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Impfschutz für Kinder

Wann ist Impfen sinnvoll?

In Deutschland gibt es keine Impfpflicht – aber vieles abzuwägen. Allein für Kinder und Jugendliche werden derzeit offiziell 13 Standardimpfungen empfohlen. Doch welche Impfungen sind wirklich sinnvoll – und welche nicht? Die Stiftung Warentest hilft – gestützt auf Einschätzungen von Experten – in einer dreiteiligen Serie, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Als Grundlage dient die Auswertung der großen Online-Umfrage „Impfen“ mit mehr als 10 000 Teilnehmern. Ergebnis: Die Mehrheit steht dem Impfen aufgeschlossen gegenüber. Viele haben sich aber auch schon dagegen entschieden oder sind grundsätzlich skeptisch.

Die meisten Teilnehmer stehen dem Thema grundsätzlich positiv gegenüber: Sie verfügen über einen vollständigen Impfschutz, ließen sich oder ihre Kinder in den vergangenen zwei Jahren impfen oder planen Impfungen. Immerhin 17 Prozent der Befragten aber sehen Impfungen für sich selbst grundsätzlich skeptisch; 22 Prozent tun dies bei Impfungen für ihre Kinder. Und mehr als die Hälfte von ihnen kann sich nicht vorstellen, ihre Impfskepsis zu überdenken – diese Teilnehmer haben „ihre Meinung gebildet“.

Das sagen die Kritiker

44 Prozent der grundsätzlichen Skeptiker haben persönlich schlechte Erfahrungen mit Impfungen gemacht. Doch häufiger noch führen sie allgemeine Argumente gegen das Impfen ins Feld. Das wichtigste ist ein weltanschauliches: „Impfungen nehmen dem Körper die Chance zur natürlichen Auseinandersetzung mit der Erkrankung“. Andere Hauptgründe gegen das Impfen beziehen sich auf mögliche Nebenwirkungen – dass Impfstoffe das Immunsystem überfordern und schwächen, schädliche Konservierungsmittel enthalten und für die Zunahme der chronischen Krankheiten mit verantwortlich sind. Solche Sorgen treiben Befürworter laut Umfrage nur wenig um. Eher glauben sie daran, dass ausschließlich die Pharmaindustrie Impfempfehlungen steuert (24 Prozent). Dieser Grund liegt bei den Impfskeptikern an letzter Stelle (62 Prozent). Am nächsten kommen sich Befürworter und Skeptiker bei der Einschätzung, dass Hygiene und Lebensstandard im Kampf gegen Infektionskrankheiten eine wichtige Rolle spielen. 

Auch Befürworter nicht vorbehaltlos pro Impfen

Aber auch die Befürworter stehen Impfungen nicht vorbehaltlos gegenüber. Rund 40 Prozent haben sich schon mindestens einmal gegen einen Piks für sich oder ihr Kind entschieden. Vor allem aus zwei Gründen: „Ich hielt diese Impfung nicht für notwendig“ und „Nebenwirkungen und Risiken der Impfung erschienen mir zu hoch“. Besonders unbeliebt war die Impfung gegen Schweinegrippe. Sie war 2009 recht ruckartig empfohlen worden und sorgte in den Medien für heftige Kontroversen. Auf Platz 2 folgt die Impfung gegen Grippe. Sie wird übrigens nur bestimmten Risikogruppen offiziell empfohlen: Chronisch Kranken, Schwangeren, Über-60-Jährigen sowie medizinischem Personal und Pflegeheimbewohnern.

Lückenhaftes Wissen

Etwa ein Viertel der Eltern lehnt auch relativ neu empfohlene Impfungen ab: gegen humane Papillomaviren (HPV) sowie Pneumo- und Meningokokken (siehe Grafik 3). Weiterhin schreckten 30 Prozent von ihnen vor der „Sechsfach-Impfung“ zurück. Standardimpfungen ür Erwachsene fanden meist nur wenig Widerspruch. Aber womöglich gibt es dazu nur ein lückenhaftes Wissen – und damit einen lückenhaften Impfschutz. So haben nur 27 Prozent der Befragten von der Empfehlung gehört, sich als Erwachsene nochmals gegen Keuchhusten impfen zu lassen – zusammen mit der nächsten Auffrischimpfung gegen Tetanus und Diphtherie. 

