Kinderbetreuung
Mehr Kindergeld oder mehr Kitas? DIW Berlin plädiert für Ausbau der Kinderbetreuung
Südbaden. Eine bessere Kinderbetreuung für Kinder von arbeitenden Frauen würde sowohl zu einer höheren Erwerbstätigkeit als auch zu mehr Geburten führen - allerdings nur bei kinderlosen Frauen.

Eine bessere Kinderbetreuung für Kinder von arbeitenden Frauen würde sowohl zu einer höheren Erwerbstätigkeit als auch zu mehr Geburten führen.
Das DIW Berlin hat in einer neuen Studie die Auswirkungen einer Erhöhung des Kindergeldes mit einem Ausbau der staatlichen Kinderbetreuung für Kinder von arbeitenden Mütter verglichen. "Mehr Kindergeld würde nur die Geburtenzahl erhöhen, aber nicht die Erwerbstätigkeit von Frauen", sagt Peter Haan, Autor der Studie.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist seit einiger Zeit eines der wichtigsten familienpolitischen Ziele. Dadurch soll sowohl die Erwerbstätigkeit von Frauen als auch die Geburtenrate erhöht werden. Peter Haan, DIW-Experte für Familienpolitik sagt aber: "Mehr Erwerbstätigkeit von Frauen und mehr Geburten sind eigentlich zwei verschiedene Ziele. Und es ist nur schwer möglich, beide gleichzeitig zu fördern.
Gemeinsam mit seiner Kollegin Katharina Wrohlich hat er die Auswirkungen zweier verschiedener politischer Maßnahmen untersucht: Erstens eine Erhöhung des Kindergelds für Kinder bis drei Jahre um 20 Prozent. Zweitens ein Ausbau der staatlichen Kinderbetreuung, so dass jedes Kind bis zum Alter von drei Jahren von arbeitenden Müttern die gewünschte Betreuung bekäme. Beide Maßnahmen hätten nach den Erkenntnissen der DIW-Forscher höchst unterschiedliche Auswirkungen.
Mehr Kindergeld = Mehr Kinder
Durch eine Erhöhung des Kindergelds würde die Geburtenwahrscheinlichkeit insgesamt gering gesteigert. Etwas stärker wäre dieser Effekt bei Frauen, die bereits Kinder haben und bei Frauen mit niedrigem Bildungsniveau. Allerdings hätte diese Maßnahme keine Auswirkungen auf die Beschäftigung. "Das erhöhte Kindergeld würde an arbeitende und nicht arbeitende Mütter gleichermaßen gezahlt", erklärt Peter Haan. "Insofern war hier auch kein erhöhter Arbeitsanreiz zu erwarten." Tatsächlich ginge die Erwerbstätigkeit durch das höhere Kindergeld sogar leicht zurück.
Mehr staatliche Kinderbetreuung = Mehr arbeitende Frauen
Bei Frauen mit kleinen Kindern unter drei Jahren würde bei einem Ausbau der Ganztagsbetreuung die Erwerbstätigkeit merklich steigen. "Besonders Frauen mit hohem Bildungsniveau würden bei mehr Betreuung auch wieder mehr arbeiten", sagt Peter Haan. Ein Ausbau der Ganztagsbetreuung hätte aber noch einen zweiten Effekt: Bei bisher kinderlosen Frauen würde zusätzlich die Geburtenwahrscheinlichkeit ansteigen. Insofern ist ein Ausbau der staatlichen Kinderbetreuung für die DIW-Forscher die bessere Wahl: "Nur durch den Ausbau der Betreuung erreicht man diesen doppelt positiven Effekt." Außerdem würde die erhöhte Erwerbstätigkeit von Frauen den Ausbau der Kinderbetreuung zumindest teilweise refinanzieren - der Ausbau wäre damit günstiger als die Erhöhung des Kindergeldes.
(DIW Berlin)
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