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Soziale Netzwerke

Wie Unternehmen das Internet immer noch unterschätzen

Mit Michael Buck von Dell gesprochen: Content is King, Listening is Queen. Natürlich muss ein Unternehmen wissen, was über seine Marke und Produkte im Web gesprochen wird. Das ist aber selbst bei großen Unternehmen nicht durchgehend der Fall.

Oder aber: Reden ist Silber, Zuhören ist Gold. So müssten sich eigentlich Unternehmen im Social Web positionieren, schreibt Blogger Christian Buggisch in seinem höchst lesenswerten Beitrag „Zum Verzweifeln: Social Media in deutschen Unternehmen“.

Nach einer Studie des Branchenverbandes Bitkom betreibt nur jedes zweite Unternehmen, das im Social Web aktiv ist, auch ein Monitoring.

Noch schlimmer würde es bei kleinen und mittleren Unternehmen aussehen: Hier sind es nur 10 Prozent. „Mit anderen Worten: Man sendet munter in die Welt hinaus, ohne sich darum zu kümmern, was die Welt ans Unternehmen sendet. Man weiß nicht, ob überhaupt über einen gesprochen wird, man weiß nicht, was gesprochen wird – weil man nicht zuhört“, so Buggisch. 

Seriöses Business versus Social Media-Schnickschnack

Es fehle wohl am grundlegenden Verständnis von sozialen Netzwerken. Selbst bei der Personalrekrutierung sind nur kümmerliche 8 Prozent im Netz präsent. Interessant ist auch die Gemengelage der Verweigerer. In dieser Gruppe sind 62 Prozent davon überzeugt, die eigene Zielgruppe in Social Media nicht erreichen zu können. „Das Zielgruppen-Argument klingt für mich nach Klischee und Ausrede, nicht nach Analyse. Hier seriöses Business, dort Social Media-Schnickschnack für Teenager und Leute, die zu viel Zeit haben. Ein weiteres Argument der Social-Media-Ablehner in deutschen Unternehmen ist übrigens, dass Social Media nicht zu ihrer Unternehmenskultur passe. Das allerdings glaube ich sofort“, erklärt Buggisch.

Virtuell profilieren für die Offline-Welt

Beide Gruppen glänzen durch Ignoranz. Die einen sind blind, die anderen setzen sich Scheuklappen auf. Woher wissen denn die Verweigerer, dass sie ihre Zielgruppen – also Privat- oder Geschäftskunden – im Netz nicht erreichen? Diese Frage wirft Kerstin Hoffmann in ihrem Buch „Prinzip kostenlos“ auf. Das Opus ist im Wiley-VCH Verlag erschienen. „Es gibt kaum noch Haushalte oder gar Büros, die wirklich über keinen Internetanschluss verfügen. Selbst wer Facebook skeptisch gegenübersteht und noch nie etwas von Twitter gehört hat, schlägt vielleicht gelegentlich etwas bei Wikipedia nach, bestellt ein Buch bei einem Online-Versender oder googelt nach einem Dienstleister. 

Und da sind wir schon genau beim Punkt: Selbst wenn ein potenzieller Kunde niemals auf Ihre Facebook-Page schaut oder gar eine Twitter-Nachricht von Ihnen liest, helfen Ihnen die Sozialen Netzwerke dabei, dass er Sie findet. Verlinkungen von dort sind nämlich hochgradig suchmaschinenrelevant und schon deswegen alleine aus technischer Sicht sinnvoll“, führt Hoffmann aus. Nicht zu unterschätzen seien auch die Multiplikatoren.

„Es könnte sogar im Extremfall so sein, dass Sie sich virtuell überhaupt nicht mit (potenziellen) Kunden austauschen. Dass Sie aber ein großes Netzwerk von Kollegen, Multiplikatoren und anderen Kontakten haben, von denen jeder einzelne für Sie eine Schnittstelle in das reale Leben darstellt. Ich habe beispielsweise über meine E-Books schon Kunden bekommen, für die jemand die PDFs ausgedruckt und auf Papier weitergegeben hatte. Kollegen erwähnen mich in Workshops oder Vorträgen, wenn sie mein geteiltes Wissen oder ein Bild aus meinem Blog nutzen, um etwas zu veranschaulichen. Auch dann trägt also jemand etwas, das ich nur virtuell publiziert habe, in andere, nicht virtuelle Situationen und trägt auf diese Weise zur Verbreitung meiner Inhalte und zu meiner Bekanntheit bei. Ich verfahre ja genauso mit Inhalten anderer Wissensträger, die ich in meine Vorträge und Workshops einbaue; natürlich immer mit Quellenangabe“, erläutert die Kommunikationsexpertin.

Schwere Zeiten für Controlling -Freaks

Viele Firmen verspielen mit ihrer Abschottung und Ignoranz die Vorteile der Netzwerk-Ökonomie: Sie profitieren weder von der Weisheit der Vielen noch von der Möglichkeit, Kundenkontakte direkter gestalten zu können. Und noch ein Befund dürfte die Verweigerer und Blindfische härter treffen: Der Kunde als scheues und ängstliches Reh habe mittlerweile die Flinte in der Hand, so die Unternehmensberaterin Anne Schüller in ihrem Buch „Touchpoints“. Auf Facebook, im eigenen Blog, in der User-Community, über Twitter oder auf der Website des Anbieters kann aus vollen Rohren geschossen werden. Wer das nicht beobachtet oder ausblendet, macht sich zur leichten Beute.

Der Einzelne bekommt eine Stimme, die in seiner Wirkung nur schwer abzuschätzen ist

Planmäßige Konstruktionen, Hierarchien und Kontrollen lassen sich im Web als „Abwehrmaßnahmen“ nicht installieren. Das macht Organisationen in Wirtschaft und Politik anfällig für Störungen. Das Netz der Netze ist eher ein Gewebe von losen Verbindungen, die sich weitmaschig ausbreiten. Eine unangenehme Gemengelage für Controlling-Freaks: „Einer der wunderbarsten, am meisten verdammten und am meisten geschätzten Eigenschaften des Internets ist seine Architektur. Schneidet man einen Weg ab, findet sich früher oder später auf die eine oder andere Weise ein anderer Weg, um ans Ziel zu gelangen. Das Internet ist von vorneherein darauf angelegt, dass Informationen nicht zwangsläufig der ‚einen’ Route folgen müssen, sondern sich ihren Weg suchen können. Dieser Umweg kann manchmal etwas langsamer, manchmal etwas umständlicher sein, aber am Ende steht fast immer die erfolgreiche Übermittlung von Daten. Das ist Demokratie pur“, schreiben Markus Beckedahl und Falk Lüke in ihrem Buch „Die digitale Gesellschaft“ (dtv-Verlag). Der Einzelne bekommt eine Stimme, die in seiner Wirkung nur schwer abzuschätzen ist. Viele Unzufriedene können sich vernetzen und sich zu wirkmächtigen Bewegungen formieren. Schwere Zeiten für Social Media-Verweigerer und Orientierungslose im Netz.

Quelle: Service Insiders

(Redaktion)


 


 

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