Auch Ärzte raten manchmal von Impfungen ab

Auch Ärzte wägen ihre Impfempfehlungen ab. So gaben 15 Prozent der Erwachsenen und sogar 21 Prozent der Eltern an, ihr Arzt habe ihnen schon deutlich oder zumindest spürbar von einer Impfung abgeraten. Bei denen für Kinder betraf das am häufigsten die gegen Schweinegrippe (33 Prozent), gefolgt von der gegen Windpocken (25 Prozent) und Grippe (23 Prozent). Ansonsten deckt sich die Reihenfolge der ärztlichen und elterlichen Ablehnung. Auch bei den Standardimpfungen für Erwachsene stimmt sie weitgehend mit der der Laien überein. Tatsächlich sind Impfentscheidungen individuell mit dem Arzt zu treffen und hängen etwa vom Gesundheitszustand ab.

Übrigens folgten mehr als 80 Prozent der Befragten der ärztlichen Empfehlung- sowohl für sich selbst als auch auch für ihre Kinder.

Ärzte als wichtigste Informationsquelle

Ganz grundsätzlich spielen Ärzte bei Impfentscheidungen eine sehr wichtige Rolle. Das zeigen die Angaben derer, die sich oder ihre Kinder in den letzten zwei Jahren impfen ließen. Die meisten suchten dafür Rat bei Haus- oder Fachärzten (82 Prozent), beziehungsweise Kinderärzten (89 Prozent der Eltern). Und viele fühlten sich beim Beratungsgespräch ausführlich zur Notwendigkeit, aber auch zu den Risiken von Impfungen informiert. Andere persönliche Beratungsmöglichkeiten wie Krankenkassen, Gesundheitsämter, Impfberatungsstellen nutzten dagegen nur wenige Umfrageteilnehmer. Mehr Bedeutung kommt schriftlichen Informationsquellen zu, vor allem Zeitschriftenartikeln, dem Internet sowie Flyern oder Broschüren in den Arztpraxen. 

Impfungen nachträglich kaum bereut

Sich selbst ließen die Befragten in den letzten zwei Jahren am häufigsten gegen Grippe impfen (70 Prozent). Es folgten die Einzelimpfung gegen Tetanus (37 Prozent) und die Vierfach-Impfung gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Polio (29 Prozent). Bei den Kinderimpfungen aus den letzten zwei Jahren liegt die Sechsfach-Impfung ganz vorn (47 Prozent), gefolgt von verschiedenen anderen Standardimpfungen. Meist hatte übrigens der Kinderarzt darauf hingewiesen, dass diese anstehen (64 Prozent). Bei den Erwachsenen taten dies die Haus- oder Fachärzte viel seltener (40 Prozent). Übrigens: 97 Prozent der Teilnehmer, die sich selbst in den letzten zwei Jahren impfen ließen, sowie 95 Prozent der Eltern halten dies im Nachhinein für richtig.

Expertinnen im Chat
Die große Beteiligung an der Online-Umfrage Impfen hat gezeigt: Das Thema bewegt. Aus diesem Grund beantworten Ihnen die Expertinnen Katrin Andruschow und Dr. Bettina Sauer Ihre Fragen zum Thema im Chat auf test.de: Am Mittwoch, 14. März, von 13 bis 14 Uhr. Die Fragen können jetzt schon gestellt werden. 

Teil 1 der Serie: Impfungen für Kinder. test bringt darin 13 Seiten geballte Informationen, etwa:
• einen test-Impfkalender für Kinder,
• die Fakten zu den Krankheiten, gegen die Kinder geimpft werden,
• die Fakten zu den Impfungen für Kinder,
• eine Empfehlung dafür, in welchen Fällen die jeweilige Impfung sinnvoll ist – und in welchen eher nicht.
Abruf des Reports Impfungen für Kinder aus test 03/2012.

(Redaktion)


 


 

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