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Rückzug

Osteoporose zwingt Infineon-Chef zum Karriereende

Mit erst 51 Jahren muss Infineon-Chef Peter Bauer seine Karriere beenden. Seit längerer Zeit schon kämpft der zweifache Familienvater mit der tückischen Knochenkrankheit Osteoporose. In den vergangenen Jahren zog er sich bereits mehrere Brüche der Rückenwirbel zu.

Trotz dieser schweren Krankheit hatte Bauer Infineon nach Krisenjahren wieder in die Erfolgsspur zurück gebracht.

Da sich in letzter Zeit sein Gesundheitszustand jedoch noch weiter verschlechterte, zieht er nun die Konsequenz. Bauer kündigte dem Aufsichtsrat an, zum Ende des Geschäftsjahres am 30. September aus gesundheitlichen Gründen sein Amt abzugeben. "Diese Entscheidung fällt mir sehr schwer", sagte Bauer laut Unternehmensmitteilung vom Sonntagabend. Infineon sei ihm "in den vielen, so ereignisreichen Jahren sehr ans Herz gewachsen".

Bauer hat alle Höhen und Tiefen des Halbleiterkonzerns erlebt

1986 schloss der gebürtige Münchner sein Studium der Elektrotechnik an der Technischen Universität München ab und heuerte gleich bei Siemens an. Von Anfang an arbeitete er im Bereich Halbleiter, zunächst als Entwicklungsingenieur für Mikrocontroller.

Nach verschiedenen Positionen im Marketing übernahm er 1993 die Leitung von Chipcard und ID System ICs in der Siemens Halbleitersparte. Drei Jahre später wurde Bauer zunächst General Manager des Siemens Halbleiterbereichs Microcontroller ICs. Ab 1997 verantwortete Peter Bauer den weltweiten Vertrieb. 1998 wurde er zum Vorstandschef von Siemens Microelectronics in der US-Stadt Cupertino berufen.

Bauer von Anfang an im Infineon-Vorstand

Als Siemens den Halbleiterbereich 1999 ausgliederte, war Bauer in führender Position daran beteiligt. Er begleitete als Vorstandsmitglied im März 2000 den Börsengang der Infineon Technologies. Neben der Telekom war dies eine der spektakulärsten IPOs dieser Zeit. Die Aktie war 33-fach überzeichnet und wurde für 35 Euro ausgegeben.

In den ersten Monaten hielt sie sich auch noch deutlich über diesem Wert. Doch bereits 2001 begann der Niedergang. Zahlreiche Skandale folgten: 2002 wurde Infineon in den USA wegen illegaler Preisabsprachen verurteilt, 2005 erschütterte die Korruptionsaffäre um den Topmanager Andreas von Zitzewitz den Konzern, 2010 verdonnerte die EU-Kommission Infineon mit anderen Unternehmen wegen Preisabsprachen zu einem Bußgeld von 57 Millionen Euro - und die Ausgliederung der Speichersparte Qimonda im Jahr 2006 missglückte auch. 2009 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden.

Bauer, der als Vorstandsmitglied in diesen turbulenten Zeiten unter anderem für den weltweiten Vertrieb, das Marketing und später für die Automobil- und Industrieelektronik verantwortlich war, übernahm schließlich im Juni 2009 vom glücklosen Wolfgang Ziebart die Führung des Konzerns. Er schaffte es, Infineon wieder auf die Beine zu bringen. Der Aktienkurs erholte sich seitdem deutlich - liegt aber mit 6,89 Euro immer noch weit unter dem Ausgabepreis.

Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber bedauert Bauers Rücktrittsentscheidung. Er habe sich "für das Unternehmen außerordentlich verdient gemacht". Der Aufsichtsrat zeige aber "volles Verständnis sowie hohen Respekt für die sehr persönlichen Motive seiner Entscheidung", sagte Mayrhuber.

Bauer sagte: "Wegen des ungewissen Verlauf meiner Krankheit habe ich mich aus Verantwortung gegenüber meiner Gesundheit, meiner Familie und gegenüber dem Unternehmen zu diesem Schritt durchgerungen."

(dapd Sebastian Heise)


 


 

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