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Arbeitsvermittlung

Job-Speed-Dating für Hartz-IV-Empfänger

Arbeitgeber von Arbeitsvermittlungsmethode begeistert - Viele Teilnehmer enttäuscht

Rund 700 Hartz-IV-Empfänger hatte die Arbeitsgemeinschaft für Beschäftigung München (ARGE München) am Montag in den Festsaal des Alten Münchner Rathauses zum Job-Speed-Dating geladen. Das Konzept kennt man bisher vor allem aus der Partnervermittlung, im vergangenen Jahr wurde es erstmals für den Arbeitsmarkt übernommen. Zehn Minuten haben Arbeitgeber und Jobsuchende, um ins Gespräch zu kommen und sich kurz kennenzulernen. "Menschlicher und unbürokratischer" beschrieb Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) diese Bewerbungsform in seiner Eröffnungsrede.

Daraufhin drängten sich die Bewerber an die Stände der beliebtesten der 30 Arbeitgeber im Saal: das Hotel Bayerischer Hof und die Landeshauptstadt München. Nach zehn Minuten ertönt ein kurzes
Musikstück durch den Saal und signalisiert, dass die Gesprächszeit
für den Bewerber vorüber ist. Nun ist der Nächste an der Reihe.
"Natürlich kann man nicht erwarten, direkt am Tisch einen
Arbeitsvertrag zu unterschreiben" sagte ein Sprecher der ARGE
München. Er betonte jedoch, dass der Aufbau eines persönlichen Kontakts sehr wichtig sei.

Die Veranstalter blicken auf ein erfolgreiches Ergebnis im vergangenen Jahr, in dem das Job-Speed-Dating zum ersten Mal stattgefunden hatte. 20 Prozent der Teilnehmer seien in den drei Monaten nach dem Termin im Frühjahr 2009 in einen festen Job vermittelt worden, hieß es von der ARGE München. Auch Oberbürgermeister Ude zeigte sich begeistert: "Die Zahlen aus dem letzten Jahr finde ich sensationell gut." Wenn sich der Arbeitsmarkt in der Landeshauptstadt so weiter entwickle, hoffe er sogar auf eine Arbeitslosenquote von unter fünf Prozent im April.

Von dem Konzept begeistert ist auch Reinhold Gütebier, Gesamtvertriebsleiter beim Möbelhaus Segmüller. Er lobte besonders
die Vorauswahl der Teilnehmer durch die Arbeitsvermittler. Nirgends sei die Effizienzquote bei Rekrutierungen höher als bei Veranstaltungen wie dem Job-Speed-Dating, sagte Gütebier. Von den 30 offenen Stellen, die er auf der Jobmesse im Alten Rathaus anzubieten hat, will er  mindestens die Hälfte durch Bewerber dieses Tages besetzten.

Nicht ganz so optimistisch ist eine Mitarbeiterin der Firma Maurer
und Söhne. Sie rechnet damit, lediglich einen oder zwei Bewerber für
die zehn freien Stellen finden zu können. Zwar hat sie schon 20
Gespräche in den ersten beiden Stunden geführt, aber "ein richtig
guter Kandidat" sei noch nicht dabei gewesen. "Zwei bis drei könnten
eventuell in Frage kommen", sagte die junge Personalmitarbeiterin.

Die Teilnehmer des Speed-Datings sind gut vorbereitet. Neben
Präsentationsübungen hatten viele die Chance genutzt, einen individuellen Bewerbungsflyer zu gestalten, der sie in aller Kürze vorstellt und den die Arbeitgeber als Kontaktbogen mitnehmen können. Trotz guter Vorbereitung und den Zahlen des Vorjahres machen sich die Hartz-IV-Empfänger aber wenig Hoffnung auf eine Anstellung. "Die Firmen sind unflexibel und die Angebote sind auf den niedrigen
Lohnbereich bezogen", klagte ein 48-jähriger Akademiker, der eine
Position als Projektleiter sucht. Für die mittleren und höheren
Führungspositionen sei nichts dabei, nur "billige Arbeitskräfte" seien gefragt, meinte er.

Auch eine 38-jährige Bürokauffrau ist enttäuscht von dem Job-Speed-Dating. Sie hatte sich bei vier Personalverantwortlichen vorgestellt, aber als es darum ging, dass sie nur in Teilzeit arbeiten könne, seien die Gespräche zu Ende gewesen. Sie war auch vergangenes Jahr schon dabei und konnte keinen passenden Job finden.

Ähnlich ging es einer 35-jährigen Akademikerin, die seit ihrem
Studienabschluss 2007 auf Arbeitssuche ist. Die Sozialwissenschaftlerin würde gerne in den PR- oder Medienbereich
einsteigen. Im Alten Rathaussaal habe sie aber keine Jobs in diesem
Bereich gefunden. Lediglich mit Firmen aus dem Verkaufsbereich, in
dem sie jetzt schon ein wenig nebenher verdient, habe sie gesprochen.
Immerhin einer davon werde sie ihre Kurzbewerbung schicken, sagte
sie.

(ddp-Korrespondent Christian Sc)


 


 

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