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Infofon

Jugendliche geben Jugendlichen Hilfestellung beim Hilfesuchen

Infofon e.V. ist der Münchner Telefondienst von Jugendlichen für Jugendliche, der von der Landeshauptstadt München gefördert wird. Business-on.de sprach mit Ernest Hodzic, Geschäftsführer von Infofon e.V. München.

Seit 15 Jahren bekommen junge Menschen unter der Nummer (089) 121 5000 täglich von 18 bis 22 Uhr Informationen aller Art sowie Rat und Hilfe. Auf www.info4mux.de werden zudem die unterschiedlichsten Fragen auch online beantwortet.

business-on.de: Mit welchen Problemen melden sich Jugendliche beim Infofon?

Ernest Hodzic: Infofon stellt sich grundsätzlich allen jugendrelevanten Themen. Bei uns melden sich Jugendliche mit einem breiten Spektrum an Anfragen und Themen. Da wir den Anspruch haben sowohl zu beraten als auch zu informieren fallen die Anrufe abends auch entsprechend bunt aus. So beschäftigen sich die Infofon-Jugendlichen mit Anfragen wie "Wann fährt die letzte S-Bahn" genauso wie mit den Themen rund um Liebeskummer, Auszug von Daheim, Drogen- und Suchtproblematik, Mobbing, Schulstress usw.

business-on.de: Warum setzen Sie bei der telefonischen Betreuung Jugendliche ein?

Ernest Hodzic: Dadurch, dass die jugendlichen Anrufer/innen mit den Infofoner/innen in ihrer Sprache sprechen und deren Lebenswelt näher stehen, ist der Zugang zu den jugendlichen Anrufer/innen mit ihren Problemen oder Ängsten viel leichter. Empathie und Authentizität müssen in der Regel nicht theoretisch erlernt werden, sondern werden aufgrund des gleichen Alters bereits mitgebracht. Echtheit und positive Wertschätzung gegenüber den Anrufer/innen sind ausschlaggebend für die Grundhaltung der Jugendlichen am Telefon.

business-on.de: Wie kommt das bei den Betroffenen an?

Ernest Hodzic: Die Beratung der Jugendlichen von Infofon ist nicht dieselbe wie die Beratung in spezialisierten Facheinrichtungen oder von psychologisch-therapeutischen Fachleuten. Es geht nicht darum, perfekte Lösungen zu präsentieren, sondern Anstoß zur Selbsthilfe zu geben. Die jungen Mitarbeiter/innen sollen nicht zu Expert/innen ausgebildet werden, sondern lernen, einfühlsam und vorurteilsfrei auf Bedürfnisse einzugehen und Probleme möglichst selbstständig zu bewältigen.

business-on.de: Wie sieht das in der Praxis aus?

Ernest Hodzic: Infofon bietet einen leicht zugänglichen Erstkontakt und kann die Bewältigung von Problemen unterstützen. Durch Begleitung und Weitervermittlung an entsprechende Stellen, die von den jungen Mitarbeiter/innen größtenteils selbst recherchiert wurden, nimmt Infofon außerdem eine Brückenfunktion ein. Wir erheben nicht den Anspruch, die Beratung im klassischen Sinne zu ersetzen, sondern zu ergänzen und den Schritt, sich Hilfe zu suchen und anzunehmen, zu erleichtern. Durch die Kombination von Information und Beratung und durch die Tatsache, dass hier Jugendliche andere Jugendliche beraten, bietet weit vor einer Krise die Möglichkeit des Kontaktes und des Austausches.

business-on.de: Wie helfen die Jugendlichen konkret den Anrufern?

Ernest Hodzic: Wir versuchen unser Angebot möglichst niedrigschwellig zu halten. Für viele Jugendliche ist es leichter, sich an Gleichaltrige mit ihren Anliegen zu wenden als an Erwachsene. Das wissen natürlich auch unsere jugendlichen Berater. Sie sprechen "dieselbe Sprache" und können bei der Beratung oft auch auf ihre eigene Erfahrungen oder ihr "jugendspezifisches" Wissen zurückgreifen, was auch eine große Ressource in der Arbeit bei Infofon darstellt. Darüber hinaus werden die Jugendlichen, bevor sie am Telefon arbeiten dürfen umfangreich zu verschiedenen Themen geschult.

business-on.de: Die Arbeit beim Infofon ist sicher belastend. Sind die jugendlichen Betreuer dieser Aufgabe gewachsen?

Ernest Hodzic: Die Arbeit bei Infofon ist nicht immer einfach, doch die Jugendlichen werden auf ihren Einsatz gut vorbereitet. Bevor sie mit der Beratungsarbeit bei uns anfangen müssen alle Jugendlichen eine 80-stündige Ausbildung ableisten. Zu den Inhalten gehört es natürlich auch zu lernen, die eigenen Grenzen zu erkennen und auch Grenzen zu setzen. Die jugendlichen Beraterinnen und Berater haben auch während der Anrufe jederzeit die Möglichkeit sich Unterstützung und Hilfe bei den sogenannten „Hintergrunddiensten“ zu holen und zur Not das Gespräch an diese weiter zu geben. Die ausgebildeten Sozialpädagogen und Psychologen, welche die Jugendlichen vor beziehungsweise während und nach der Beratungsarbeit abends unterstützen, sind ein wichtiger Teil von Infofon.

business-on.de: Wie werden die Jugendlichen ausgebildet?

Ernest Hodzic: In der Grundausbildung für den Telefondienst soll den Jugendlichen ein breites Spektrum an Wissen und Verständnis für unterschiedliche Lebenswelten junger Menschen vermittelt werden. Dieses Ziel wird durch die Einbeziehung erwachsener Expert/innen und durch die Vielfalt der Jugendlichen, die im Projekt mitarbeiten, erreicht. So erhalten sie, neben ihrem eigenen Erfahrungsschatz, zusätzliches Wissen, um sicher und souverän Informationen weitergeben oder eine Beratung durchführen zu können. Eigene Erfahrungen und Potentiale werden in der Arbeit bei Infofon gefördert und können und sollen in die Beratung mit einfließen.

business-on.de: Arbeiten die Jugendlichen neben der Schule oder dem Studium oder ist die Arbeit bei Infofon wie eine berufliche Ausbildung?

Ernest Hodzic: Das Engagement bei Infofon, sowohl im Rahmen der Infofon-Ausbildung als auch die Tätigkeit als jugendliche Berater am Telefon oder online soll keine berufliche Ausbildung ersetzen. Die Jugendlichen engagieren sich ehrenamtlich bei Infofon und gehen auch keine vertraglichen Verpflichtungen mit dem Verein ein.

business-on.de: Planen Sie, das Team aus Jugendlichen zu erweitern?

Ernest Hodzic: Seit Februar 2012 bildet Infofon wieder Jugendliche zwischen 16-21 Jahren zum Telefondienst und zur Onlineberatung aus. Interessenten können sich unter (089) 121 5000 melden.

(Redaktion)


 


 

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