Sie sind hier: Startseite München Aktuell News
Weitere Artikel
Interview

„Aus ungenutzter Biomasse machen wir CO2-neutrale regenerative Brennstoffe“

Bei der IFAT, der Leitmesse für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft, die kürzlich in München stattfand, war der Messestand der florafuel AG und floradry GmbH besonders stark frequentiert. Ein Gespräch mit Geschäftsführer Hans Werner über innovative Ideen und Produkte.

business-on.de: Herr Werner, bei der IFAT hatten Sie über hundert Anfragen von Interessenten aus Europa, China, Indien, Mexiko, Japan und Australien. Wie erklären Sie sich diese enorme Resonanz?

Hans Werner: Wir führen das große Interesse darauf zurück, dass wir mit dem von uns entwickelten und patentierten florafuel-Verfahren eine echte Marktlücke abdecken. Schließlich können unsere Anlagen Bioreststoffe und Landschaftspflegematerial wie Gras, Laub und Gewässergrün zu hochwertigen, CO2-neutralen regenerativen Brennstoffen in Form von Pellets und Briketts verarbeiten.

business-on.de: Für wen sind die florafuel-Anlagen interessant?

Hans Werner: Neben Landwirtschaftsbetrieben sind vor allem Städte und Kommunen prädestiniert, unsere Anlagen zu nutzen, da sie sich regional vorhandene, bislang ungenutzte regenerative Energieressourcen erschließen und ihren Energiemix auf breitere sowie unabhängigere Beine stellen können. Da die Verbrennung bzw. Vergasung der mit einer florafuel-Anlage erzeugten Brennstoffe dezentral erfolgt und diese grund- sowie spitzenlastfähig sind, lässt sich vor Ort zu jeder Zeit genau die Energie in Form von Strom und Wärme bereitstellen, die benötigt wird.

business-on.de: Gibt es weitere Vorteile?

Hans Werner: Von Vorteil ist auch, dass die Entsorgungskosten in der kommunalen Landschaftspflege sinken, wenn die Biomasse für die Energieerzeugung genutzt wird. Es sollte auch nicht vergessen werden, dass unser Verfahren, anders als andere Formen der Bioenergie-Erzeugung, nicht in Konkurrenz zur agrarwirtschaftlichen Futter- und Nahrungsmittelproduktion steht.

business-on.de: Über welches Energiepotenzial reden wir?

Hans Werner: Jedes Jahr fallen allein hierzulande gewaltige Mengen an Bioreststoffen und Landschaftspflegematerial an. Üblicherweise werden Gras, Laub und Gewässergrün kompostiert und auf landwirtschaftliche Flächen aufgebracht. Daher habe ich bereits im Jahr 2000 überlegt, wie diese Biomasse zu regenerativen Brennstoffen verarbeitet werden kann. Wir haben dann mehrere Jahre getüftelt, bis ich das florafuel-Verfahren 2003 zum Patent angemeldet haben.

business-on.de: Hatten Sie in dieser Phase auch Rückschläge?

Hans Werner: Anfangs wurde ich für meine Idee arg belächelt, da sich jeder fragte, wie aus frischem, feuchtem Gras jemals ein hochwertiges, ökologisches Brenngut werden könne. Doch wir haben unser Ziel unverdrossen verfolgt. Seit 2006 haben wir - unterstützt von der Professur Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik der Universität der Bundeswehr München - Versuche begonnen und die dabei gewonnenen Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Anlage genutzt.

business-on.de: Mit welchem Ergebnis?

Hans Werner: Inzwischen sind wir tatsächlich in der Lage, aus Biomasse einen hochwertigen regenerativen Brennstoff zu machen. Der Weg dahin war allerdings ein schwieriger.

business-on.de: Inwiefern?

Hans Werner: Sie müssen beispielsweise bedenken, dass die Biomasse, die wir verarbeiten, auch Fremdstoffe wie Steine und Erde enthält, die vor der Verarbeitung abgeschieden werden müssen. Außerdem muss die Biomasse mechanisch wie thermisch getrocknet werden, bevor die Anlage die konditionierte Biomasse zu Briketts und Pellets verdichten kann.

business-on.de: Wie hoch ist der Energieertrag der Pellets und Briketts?

Hans Werner: Nach Abzug des Energiebetrags, der für die Aufbereitung notwendig ist, liegt der Energiegewinn bei ca. 3,58 kWh je Kilogramm Biomasse (Gras). Zum Vergleich: Dieser Energiegewinn liegt um 15 Prozent höher als bei einer Biogasanlage, die die vollständig anfallende Abwärme nutzt. Wird die Abwärme beim Vergärungsprozess keiner Nutzung zugeführt, liegt die Energiebereitstellung durch die Aufbereitung nach dem florafuel-Verfahren sogar um das 3,5-fache höher.

business-on.de: Wann beginnt der Vertrieb der florafuel-Anlagen?

Hans Werner: Aktuell wird noch im Rahmen eines Forschungsprojekts des Bundeswirtschaftsministeriums untersucht, wie sich beim florafuel-Verfahren eine definierte Brennstoffqualität unabhängig von der Herkunft der Biomasse normieren lässt. Außerdem arbeiten wird daran, ein übertragbares Gesamtkonzept für Kommunen, Industrie- und Entsorgungsunternehmen oder Agrargenossenschaften zu erarbeiten. So soll sichergestellt werden, dass die mit dem florafuel-Verfahren erzeugte Energie bedarfsgerecht bereitgestellt werden und die schwankend verfügbare Wind- und Solarenergie ausgleichen kann. Es ist daher absehbar, dass wir mit dem Vertrieb beginnen.

business-on.de: Die Trocknungssysteme sind doch bereits jetzt verfügbar, oder?

Hans Werner: Das stimmt. Die bei unserem Verfahren genutzten beiden Trocknungsysteme werden bereits unter der Marke floradry vermarktet. Interessant sind die Trockner floradry smart und floradry twister vor allem für Biogas-Anlagenbetreiber, Pellet-Hersteller und Landwirtschaftsbetriebe. Denn die Trockner können je nach verfügbarem Raum, benötigter Durchsatzleistung und verwendeten Trocknungsprodukten hergestellt und bedarfsbezogen mit weiteren Trocknungsmodulen ergänzt werden können – und das zu einem günstigen Preis-/Leistungsverhältnis.

business-on.de: Was empfehle Sie aufgrund Ihrer Erfahrung Tüftlern und Erfindern, die innovative Produkte entwickeln möchten?

Hans Werner: Wer echte Innovationen entwickelt, benötigt vor allem Geduld und einen langen Atem. Wir hatten und haben den Vorteil, dass unser Kerngeschäft , zu dem die Straßenreinigung, der Garten- und Landschaftsbau gehört, uns die Möglichkeit gab und gibt, die neuen Geschäftsbereich sorgfältig und systematisch zu entwickeln und zu implementieren.

(Sascha O. Zöller)


 


 

Hans Werner
Biomasse
Brennstoff
Gras
Briketts
Form
Trocknungsmodulen
Vorteil
Interessant
Landschaftspflege
Pellets

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Hans Werner" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: