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Flusswärts den Grand Canyon erkunden

Der Grand Canyon ist eines der sieben Naturwunder der Erde und zieht mit 433 Kilometern Länge als zweitgrößte Schlucht jedes Jahr fast fünf Millionen Touristen an. Aber nur ein kleiner Prozentsatz wagt die Erkundung auf dem Raft, geradezu verschwindend ist die Zahl der Kanuten.

Wassersportler oder zumindest wasserfest zu sein, das ist kein Fehler bei der zwölftägigen Tour den Colorado River hinunter. Der über zwei Kilometer tiefe Einschnitt in die Felslandschaft mit bizarren Formationen, 45 Grad flirrender Hitze und den hier eingezwängten Wassermassen bestimmt ab jetzt das Leben: Schluss mit Handy, iPod und Web 2.0. Eingebootet wird bei Lees Ferry bei Meile 0, rund 300 Kilometer östlich von Las Vegas. So blau und ruhig das Wasser beim Einsteigen schimmert, bringt keine Meile später der Paria River Baumstämme mit sich und färbt das Wasser braun.  

Zwei Rafts begleiten die Paddler als Vor- und Nachhut und Versorgungsstation. Und weil Amerikaner ihren Nationalpark lieben, gilt die Maxime: You have nothing to leave but footprints. Ergo gibt es Campingtoiletten im Bauch der Rafts, die abends an landschaftlich herausragenden Stellen diskret positioniert werden – über den richtigen Umgang mit Mr. Shit und der Notdurft unter freiem Himmel wird im weiteren Verlauf der Reise unter den 28 Teilnehmern noch ausgiebig diskutiert.  Außerdem an Bord: Unmengen an frischen Lebensmitteln für die gesamte Tour, die von Eis und vom anfangs 6 Grad kalten Colorado gekühlt werden.

Die Reise mit dem amerikanischen Unternehmen Hatch ist ein Wunder der Organisation. Die Crew ist perfekt geschult und steuert mit den Außenbordmotoren auch in den härtesten Stromschnellen die Rafts zielsicher durch die meterhohen Wellen und Abfälle. Der Badger Creek Rapid mit der Einstufung 4-6 (die Skala geht bis 10) bringt die ersten Kanuten an ihre Leistungsgrenze, die Eskimorolle gelingt einigen nur zur Hälfte, Luft gibt´s aber nur oben, also raus aus dem Boot. Schwimmen im Colorado River ist eines der unvergesslichsten Erlebnisse jedes Paddlerlebens. Doch im Notfall sind die Sportsfreunde zur Stelle, bergen Boot und Paddel und helfen beim Wiedereinsteigen. Ist kein geeigneter Platz am Ufer in Sicht, erfolgt der Einstieg durch vorsichtiges Hochrobben von hinten, jeweils links und rechts von zwei Kajaks flankiert, um dem Procedere den nötigen Halt zu geben.

Während Normalpaddler mehr oder weniger mit allen großen Rapids zu kämpfen haben oder aufs Raft umsteigen, reiten die Könner den Hance Rapid, den Horn Creek- und Hermit Rapid und unzählige weitere souverän ab. Hinter Flussmeile 178 ruht am Eingang ein riesiger vulkanischer Fels – der Vorbote der Lava Falls, dem härtesten Rapid auf der 277-Meilen-Tour. Eine Handvoll Recken wagt das Abenteuer, drei kommen mit dem  Kopf oben unten an, die beiden anderen kommen schwimmend durch.  

Doch die Tour bietet viel mehr als White Water: Ausflüge in Seitencanyons, Wasserfälle, Canyoning-Trips und eine Tageswanderung über ein Wüstenplateau zu den Deer Creek Falls. Gekocht, gegessen und geschlafen wird am Ufer, meist auf weißem Sand und jedes Mal das Gefühl: Wir sind die ersten hier, denn die Amerikaner lieben und achten ihren Canyon (siehe oben).

Dickhornschafe, Ringtail-Cats, eine schwarz-weiß geringelte Wasserschlange unklarer Spezies, eine Klapperschlange sowie unzählige Echsen und diebische Raben beobachteten das Treiben der bunten Menschenschar in der Regel neugierig, aber ohne Aufregung. „Leave it as it is“, ordnete Teddy Roosevelt 1903 an. Für  ihn war der Grand Canyon der einzige Ort, den jeder Amerikaner einmal gesehen haben sollte. Für Paddler gilt das weltweit.

(Susan Tuchel)


 


 

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