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Steuertipp

Häusliches Arbeitszimmer

Seit dem 1.1.2007 wird ein häusliches Arbeitszimmer nur noch dann steuerlich anerkannt, wenn es den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit darstellt. Nur in diesem Fall sind die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer weiterhin in unbegrenzter Höhe in der Steuererklärung absetzbar. Dazu gehören dann auch Kosten für Teppich, Renovierung Arbeitszimmer usw. Dies gilt auch bei einer Tätigkeit im Außendienst, wenn der Schwerpunkt der gesamten Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer liegt.

In allen anderen Fällen lassen sich die Kosten für ein steuerliches Arbeitszimmer nicht mehr absetzen.

Nicht betroffen sind davon Kosten für Arbeitsmittel und hierfür verwendete Einrichtungsgegenstände. Auch wenn das Arbeitszimmer steuerlich nicht mehr absetzbar ist, so können weiterhin Aufwendungen für Einrichtungsgegenstände in der Steuererklärung abgesetzt werden, wenn diese Gegenstände so gut wie ausschließlich für berufliche Zwecke verwendet werden. Beispiele: Schreibtisch, Schreibtischstuhl, Schreibtischlampe, Bücherregal, Beistelltisch, Computertisch. Dabei ist es egal, wo sich die Gegenstände in der Wohnung befinden.

Sofort in der Steuererklärung absetzbar sind derartige Möbel und Einrichtungsgegenstände, wenn der Kaufpreis inklusive Mehrwertsteuer nicht mehr als 410 Euro plus Mehrwertsteuer ausmacht. Dies bedeutet: 487,90 Euro bei einem Mehrwertsteuersatz von 19%.

Liegen die Voraussetzung für die steuerliche Anerkennung des Arbeitszimmers vor, muss der Raum so gut wie ausschließlich für berufliche Zwecke (90 Prozent) genutzt werden. Das Arbeitszimmer muss von den privat genutzten Räumen durch eine Tür getrennt sein.

Finanzgericht akzeptiert "gerade noch so" die Nichtabsetzbarkeit

Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz hatte im Februar 2009 über die "gestrichene" Absetzbarkeit zu entscheiden. Die Richter am Finanzgericht wiesen die Klage eines Lehrer-Ehepaares ab, die ihr häusliches Arbeitszimmer von der Einkommensteuer absetzen wollten. Nach Ansicht der Finanzrichter bestehen aber gewisse Zweifel, ob das Steueränderungsgesetz 2007 mit dem allgemeinen Gleichheitsgrundsatz des Art. 3 Grundgesetz vereinbar sei. Nach Ansicht des FG Rheinland-Pfalz hält sich die entsprechende Gesetzesänderung gerade noch im Rahmen des dem Gesetzgeber eröffneten Gestaltungsspielraums. Die Revision wurde wegen grundsätzlicher Bedeutung zugelassen, so dass mal wieder der Bundesfinanzhof (BFH) entscheiden muss. Es kann auch durchaus sein, dass der BFH den Sachverhalt dann auch noch dem Verfassungsgericht zur Beurteilung vorlegt. Lehrer, Professoren, Richter und ähnliche Berufsgruppen können daher ggf. noch hoffen und müssen für sich entscheiden, ob sie einen Einspruch wegen Nichtanerkennung der Kosten für das häusliche Arbeitszimmer einlegen.

Die Änderungen ab 1. Januar 2007 betreffen das häusliche Arbeitszimmer. Die Vermietung eines Raumes an den Arbeitgeber ist hiervon nicht betroffen. Die Anerkennung eines derartiges Miet Vertrag es bedingt, dass die Vermietung vorrangig im betrieblichen Interesse des Arbeitgebers liegt. Sofern ein solcher Vertrag echt durchgeführt und auch steuerlich anerkannt wird, handelt es sich nicht um ein häusliches Arbeitszimmer, sondern um einen Büroraum des Arbeitgebers. Die Mietzahlungen des Arbeitgebers sind steuerpflichtige Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung für den Vermieter und die Kosten für den vermieteten Raum ("das Arbeitszimmer") sind als Werbungskosten bei der gleichen Einkunftsart (Vermietung und Verpachtung) steuerlich absetzbar.

Fazit: Ein "steuerliches Arbeitszimmer" können ab 2007 vorrangig nur noch so genannte "Homeoffice-Arbeiter (Telearbeiter)" in der Steuererklärung geltend machen. So gehen zum Beispiel Lehrer leer aus, denn das Arbeitszimmer bildet nicht den Mittelpunkt der betrieblichen Tätigkeit. In Einzelfällen werden wieder Finanzgerichte zu entscheiden haben, wo im betreffenden Einzelfall der Mittelpunkt einer beruflichen Tätigkeit liegt. So hatte der Bundesfinanzhof schon mal darauf hingewiesen, dass Zeit nicht das einzige Kriterium für eine Interpretation des Mittelpunktes darstellt (BFH Az.: VI R 21/03).

