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Sonnenstrom aus der Sahara

Konzerne wollen Industrie-Initiative zum Desertec - Projekt starten!

Kaum ein anderes Industrieprojekt hat die Fantasie der Manager und Politiker in jüngster Zeit mehr beflügelt als Desertec. Hinter dem Kürzel verbirgt sich nicht weniger als eine Revolution der Energieversorgung in Europa: Strom aus der afrikanischen Wüste, erzeugt in riesigen Solarkraftwerken, soll Europa schon in wenigen Jahrzehnten ein ganzes Stück unabhängiger machen von fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Erdgas. Und er könnte, weil Kohlendioxid-frei erzeugt, auch dem Schutz des bedrohten Weltklimas nützen.

Am Montag (13. Juli) soll in einem Konferenzsaal der Münchener Rück das gigantische Vorhaben auf den Weg gebracht werden. Dazu hat der weltweit größte Rückversicherungskonzern Vertreter bedeutender Technologieunternehmen und der Finanzwirtschaft eingeladen. Sie sollen eine Industrie-Initiative beschließen, die in den kommenden zwei bis drei Jahren alle offenen politischen, wirtschaftlichen und
rechtlichen Fragen rund um Desertec klären soll. Diese Initiative wird die Form einer rechtsfähigen Organisation haben und soll ein vertieftes Umsetzungskonzept für Desertec entwickeln, erläutert der Sprecher der Münchener Rück, Alexander Mohanty.

Technisch stehen der Wüstenstrominitiative keine entscheidenden Hindernisse im Weg. Die Energiegewinnung aus solarthermischen Kraftwerken ist ein Jahrzehnte lang erprobtes Verfahren: Über große Sonnenspiegel wird Sonnenlicht auf einem Absorberrohr gebündelt. Dort erhitzt es ein Ölgemisch, mit dem wiederum Dampf erzeugt wird, der eine Turbine antreibt. Auch der verlustarme Stromtransport über
Hochspannungs-Gleichstromleitungen gilt als technisch machbar. Die entscheidenden Fragen lauten daher: Ist das Projekt finanzierbar, und ist es politisch durchsetzbar?

Bis zu einem Viertel des europäischen Stromverbrauchs könnten in näherer Zukunft mit Strom aus sonnenreichen Gegenden in Nordafrika und im Nahen Osten gedeckt werden, sagt der Direktor des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme in Freiburg, Eicke Weber. Die dazu erforderlichen Investitionen werden zurzeit auf etwa
400 Milliarden Euro geschätzt. Die Summe erscheine heute gar nicht mehr so gigantisch und sei mit Hilfe der Münchener Rück auch finanzierbar, erläutert Weber.

Strom aus Solarthermie hat den Vorteil, dass er in Form von Wärme leicht zu speichern ist. Trotzdem werde die Fotovoltaik, also die direkte Umwandlung von Sonnenlicht in Strom über Solarzellen, in Zukunft die wichtigste Rolle spielen, prognostiziert Weber. Schon in 10 bis 15 Jahren werde Solarstrom in Deutschland zu konkurrenzfähigen Preisen produziert werden können. Tagsüber könnten Fotovoltaikanlagen günstigen Strom für den direkten Verbrauch produzieren, während in der Nacht (gespeicherter) Wüstenstrom fließen könne.

Viele Politiker sind fasziniert von Desertec. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso stellten sogar EU-Mittel in Aussicht. Für den Berliner CDU-Politiker Friedberg Pflüger bietet Desertec nicht zuletzt den Menschen in Nordafrika eine Perspektive für Arbeitsplätze und Wohlstand und sei deswegen auch eine Art Anti-Terror-Projekt.

Grundsätzliche Kritik an Desertec äußerte ausgerechnet der SPD-Solarpapst Herrmann Scheer. Der Träger des alternativen Nobelpreises warnte davor, die Kosten des Projekts und die zu seiner Realisierung nötigen Zeiträume zu unterschätzen. Er ist von der Möglichkeit überzeugt, ganz Deutschland dezentral mit Erneuerbaren
Energien aus heimischen Quellen zu versorgen. Die verbrauchernahe Erzeugung von Solarstrom sei sehr viel naheliegender und schneller realisierbar als das Desertec-Projekt.

Der weltweite Bau solarthermischer Kraftwerke könnte in Deutschland aber zur Jobmaschine werden. Nach einer Studie des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie kann Deutschland von 2010 bis 2050 mit einer Wertschöpfung von bis zu zwei Billionen Euro aus dem Bau und Betrieb der Kraftwerke rechnen.

Vor allem diese Aussicht auf ein glänzendes Geschäft vereint die Teilnehmer des Münchner Treffens zu Desertec. Dazu hat die Münchener Rück auch die Deutsche Bank, die Energiekonzernen EON und RWE, die Solartechnikunternehmen Solar Millenium und Schott Solar sowie die Technologiekonzerne Siemens, ABB und M + W Zander eingeladen. Außerdem werden Vertreter des Auswärtigen Amtes, der Arabischen Liga und des Club of Rome mit am Tisch sitzen. Kein einzelner Staat oder Konzern kann Desertec allein stemmen, sagt Münchener Rück-Sprecher
Mohanty. Doch alle, die am Tisch sitzen, halten das Projekt für eine faszinierende Vision.

(Redaktion)


 


 

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