Infotainment
„Connected Car“ – die Zukunft des Autofahrens
München. Tagtäglich sind Autofahrer von einem funktionierenden Verkehrssystem abhängig. Seit seiner Erfindung wurde das Auto immer schneller und leistungsfähiger. Die sicherlich wichtigste Intention der modernen Fahrzeugforschung ist dabei die permanente Weiterentwicklung der Sicherheit von Fahrer und Beifahrer.

Das Auto der Zukunft wird nicht nur äußerlich zu erkennen sein. "Infotainment" wird darüber hinaus Sicherheit und Information verbinden. © pixelio.de /O. Fischer
Neben der primären Aufgabe der Personenbeförderung erfuhr das Automobil in den letzten Jahren einen starken Wandel. Zum einen wurde das Reisen immer komfortabler und sicherer, zum anderen haben die Hersteller damit begonnen, den Fahrer mit immer mehr Informationen und Assistenzsystemen zu unterstützen sowie Unterhaltungssysteme in die Fahrzeuge zu integrieren. So entwickelten sich autonome Systeme wie ESP, ABS, Spurassistenzsysteme und vieles mehr zur Serienreife. Zum Beispiel hält aktuell bereits das Internet Einzug in die C-Klasse von Mercedes.
Unter dem in der Automobilbranche prominenten Terminus „Connected Car“ versteht man sämtliche, im Fahrzeug befindliche Sicherheits-, Informations- und Unterhaltungselektronik sowie die Vernetzung der einzelnen Systeme untereinander oder mit externen Systemen.
Infotainment – Symbiose aus Information und Entertainment
Ein weiteres Bestreben von Connected Car lässt sich unter dem Sammelbegriff „Infotainment“ zusammenfassen. Hierunter versteht man die Symbiose aus Information und Entertainment. Im Kontext des Automobils stellt Infotainment die Integration von Navigationssystem, Mobiltelefon und „audio-visueller Unterhaltungstechnik“ dar. Das Hauptaugenmerkt hierbei liegt auf der einfachen Bedienung immer komplexer werdender Systeme. Die steigende Anzahl an Funktionen im Fahrzeug erforderte ein Umdenken in der Bedienung. Hatte man in den neunziger Jahren für jede Funktion am Auto – z. B. Radio oder Klimaanlage – ein eigenes Bedienfeld oder Tasten, geht nun der Trend zu einer integrierten Bedienung aller Komponenten über ein einzelnes Panel.
Informationsüberflutung vermeiden
Neben dem heute üblichen Bildschirm in der Mitte könnten zukünftig Head-Up-Displays Einzug in die Autos finden mit dem Ziel die Informationsüberflutung des Fahrers zu vermeiden. Das Head-Cup-Display ist ein Anzeigesystem, welches dem Fahrer Informationen direkt in das Blickfeld projizieren kann, genauer gesagt an die Randflächen der Windschutzscheibe. Dies dient neben dem Komfort vor allem der Sicherheit, da der Blick nicht auf das Kombiinstrument oder die Mittelkonsole gelenkt werden muss, um Informationen über Geschwindigkeit, Drehzahl oder ähnliches zu erhalten.
Bei der Betrachtung der stetigen innovativen Weiterentwicklung des Autos wird schnell deutlich, dass sich die Frage, ob das Fahrzeug eines Tages von allein fährt nicht mehr stellt, sondern nur wann.
Die aktuelle Forschung analysiert momentan Aktivitäten, die im Auto unternommen werden könnten, während der Autopilot aktiviert ist. Zu Beginn wird der Autopilot wahrscheinlich nur kleine und weniger anspruchsvolle Aufgaben übernehmen, wie das automatische Anfahren im Stau. Die nachfolgende Evolutionsstufe könnte das Steuer auf längeren Autobahnfahrten gänzlich übernehmen. Dazu notwendige Komponenten wie z. B. Spurhalteassistent, Geschwindigkeitsregelanlage, Einpark- oder Navigationssystem sind heute bereits vorhanden. Die letzte Stufe eines Autopiloten könnte so aussehen, dass dieser automatisch von zu Hause bis zum Büro fährt. Die Vision eines fahrerlosen Fahrzeuges ist nach heutigem Stand der Technik (noch) nicht realisierbar.
Wann kommt die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ampel?
