurt und Franz Wagner aus München zu ihren Interessensvertretern. Eine zweite Versammlung für die übrigen Gläubiger ist für den 4. Juni geplant.

Vor Beginn der Gläubigerversammlung äußerten einige der Anleger im Gespräch mit dapd wenig Hoffnung auf eine Entschädigung. "Ich gehe davon aus, dass das Geld weg ist", sagte der 44-jährige Marcus Schlereth aus Mainz, der in zwei Anleihen insgesamt 7.000 Euro angelegt hat.

Der seit zwölf Jahren in Frankreich lebende Clemens Emanuel erwarb für 20.000 Euro Anleihen von Solar Millennium und besitzt darüber hinaus noch 1.000 Aktien des börsennotierten Unternehmens. Nach Erlangen sei er ohne große Erwartungen gekommen, erklärte der 65-Jährige. Den Verlust des Geldes könne er verschmerzen. Getäuscht von Unternehmen sieht er sich nicht. Die Firma habe einfach "Pech" gehabt, glaubt er. "Die hätten doch auch gerne weiter verdient".

Solar Millennium hatte kurz vor Weihnachten beim Amtsgericht Fürth einen Insolvenzantrag gestellt. Das Verfahren wurde Ende Februar eröffnet.

(dapd-bay)


 


 

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