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Interview

"München ist das Zentrum des Affiliate Marketing"

Die „a4uExpo Europe“, das zweite europäische Treffen der Affiliate-Marketing Branche, fand gestern nach einem zweitägigen Konferenzprogramm in München sein Ende. Wir sprachen mit Matthew Wood, Gründer und Veranstalter der „a4uExpo Europe“ über Trends im Affiliate Marketing, wie man dem Markensterben vorbeugt und warum München das Zuhause der a4uexpo Europe werden könnte.

business-on.de: München ist nach Amsterdam Standort für die zweite a4uexpo auf europäischem Boden. Was gab den Ausschlag?

Matthew Wood: Amsterdam war bereits ein toller Schritt für uns. Wir betraten damit ein ganz neues Gebiet, das europaweit sehr zentral liegt und einfach zu erreichen ist. München ist ebenfalls gut vernetzt. Sehr wichtig ist uns dabei vor allem die Nähe zu Osteuropa, was zukünftig ein bedeutendes Gebiet für uns werden soll.
München ist zudem quasi das Zentrum des Affiliate Marketing. All die wichtigen Netzwerke, Agenturen und Communities sind hier angesiedelt. Derzeit suchen wir ein Zuhause für das Expo Event in Europa. Das Branchentreffen in München war ein voller Erfolg. Wir werden sehen, aber im Grunde spricht nichts dagegen, das Event permanent nach München zu holen.

business-on.de: Wie fiel das Branchentreffen letztes Jahr aus und welche Erwartungen haben Sie 2010?

Matthew Wood: Unsere Erwartungen für dieses Jahr wurden bereits erfüllt. An den Registrierungen konnten wir feststellen, dass dieses Jahr sehr viele internationale Gäste angereist sind. Im Gegensatz zu Amsterdam mit rund 70% niederländischen Teilnehmern, hatte München dieses Jahr nur 50% lokale Gäste. Der Rest kam aus ganz Europa, den USA und ein großer Teil des Publikumsverkehrs aus den nordischen Ländern und Osteuropa.

business-on.de: Welche sind die Trends im Affiliate Marketing und wo liegen die größten Wachstumspotentiale?

Matthew Wood: Die Entwicklung von Drittanbieteranwendungen ist nach wie vor ein großer Trend. Alle Daten, die die Händler (Advertiser) herausgeben können, wie z.B. Datafeeds, d.h. die Produktdaten des Geschäfts, werden von den Vertriebspartnern (Affiliates) genutzt, um sich kreativ auszuleben und damit den Werbewert zu steigern. Früher gab es da nur den Preisvergleich, heute stehen den Partnern mehr Möglichkeiten zur Verfügung, wie zum Beispiel das Erstellen von Produktbewertungen für die Kunden. Ein weiterer Trend sind die sogenannten „voucher clouds“, Gutschein-Apps für das Mobiltelefon. Sie geben den Verbrauchern die Möglichkeit, digitale Gutscheine herunterzuladen und sie in Restaurants, Kinos oder ihren Lieblingsgeschäften einzulösen. Das wird in den nächsten sechs Monaten noch einfacher werden: Es sind neue Apps in der Entwicklung, die es den Verbrauchern ermöglichen, durch einen Gutschein vergünstigte Produkte direkt über den App des Handys zu erwerben.

Die Wachstumspotentiale der Branche liegen auch hier in der Entwicklung von Drittanbieteranwendungen, wo sich sicherlich noch sehr viel tun wird. Die Konvergenz von Offline und Online und das Integrieren von Performance Marketing im Social Web sind weitere Punkte. Interessant sind auch Widgets, wie sie derzeit zum Beispiel für einen Pizzahersteller in England entwickelt werden: Vertriebspartner können so bereits Provision verdienen, indem User die Pizza lediglich an Freunde weiterempfehlen. Das öffnet ganz neue Türen.

business-on.de: Wie unterscheidet sich die Branche länderspezifisch innerhalb Europas sowie international und wo sehen Sie Deutschland?

Matthew Wood: Es gibt einen großen Unterschied, was das Wissen über das effektive Nutzen des Affiliate Marketing angeht und die Art und Weise, wie Agenturen und Händler herangehen. In Amsterdam konnte bereits sehr gut beobachtet werden, wie vieles, was für den Niederländer Neuland war, von Engländern oder Deutschen als Allgemeinwissen verstanden wurde. So können dieses Jahr Märkte wie zum Beispiel Osteuropa sehr viel davon lernen, was wir hier in Deutschland gerade vorstellen. Events, wie wir sie veranstalten und Netzwerke, die international auftreten und ihr Wissen verbreiten, sind wichtig. Sie bringen Menschen zusammen und vermitteln Wege, das Affiliate Marketing am effektivsten zu Nutzen.

