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Wofür erhalten Unternehmen Fördermittel?

Über Fördermittel wird vieles kolportiert, aber abgesehen von der Existenzgründungsförderung existieren nur wenige konkrete Beispiele dafür, wer darüber hinaus welche Fördermittel wofür bekommt und – wie man an sie herankommt! Wir haben einen Experten gebeten, Licht ins Dunkel zu bringen in puncto Kapitalbeschaffung, Fördermittel, Tilgungsfristen und Business-Pläne.

Der Unternehmensberater Andreas Franken wird in diesem Interview grundsätzliche Rahmenbedingungen erläutern und im Rahmen zukünftiger Artikel zu dem Thema unterschiedliche Case Studies aufzeigen, damit jeder sein eigenes aktuelles Problem anhand eines für ihn passenden Fallbeispiels erläutert bekommt.

Business-on.de: Herr Franken, Sie sind Strategieberater. Wieso beschäftigt der sich überhaupt mit Fördermitteln?

Andreas Franken: Unternehmen sind gezwungen, sich ständig wechselnden Rahmenbedingungen anpassen und das bedeutet, dass sie diese proaktiv antizipieren und (/oder zumindest reaktiv) adaptieren müssen. Dies geht einher mit teilweise erheblichen Anpassungen am jeweiligen Geschäftsmodell. Manchmal müssen Geschäftsmodelle auch komplett neu entwickelt werden. So oder so ist dies mit Aufwand verbunden, der naturgemäß Geld kostet. Große Unternehmen und Konzerne sind zumeist so solide durchfinanziert, dass sie neue Konzepte aus eigener Kraft bezahlen können. Wenn diese Unternehmen aber in einer Krise stecken, benötigen Sie frisches Kapital. Unternehmen in der Gründungs- oder Wachstumsphase bewältigen ihre jeweiligen finanziellen Herausforderungen ohnehin selten aus eigener Kraft. Deshalb geht es bei meinen Beratungsmandaten vielfach nicht nur um neue Konzepte, sondern auch um die Finanzierung dieser Konzepte. Gute Gründe dafür, dass ich mich bereits vor vielen Jahren auch auf die Themen Kapitalbeschaffung und Fördermittel fokussiert habe.

Business-on.de: Gutes Stichwort! Was ist der Unterschied zwischen Kapitalbeschaffung und Fördermittel?

Andreas Franken: Bei der Kapitalbeschaffung geht es beispielsweise um diverse Finanzierungs- beziehungsweise Kapitalbeschaffungsformate wie Kredite, Beteiligungen, Crowdfunding , Verkauf von Assets und ähnlichem, wogegen bei der Beschaffung von Fördermitteln für gewöhnlich keine Geschäftsanteile übertragen werden müssen und die Fördermittel bei Zinssätzen von teilweise unter einem Prozent und tilgungsfreien Vorlaufzeiten von bis zu sieben Jahren sehr attraktiv sind.

Business-on.de:  Müssen Fördermittel zurückgezahlt werden?

Andreas Franken: Es gibt auch Förderprogramme die als Zuschüsse zu bestimmten Vorhaben angelegt sind, aber hier werden primär sehr spezielle Themen gefördert und die Höhe der jeweiligen Fördersumme bewegt sich in überschaubaren Größenordnungen; wogegen Förderdarlehen zwar rückzahlbar sind, aber auch Investitionen von beispielsweise 25 Millionen Euro bedienen können.

Business-on.de:  Wann ist denn eine klassische Kapitalbeschaffung vorteilhafter als Fördergelder?

Andreas Franken: Fördergelder sind an bestimmte Voraussetzungen geknüpft, die ein Unternehmen zunächst einmal erfüllen muss. Zwar sind die Bedingungen für den Erhalt von Fördermitteln heutzutage günstiger als je zuvor, aber wenn Unternehmen beispielsweise ihren Eigenkapitalanteil nicht aufbringen können oder negative Bonitätsmerkmale aufweisen, die das Vertrauen eines Fördermittelgebers negativ beeinflussen, dann ist es ein probates Mittel, einen strategischen oder Finanzinvestor zu beteiligen, der die Bonität stärkt und eine finanzielle Basisausstattung sicherstellt, um Fördermittel zu erhalten. Und wenn der Kapitalbedarf die 25 Millionen Euro Grenze deutlich übersteigt, dann sind klassische Fördermittel ob der Kapitalhöhe eh nicht die richtige Wahl.

Business-on.de:  Was wird denn überhaupt gefördert?

Andreas Franken: Deutsche Unternehmen haben besonderes Glück, denn das Interesse des Staates und der EU an zukunftsfähiger Unternehmerschaft ist äußerst groß. Deshalb werden Unternehmen in allen Phasen wie Gründung, Wachstum und Sanierung gefördert. Aufschluss gibt unter anderem die Seite der KfW .

Business-on.de:  Haben Sie aus Ihrer Praxis konkrete Beispiele?

Andreas Franken: Selbstverständlich. Zwar darf ich aus Gründen der Schweigepflicht keine Namen nennen, aber ich komme gern der Einladung nach, nachfolgend konkrete Beispiele zu nennen. Da es an dieser Stelle den Rahmen sprengen würde, werde ich in regelmäßigen Abständen Case Studies aus den Bereichen Wachstum, Investition in Anlagen, Investitionen in Techniken, Sanierungen und Turnarounds sowie Beispiele aus vielen weiteren Themenbereichen vorstellen.

Business-on.de:  In Ihrer vorhin gemachten Aufzählung war mir aufgefallen, dass Sie das Thema Unternehmensgründung ausgelassen haben. War das bewusst?

