Hamsterkäufe
Abschied von der Glühbirne
München. Hamsterkäufe waren eigentlich ein typisches Phänomen im Zweiten Weltkrieg. In Scharen fuhren die Leute aufs Land, um dort bei Bauern ihre Habseligkeiten gegen Lebensmittel einzutauschen. In Österreich und Deutschland erleben die Hortungskäufe nun eine Renaissance, auch wenn es sich nicht um Kartoffeln und Kohlköpfe handelt. Objekt der Begierde sind Glühbirnen, die ab dem 1. September in der Europäischen Union stufenweise verboten werden.
In ganz Europa steigen die Kunden bereits auf Energiesparlampen um. In Deutschland und Österreich beobachten die Glühlampenhersteller allerdings regelrechte Hortungskäufe.
Christian Schraft, der beim Leuchtmittelhersteller Osram für den Bereich Glühlampen in Privathaushalten zuständig ist, erklärt sich das Phänomen
folgendermaßen: Die Deutschen sind offenbar zurückhaltender bei neuen Technologien. Auch spiele eine "gewisse Nostalgie" gegenüber der Glühbirne eine Rolle, meint er bei einem Rundgang durch die Energie-sparlampenproduktion im Werk in Augsburg.
Viele Kunden hatten in der Vergangenheit über verschiedene Eigenschaften der Energiesparlampen geklagt. Das Licht war zu weiß und kalt, die Verzögerung zwischen der Betätigung des Lichtschalters und dem Aufleuchten der Lampe wurde als zu lang empfunden. Die Bedenken der Kunden haben wir sehr ernst genommen, betont Schraft. Osram habe schon lange an Verbesserungen gearbeitet, durch das EU-Verbot habe das Unternehmen die Aktivitäten weiter verstärkt.
Inzwischen gibt es eine breite Produktpalette an Lampen, die im Vergleich zur herkömmlichen Glühbirne Energie sparen. Bei Energiesparlampen werden 80 Prozent weniger Strom verbraucht, bei Halogenlampen sind es 30 Prozent weniger. Es gibt kaum eine Stelle, an der leichter CO2 gespart werden kann, betont Schraft. Allerdings müssten sich die Kunden genau überlegen, wofür sie die Lampe brauchen. In Treppenhäusern bräuchte man beispielsweise ein Modell, dass auf häufiges Ein- und Ausschalten ausgelegt ist. Wenn eine Lampe brillantes Licht abstrahlen soll, empfiehlt sich eine Halogenlampe. Schließlich gibt es auch noch LED-Leuchten, die jedoch bis zu 35 Euro kosten können, dafür aber auch eine Lebensdauer von 25 Jahren haben.
Schraft erläutert, dass sich die Kunden in der Regel 20 Sekunden für die Kaufentscheidung bei Glühlampen nehmen. Deshalb sei es eine Herausforderung für die Lampenhersteller, die Kunden über die neuen
Produkte und Einsatzmöglichkeiten zu informieren. Die Verbraucherzentrale Bayern rät den Kunden angesichts der Vielfalt, sich beraten zu lassen und die Produkte auch mal zum Testen mit nach Hause zu nehmen.
Die Privathaushalte könnten durch die Investition in eine effizientere Lampe auch bares Geld sparen. Zwischen 9 und 15 Euro kostet eine Energiesparlampe, die Ersparnis auf der Stromrechnung liegt um ein Vielfaches höher. Da die Verbraucher jedoch nach Auffassung der EU-Kommission nicht langfristig denken, wurde die Verordnung erlassen. Auch Schraft weiß, dass die Einsparung auf der Stromrechnung für die Kunden weniger greifbar ist, als der Preis für die Leuchtmittel. Eine herkömmliche Birne kostete bislang nur rund einen Euro.
Durch das Glühbirnen-Verbot erwartet Osram zwar einerseits sinkende Stückzahlen, weil die Kunden die Energiesparlampen seltener auswechseln müssen. Auf der anderen Seite liegen die Preise höher. Der europäische Markt könnte um 10 bis 15 Prozent wachsen, sagt ein Unternehmenssprecher. Im Augsburger Osram-Werk werden seit Jahren
keine herkömmlichen Glühbirnen mehr produziert, deshalb trifft das
EU-Verbot die Arbeiter hier nicht. Einen großen Einschnitt bedeutet das Verbot hingegen für das Werk im französischen Molsheim, wo bislang ausschließlich Glühlampen produziert wurden.
(Redaktion)
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