Im Vergleich ist Deutschland ein sehr innovativer Raum und spielt in einer Liga mit Ländern wie England oder den USA. Ich bin immer wieder begeistert von der Entwicklung der application tools, die hier entstehen und auch stark auf dem englischen Markt vertreten sind.

business-on.de: Wie sehr entscheidet das Social Web generell über den Erfolg einer Marke?

Matthew Wood: Es hängt sehr viel davon ab, wie Firmen Social Media nutzen. Kleinere Marken oder Vertriebspartner, die eine unbekannte Marke anbieten, haben es schwerer, als die „großen“ Marken, die die Möglichkeit haben, allein mit Gutscheinen zu punkten, die über Social Communities wie Facebook verschenkt werden. Bei kleinen Marken ist es wichtiger, wie man mit den Fans oder Followern kommuniziert und sie integriert und damit ihren Wert nutzt. Die Auseinandersetzung mit Social Media kann man nicht halbherzig machen. Um Social Media erfolgreich zu nutzen, muss viel Zeit und Einsatz investiert werden, um die Bindung zu den Usern herzustellen und so den Erfolg der Marke zu generieren.

business-on.de: Wir erleben seit einigen Jahren den Rückgang der „klassischen Kaufhäuser“ und ein Stück weit auch Markensterben, nicht zuletzt wegen einer neu entflammten Preisschlacht. Erwarten Sie hier Auswirkungen auch beim Affiliate Marketing?

Matthew Wood: Wenn Marken zu stark reduziert werden, haben Händler nicht mehr das Geld, Vertriebspartner zu bezahlen oder die Provision ist zu niedrig, sodass es sich für den Partner nicht rentiert, das Produkt anzubieten. So leidet nicht nur die Marke, sondern auch der Vertriebspartner. Das ist natürlich ein Problem im Affiliate Marketing.
Andererseits können Vertriebspartner auch sehr erfolgreich sein, wenn es um verkaufsfördernde Maßnahmen bestimmter Marken geht, um diese zwischen all den günstigen Produkten in den Vordergrund zu rücken und somit dem Markensterben vorzubeugen. Um den Kunden an die Marke zu binden, sind die bereits erwähnten Produktbewertungen der Affiliates für die Verbaucher von großer Bedeutung. Ziel ist es, den Kunden genau über die Marke zu informieren, damit er nach Qualität und Marke kauft und nicht nach dem Preis.

business-on.de: Überangebot bei Affiliates: Wie kann eine Marke beim herrschenden Angebot noch gezielt gebildet und positioniert werden, um die überlebenswichtige Kundenbindung herzustellen?

Matthew Wood: Für Vertriebspartner ist es nicht einfach, das Vertrauen der Kunden zu einer bestimmten Marke zu bilden, da sie nur Vermittler sind und nicht selbst hinter der Marke stehen. Aber sie sind ein wichtiges Instrument, wenn es um Markenförderung geht. Banner, Email- und vor allem Gutschein-Marketing sind wichtige Methoden. Die Gutscheincodes auf Affiliate Websites sollten allerdings nicht willkürlich für alle angebotenen Produkte vergeben werden, sondern für ausgewählte Marken unter der Bedingung, einen bestimmten Betrag innerhalb dieser Marke auszugeben. D.h. man erhält zum Beispiel einen Gutschein über 10% bei einem Einkaufswert von über 500€ einer bestimmten Marke. So erreicht man zum einen den Verkauf mehrerer Produkte der Marke und zum anderen findet durch die Vorteile des Kunden beim Kauf dieser Marke die Bindung statt – nicht nur zur Marke selbst, auch zum Affiliate.
Zudem erhalten Vertriebspartner durch die heruntergeladenen Gutscheincodes wichtige Informationen der Abnehmer. Nicht nur deren Emailadressen, auch erfahren die Partner durch das Einlösen der Gutscheine, wo die Kunden essen, einkaufen und wie viel Geld sie ausgeben. Ein wichtiges Marketing Tool, um in Zukunft gezielt auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen und Marken zu stärken.

(Nurcan Özdemir)


 


 

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