Rechtsprechung zur Streichung "Steuerabzug Arbeitszimmer" ab 2007

Es sind mehrere Klagen zum Wegfall des "häuslichen Arbeitszimmers (Stand Februar 2009) anhängig. Vor dem Finanzgericht Rheinland-Pfalz klagt zum Beispiel ein Bürger wegen der Nichtanerkennung des Freibetrages auf seiner Lohnsteuerkarte. Er fordert die Eintragung der Kosten für ein Arbeitszimmer, weil die Neuregelung nach seiner Ansicht verfassungswidrig sei. Gerade der Dachverband der Lehrer (dbb Beamtenbund und tarifunion) ist hier sehr aktiv.

Archivbeitrag: Regelung bis zum 31. Dezember 2006
Die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer gehören grundsätzlich zu den nicht abzugsfähigen Aufwendungen. Nur noch in 3 Ausnahmefällen können die Kosten für ein steuerliches Arbeitszimmer bis zum Ende des Jahres 2006 ganz oder teilweise steuerlich abgezogen werden. Die Übersicht zeigt, unter welchen Voraussetzungen ein Steuervorteil bis Ende 2006 in Betracht kommen kann:

Prüfen Sie, ob Sie die Voraussetzungen für einen der drei Ausnahmefälle erfüllen:

  • Arbeitszimmer als Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit

Wer ausschließlich in seinem Arbeitszimmer seiner beruflichen Tätigkeit nachgeht, kann die daraus resultierenden Aufwendungen in tatsächlicher Höhe abziehen. Das Arbeitszimmer muss den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit darstellen. Das heißt: Der Steuerbürger darf so gut wie nie außerhalb des Arbeitszimmers tätig sein.

  • Arbeitszimmer als Teil der beruflichen Tätigkeit

Wird das Arbeitszimmer zu mehr als 50 Prozent der gesamten beruflichen Tätigkeit beansprucht, ist der steuerliche Abzug der Aufwendungen bis zu einem Betrag von 1.250 Euro im Kalenderjahr möglich.

Maßgebend ist der zeitliche Aufwand - und zwar bezogen auf den gesamten beruflich veranlassten Zeitaufwand. Sofern Sie die im Arbeitszimmer verbrachte Zeit glaubhaft machen können, dürften sich beim Steuerabzug bis 1.250 Euro keine Probleme ergeben. Damit Sie aber auf jeden Fall auf der sicheren Seite sind, sollten Sie die Arbeitszeiten im Arbeitszimmer in einem Kalender notieren - oder ein "Arbeitszeiten-Buch" führen.

  • Kein oder kein ausreichender Arbeitsplatz

Diese Fallgruppe kommt zum Beispiel bei Lehrern vor. Da Lehrern für Unterrichtsvorbereitung kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, können sie ihr Arbeitszimmer bis zu 1.250 Euro im Jahr absetzen.

Keine Probleme haben auch alle Außendienstmitarbeiter zu erwarten, da ihnen regelmäßig für ihre Schreibarbeiten und Abrechnungen kein Schreibtisch beim Arbeitgeber zur Verfügung steht.

Unabhängig von der Begrenzung des steuerlichen Abzuges der Kosten für ein Arbeitszimmer müssen die folgenden Voraussetzungen für die Anerkennung des Arbeitszimmers vorliegen:

  • Es muss neben dem Arbeitsraum ausreichend Wohnraum vorhanden sein

Neben dem Arbeitszimmer muss dem Steuerpflichtigen noch genügend Raum zum Wohnen verbleiben. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Grundbedürfnisse eines normalen Wohnens gedeckt sein müssen.

  • Arbeitszimmer muss räumlich abgetrennt sein

Ein Arbeitszimmer innerhalb eines Wohnbereichs muss klar durch eine Tür von den übrigen Wohneinheiten getrennt sein. Eine Arbeitsecke in einem sonst privat genutzten Zimmer reicht für den Abzug der Aufwendungen als Werbungskosten nicht aus.

  • Es darf sich nicht um ein Durchgangszimmer handeln

Bei einem Arbeitszimmer darf es sich nicht um ein so genanntes Durchgangszimmer handeln. Ein Durchgangszimmer ist ein Zimmer, das ständig durchquert werden muss, um andere Wohnteile zu erreichen.


 


 

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