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Interview

„Unternehmen, die ihre konzeptionelle Arbeit standardisieren, profitieren gleich mehrfach.“

Frau Pennig, Sie plädieren dafür, dass Unternehmen zusätzlich zum Projektmanagement auch ein Konzeptmanagement benötigen. Wie begründen Sie Ihre Meinung?

Barbara Pennig: Beim Projektmanagement geht es in der Regel um größere und komplexere Vorhaben, etwa im Rahmen der Organisationsentwicklung. Das Konzeptmanagement hingegen bezieht sich vor allem auf alltägliche und überschaubare Aufgaben wie das Erstellen einer Präsentation, die Entwicklung eines neuen Vertriebskonzepts, die Einführung eines Controllingsystems oder die Entwicklung eines unternehmensspezifischen Talentmanagements etc.. Auch für Ideen, die die Mitarbeiter während ihrer Arbeit entwickeln, empfiehlt es sich, ein Konzept zu entwickeln.

business-on.de: Warum bedarf es dafür eines Konzeptmanagements?

Barbara Pennig: Ideen lassen sich schnell entwickeln. Damit sie aber eine Chance haben, umgesetzt zu werden, bedarf es eines Konzepts. So erkennen die Entscheider sofort, ob und welches Potenzial mit einer Idee verbunden ist. Gelingt es einem Mitarbeiter, seine Idee in ein umsetzbares Konzept zu transformieren, steigen somit die Chancen, dass sie realisiert werden kann.  Dies gilt umso mehr, wenn das Konzept bestimmte Kriterien erfüllt.

business-on.de: Welche Kriterien sind das? 

Barbara Pennig: Ein gutes Konzept sollte die zentralen Gedankenansätze, wichtige Eckdaten, Kernüberlegungen und Lösungsansätze strukturiert und möglichst umfassend - zumindest in aussagekräftigen Stichworten – dokumentieren und leicht verständlich für den Entscheidungsprozess aufbereiten. Wichtig sind Verständlichkeit, Klarheit und Lesefreundlichkeit. So kann beispielsweise auf Fließtext verzichtet werden. Stichworte, Halbsätze und Übersichtsgrafiken erleichtern es dem Leser zu erfassen, was mit der dargestellten Idee erreicht werden soll. 

business-on.de: Warum genügt es nicht, den Mitarbeitern in einem Konzepttraining das How-to-do zu vermitteln?

Barbara Pennig: Natürlich ist es von Vorteil, wenn Mitarbeiter wissen, wie sie ein Konzept erstellen können. Ein Konzeptmanagement geht jedoch weit über ein Konzepttraining hinaus. Denn es ermöglicht Unternehmen, Standards für Konzepte festzulegen, den Konzeptentwicklungsprozess zu definieren und Konzeptentwicklungstools bereitzustellen. Ein solches Konzeptmanagement, ich spreche von Management-by-Concepts (MbC), stellt für mich ein innovatives Führungsinstrument dar, das viele Abläufe systematisiert und standardisiert. Es ermöglicht etwa auch, Grobkonzepte, die im Rahmen von MbC entwickelt wurden, bei Bedarf ins Projektmanagement überzuführen, damit es weiter ausgearbeitet und umgesetzt werden kann.

business-on.de: Wie wirkt sich das Konzeptmanagement auf die Arbeit der Führungskräfte aus?

Barbara Pennig: Führungskräfte profitieren von MbC gleich mehrfach. Richtig angewandt, trägt das Instrument zu ihrer Arbeitsentlastung bei. So zeichnet sich ein gutes Konzept beispielsweise dadurch aus, dass es fundiert, kurz, knapp und prägnant und zudem leicht verständlich, übersichtlich, klar strukturiert und nutzenorientiert ist. Das fördert die Lesefreundlichkeit und erleichtert Entscheidungen bzw. beschleunigt den Entscheidungsprozess. Außerdem durchlaufen die im Konzept dargestellten Inhalte zuvor einen Prozess umfassender innerer Reflexion. So werden wichtige Erfolgsparameter ebenso wie potenzielle Risiken, Gefahren und Unsicherheitsfaktoren frühzeitig erkannt und bei der Entwicklung der Lösungsansätze berücksichtigt. Die Qualität und Passgenauigkeit der Lösungsansätze nimmt dadurch zu. Und davon profitieren am Ende Führungskräfte wie Mitarbeiter, da die Chance auf eine reibungslose Umsetzung steigt.

business-on.de: Gibt es weitere Vorteile?

Barbara Pennig: Ja. Dank eines vorgegebenen roten Fadens finden Mitarbeiter einen schnellen Einstieg in die konzeptionelle Arbeit und können sehr zielgerichtet vorgehen. Auch die schriftliche Ausarbeitung eines Konzeptes kann beschleunigt werden. Zu guter Letzt stärkt MbC auch die Reputation von Führungskraft und Mitarbeiter, u. a. dadurch, dass mehr Ideenimpulse aufgegriffen und zügig in aussagekräftige Veränderungs- und/oder Innovationskonzepte übertragen werden können. Die Innovationskraft des Unternehmens wird dadurch gestärkt. MbC steht aber auch für Zeitersparnis, höhere Arbeitsproduktivität und einen schonenden Umgang mit vorhandenen Ressourcen. Zugleich ist MbC als Instrument zur Mitarbeiterentwicklung gut geeignet, ohne dass daraus gleich entsprechende Begehrlichkeiten i. S. einer Karriereplanung entstehen.

business-on.de: Können Sie das näher erläutern?

Barbara Pennig: MbC kann ohne großen Arbeitsaufwand in den Arbeitsalltag eines Teams, einer Abteilung oder eines Bereiches integriert werden. Dadurch ist es als Förderinstrument für wirklich jeden Mitarbeiter geeignet. Denn der Schwergrad bzw. die Komplexität der übertragenen Arbeitsaufträge kann variiert und schrittweise gesteigert werden. So kann MbC beispielsweise optimal in der Probezeit genutzt werden. Die Führungskraft bekommt ein gutes Gespür für vorhandene Stärken, Talente und Fertigkeiten eines neuen Mitarbeiters. Außerdem kann dessen Arbeitsproduktivität besser eingeschätzt werden.

business-on.de: Gibt es Möglichkeiten, MbC für die Mitarbeiterentwicklung zu nutzen?

Barbara Pennig: Durchaus. Mitarbeiter, die sich unterfordert fühlen, können sich zum Beispiel anhand komplexer Arbeitsaufträge erproben und ihre konzeptionellen Kompetenzen zeigen, die übrigens weit über das Schreiben des Konzeptes hinausgehen. Das gibt zusätzliche Sicherheit im Hinblick auf ein späteres Entwicklungsgespräch. MbC kann natürlich mit Zielvereinbarungen kombiniert werden. Vor allem löst MbC keine Begehrlichkeiten aus, da es nicht zwingend auf eine Karriereplanung fokussiert. Außerdem ist es hervorragend geeignet, Mitarbeiter, die Interesse an einer Projektleitertätigkeit zeigen, schrittweise in diese Richtung zu entwickeln. 

Barbara Pennig ist Inhaberin der Firma Concepted in Hannover. Beratungs-, Trainings- und Coachingschwerpunkte sind Konzeptentwicklung, -umsetzung, - controlling sowie das Einführen des Instruments Management by Concepts (MbC). Kontakt:ConceptedBarbara PennigPrint-Albrecht-Ring 27a30657 HannoverTel.: 0511 586 58 48; www.concepted.de

(Redaktion)


 


 

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