Andreas Franken: Bei der Unternehmensgründung unterscheide ich strikt zwischen Existenzgründung , wo Menschen oftmals aus der Arbeitslosigkeit in eine Selbstständigkeit „hineinmotiviert“ werden, und erfahrenen Unternehmerexistenzen oder auch existierenden Unternehmen, die auf ihren jeweiligen vorhandenen Erfahrungen basierend eine neue Gesellschaft gründen. Existenzgründer berate ich nicht, wogegen ich bereits viele Unternehmer und Unternehmen bei der Ausgründung neuer Gesellschaften unterstützt habe.

Business-on.de:  Bleibt noch die große Frage, wie man Fördermittel bekommt?

Andreas Franken: Das ist schnell erklärt, denn jedes zukunftsfähige Unternehmen erhält Fördermittel. Das Problem hierbei ist nur, dass die Institute, die über die Vergabe von Fördermitteln entscheiden, zu der Einschätzung gelangen müssen, dass ein Unternehmen zukunftsfähig ist. So mancher Manager oder Unternehmer vermittelt eben nicht den Eindruck, dass er beziehungsweise sein Konzept geeignet ist, Fördermittel zu erhalten.

Business-on.de: Wann ist denn ein Unternehmen nicht förderwürdig?

Andreas Franken: Nehmen wir beispielsweise ein Unternehmen, welches Fördermittel für Wachstumsvorhaben wie die Eroberung neuer Märkte oder die Einführung innovativer Produkte anfordert, aber kein plausibles und belastbares Konzept in einen den Anforderungen genügenden Businessplan gefasst vorlegen kann, oder das Unternehmen in Schieflage, wo das Management fest davon überzeugt ist, dass der Markt sich schon wieder günstig verändern wird, man aber die Zeit bis dahin „nur“ überstehen muss. Ein „weiter so“ ist ebenfalls kein probates Konzept. Einstein lehrte uns bereits, dass man Probleme niemals mit derselben Denkweise lösen kann, durch die sie entstanden sind. Das ist übrigens der Kardinalfehler, den viele Menschen begehen. Sie möchten, dass sich die Dinge ändern und nicht sie selbst.

Business-on.de:  Was kann man tun, wenn es bei der Konzepterstellung beziehungsweise der Beantragung von Fördermitteln Probleme gibt?

Andreas Franken: Indem man sich jemandem sucht, der sich mit dem Thema auskennt und eine andere Sichtweise vermittelt – nämlich die der (potenziellen) Kunden und die Sichtweise der Entscheider über die Vergabe von Fördermitteln. Um ein Unternehmen erfolgreich zu machen werden schließlich drei Dinge benötigt: Die richtigen Leute, ein überlegenes Konzept und Geld. Wenn Ihnen eines von dreien fehlt, dann können Sie das fehlende Teil mit den beiden vorhandenen ausgleichen. Mit Geld und Konzept bekommen Sie die richtigen Leute. Mit den richtigen Leuten und Geld können Sie ein Konzept anfertigen lassen (kaufen). Und die richtigen Leute können mit einem überlegenen Konzept Fördermittel bekommen.

Business-on.de:  Braucht man unbedingt einen Unternehmensberater um an Fördergelder zu kommen?

Andreas Franken: Nein. Wenn das jemand aus eigener Kraft schaffen kann, dann soll er doch. Zu bedenken ist aber, dass die Fördermittelgeber alle miteinander vernetzt sind und dass es keine zweite Chance für den ersten Eindruck gibt. Wenn der misslingt, dann war´s das. Das ist etwas anderes als den Handwerker zu sparen und das Wohnzimmer selbst zu tapezieren. Eine Muster-Vorlage für einen Business Plan ist schnell aus dem Internet besorgt, aber dadurch ist die Aufgabe, ein Unternehmen auf Erfolg auszurichten und Fördermittel zu erhalten noch längst nicht erfüllt. Es sind, wie so oft im Leben, die Details, auf die es ankommt und deshalb ist es sinnvoll, sich an jemanden zu wenden, der über entsprechende Erfahrungen verfügt. Bei einem Gerichtsprozess vor einem Straf-, Zivil, oder Finanzgericht lassen sich die meisten Menschen ja auch vom Rechtsanwalt oder Steuerberater vertreten, obwohl man sich bei vielen Gerichten auch selbst vertreten könnte. Da es aber darum geht, zu gewinnen oder zu verlieren, nimmt man nicht den billigsten Anwalt oder Steuerberater, sondern den für die Sache geeigneten. Ähnlich ist das auch bei den Themen Unternehmensstrategie, Konzepte, Business Plan und Fördermittel. Hilfreich ist hierbei, dass Beraterkosten ebenfalls komplett förderbar sind. Dennoch: Wirkliche Autodidakten haben auch ohne fremde Hilfe stets eine Zukunft.

Business-on.de: Was raten Sie Unternehmen, die auf der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten durch Fördermittel sind?

Andreas Franken: Sie sollten sich die Frage stellen, ob es ihre Kernkompetenz ist, ein zukunftsfähiges Konzept zu entwickeln und in einen Unternehmensplan zu packen, der geeignet ist, einen über Fördermittel entscheidenden Technokraten zu überzeugen. Falls nicht, sollten diese Unternehmen Hilfe beanspruchen.

Weiterführende Informationen zu dem Thema gibt Andreas Franken gern auch direkt weiter unter: franken-consulting.org und PARES.de

(Edda Nebel)


 

Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Andreas Franken
Bild Nr. 2 © Dieter Schütz / pixelio.de / Dieter Schütz / pixelio.de


 

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