Kooperation und Kommunikation sind Technologietreiber für den Straßenverkehr der Zukunft. Das vernetzte Automobil soll einen wertvollen Beitrag dazu leisten, Sicherheitsrisiken im Fahrzeug zu eliminieren und gleichzeitig den Komfort im Auto zu maximieren. Das Verkehrssystem an sich hat seine Kapazitätsgrenzen längst erreicht. Daher muss zunehmend mit fortdauernden Engpässen gerechnet werden. Der Ausbau der Infrastruktur ist nur bedingt möglich und führt letztlich nicht dazu das stetig anwachsende Verkehrsaufkommen effizienter, sicherer und umweltverträglicher zu gestalten. Ein Lösungsansatz wären Fahrzeuge und Verkehrssteuerungssignale wie zum Beispiel Ampeln miteinander kommunizieren zu lassen, um einen optimalen Verkehrsfluss zu ermöglichen. Die Ampel könnte in diesem Fall bestmöglich entscheiden, wie lange die Grünphase dauert, um unnötige Rückstaus zu vermeiden. Eine denkbare Kommunikationslösung zwischen Fahrzeug und Ampel wäre eine kabellose Verbindung wie WLAN.
Schilderwald adé! Mein Auto kennt die Regeln
Aus Sicht des Fahrers ist nicht nur die Stauinformation von essentieller Bedeutung. Genauso wichtig ist es, über Verkehrsschilder informiert zu sein. Auch wenn der Fahrzeugführer für den täglichen Weg zur Arbeit stets dieselbe Strecke wählt, passieren dort die häufigsten Unfälle mit Todesfolge. Systeme die Objekte erkennen, klassifizieren und entsprechend eingreifen können, sind für jeden Fahrer von Vorteil. Bereits heute existieren Systeme, welche in der Lage sind, Schilder zu erkennen. Diese Technologie ist jedoch noch relativ neu und kann noch nicht alle Schilder mit der notwendigen Genauigkeit identifizieren. Dennoch besitzt diese Technik das Potenzial dem Fahrer das Fahren angenehmer und entspannter zu machen. Denkbar ist es, dieses System mit Geschwindigkeitsregelanlagen zu kombinieren, was zusammen mit einem automatischen Abstandshalter und Spurhalteassistenten einem Autopiloten nahe kommt.
Entscheidungshilfe per „Kreuzungsassistent“
Ebenso wäre ein Kreuzungsassistent denkbar, welcher via drahtloser Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ampeln Entscheidungen des Fahrers erleichtert. Konkret könnten Kameras an den Ampelsystemen die Situation erfassen und die Informationen an die Fahrzeuge weitergeben. Das Automobil interpretiert nun diese Information und entscheidet aufgrund eigener fahrzeugspezifischer Informationen wie Geschwindigkeit, Entfernung zur Kreuzung und Bewegungsrichtung ob die Fahrsituation kritisch werden könnte, zum Beispiel wenn die verbleibende Zeit bei momentaner Geschwindigkeit nicht mehr ausreicht, um noch in dieser Grünphase die Ampel zu passieren. In diesem und anderen Fällen wird der Fahrer vor einer möglichen Gefahr gewarnt.
Car-to-Car-Kommunikation: Was ist wenn sich K.I.T.T mit Kitty unterhält?
Car-to-X bezeichnet ein Kommunikationssystem für eine Vielzahl von Anwendungen. Die Entwicklungsabteilungen der Automobilkonzerne arbeiten aktuell daran, Fahrzeuge untereinander (Car-to-Car) oder mit einer fest installierten Infrastruktur zu verbinden. Hiermit soll der Fahrer frühzeitig über Verkehrsstörungen, Unfälle, Staus oder Hindernisse die auf seiner Route liegen benachrichtigt werden. Zudem soll das System den Fahrer vor Auffahrunfällen schützen. Damit nicht nur eine Kommunikation zwischen Fahrzeugen der eigenen Marke möglich ist, sondern auch herstellerübergreifend, ist es notwendig einen europäischen Standard zu schaffen. Schließlich ist eine flächendeckende Car-to-Car Kommunikation nur möglich, wenn im Straßenverkehr genügend Autos mit derselben Technologie ausgestattet sind.
Car-to-Car bietet das Potential den Erfolg der sozialen Netzwerke des Web2.0-Zeitalters auch im Automobil fortzuschreiben. Im Lichte von Connected Car wäre es hier denkbar, dass die Nutzer die Möglichkeit erhalten auf einer Umgebungskarte zu sehen welcher der registrierten Freunde gerade in der Nähe ist, um sich beispielsweise spontan zu verabreden.
Die 4-advice | Change & Innovation Consulting in Bonn hat sich unter anderem spezialisiert auf Change Management und Innovation Management.
(Andreas Szinovatz/Sven Stachon)
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