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Kinderprogramm

Kinderfernsehen als Wirtschaftsfaktor

Das Kinderfernsehen hat sich im Laufe seiner Entwicklung gewandelt. Von einem kulturtragenden Medium hat sich das Kinderprogramm zu einem beachtlichen Wirtschaftsfaktor entwickelt.

Auch die Situation des Kinderfernsehens lässt sich immer mehr durch
Gesichtspunkte des Marktes beschreiben und es werden immer wieder neue Erzählkonzepte entwickelt und neue Genres geschaffen. Nicht unbeachtet soll bleiben, dass sich auch die Kindheit der Zuschauer gewandelt hat. Die heutige Kindheit wird in der einschlägigen Literatur vermehrt als eine mediatisierte Kindheit bezeichnet. Die Kinder wachsen heutzutage in einer reich ausgestatteten Informationswelt auf. Neben dem überwiegend genutzten Medium des Fernsehens beschäftigen sich Kinder auch mit Angeboten wie Computer, Handy oder Internet.

Für die Programmverantwortlichen des Kinderfernsehens spielt diese Tatsache eine ganz bedeutende Rolle. Die Kinder sind inzwischen eine wichtige Zielgruppe für die Fernsehindustrie. Die jungen Zuschauer verfügen bereits über einen enormen Grad an Kaufentscheidungen und haben ebenfalls Einfluss auf die Kaufentscheidungen ihrer Eltern. Laut der KidsVerbraucherAnalyse 2008 stehen die Kinder finanziell gut dar.
Die Altersklasse der sechs bis 13jährigen verfügt über 2,6 Milliarden Euro pro Jahr. Zusätzlich besitzen sie noch ein Vermögen von 3,8 Milliarden Euro, das auf Sparkonten angelegt ist. Das durchschnittliche monatliche Taschengeld beläuft sich im Jahr 2008 auf ca. 23 Euro, im Jahr 2006 lag der Betrag bei 20 Euro. Für die werbetreibende Industrie sind die Kinder deshalb von besonderem Interesse.

Ferner ist das junge Publikum für die Programmverantwortlichen interessant, da aus ihm das erwachsene Stammpublikum werden soll.
Für die Kindersender bedeutet dies, die Kinder so lange wie möglich an den Sender zu binden, sodass sie auch im Erwachsenenalter dem Sender treu bleiben. Angebote für unterschiedliche Altersklassen sind nicht zuletzt deswegen von entscheidender Bedeutung.

Abgesehen von den Kindersendern, die ein spezielles Kinderprogramm anbieten, können sich auch andere Fernsehveranstalter nicht mehr erlauben, auf das junge Publikum zu verzichten. Obwohl Kinder das Recht auf ein eigenes qualitativ hochwertiges Vollprogramm haben sollten, stehen bei der Entscheidung, ein solches anzubieten, oft Marktinteressen und kommerzielle Gedanken im Vordergrund.

Selbst die öffentlich-rechtlichen Fernsehveranstalter haben erkannt, dass Kinder in der heutigen Gesellschaft wichtige Mediennutzer sind. Mit
Merchandisingstrategien oder sogenannten Clubkonzepten versuchen auch diese Anbieter, die Kinder an ihr Programm zu binden. Allerdings legen die öffentlichrechtlichen Anbieter größeren Wert darauf, dass die Merchandising-Produkte zum Inhalt und zu den Zielen der jeweiligen Sendung passen. Ebenso sollen die Produkte, laut eigenen Aussagen, den Qualitätsstandard der Sendung widerspiegeln. Als Beispiel seien hier die Löwenzahn-CD-ROMs genannt.

Der private Kindersender Nick bietet auf seiner Internetseite einen Online-Shop an, in dem Merchandisingartikel zu den verschiedenen Sendungen angeboten werden, wie beispielsweise Bettwäsche oder Plüschfiguren. Die privaten Anbieter verfolgen vorrangig mit den Merchandisingprodukten das Ziel, den Bekanntheitsgrad der Sendung und nicht zuletzt des Senders selbst zu steigern. Ferner sollen diese Verkaufsprodukte nicht nur zur Gewinnmaximierung beitragen, sondern hierdurch sollen auch Synergieeffekte erzielt werden, da die Sendung für das Produkt wirbt und das Produkt für die jeweilige Sendung.

Neben der Merchandisingstrategie bietet das Kinderfernsehen noch weitere Vermarktungsmöglichkeiten, wie die klassische Fernsehwerbung. Der Kindersender Nick strahlt zwischen einzelnen Sendungen Fernsehwerbespots aus. Diese bewerben deshalb vorwiegend Spielwaren, Süßigkeiten oder Computerspiele, weil Kinder ihr Geld gerne für Produkte dieser Art ausgeben. Der Verkauf der Werbeplätze im Programm des Kindersenders ist ein lukratives Geschäft, denn der Sender bietet eine einzigartige Möglichkeit die jüngeren und aus ökonomischer Sicht die wichtigsten Mitglieder der Gesellschaft ohne große Streuverluste anzusprechen. Auf der Internetseite des Kinderfernsehanbieters Nick wird zusätzlich Werbung in Form von Bannern angeboten. Beworben werden auch hier auf die Zielgruppe gerichtete Produkte, wie zum Beispiel Kaugummis, Schokolade oder die Kinderzeitschrift Micky Maus.

Die Internetseite wie auch das Fernsehangebot des öffentlich-rechtlichen Anbieters Kika ist dagegen frei von kommerzieller Werbung, die ihm durch gesetzliche Regelungen untersagt ist.

Eine weitere Werbeform stellt das Sponsoring dar, das insbesondere der Kindersender Nick zur Finanzierung seiner Sendungen nutzt. Vor und nach der eigentlichen Sendung wird ein Werbespot der jeweiligen Firma eingeblendet und erwähnt, dass das Unternehmen die jeweilige Sendung sponsert.

(Dana Breidenbach)


 


 

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