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Leise Menschen

Besprechungen – So finden Intros Gehör in großen Runden

Meetings und Diskussionen in Gruppen sind für Introvertierte oft sehr anstrengend – vor allem, wenn es extrovertierte Teilnehmer gibt, die in solchen Situationen viel und laut reden. Die Folge: Intros fühlen sich schnell wie unsichtbar.

Oft werden ihre konstruktiven Vorschläge nicht wahrgenommen, und Vorgesetzte bekommen den Eindruck, dass introvertierte Menschen nicht „teamfähig“ seien. Wie also können leise Menschen in dieser „Heißluftatmosphäre“ Aufmerksamkeit und Gehör finden? Hier kommen 6 Plenums-Regeln für leise Menschen.

Sitzungsregel 1: Sichtbar ist nur, wer sich äußert

Wenn Sie in einem Meeting als kompetent und konstruktiv wahrgenommen werden wollen, müssen Sie sich äußern. Das bedeutet nicht, dass Sie ständig reden sollen – aber sorgen Sie dafür, dass Sie in jeder Sitzung etwas beitragen. Dabei hilft Ihnen Ihre Substanz: Das, was Intros öffentlich sagen, hat meistens Hand und Fuß, denn Sie haben vorher ausgiebig darüber nachgedacht. Das nimmt Ihnen in Meetings die Angst und gibt Sicherheit, vor der Gruppe Ihren Standpunkt zu vertreten.

Sitzungsregel 2: Aufmerksamkeit ist ein knappes Gut

Reden ist die eine Sache. Erfolgreich können Sie letztlich aber nur dann sein, wenn die anderen Ihnen auch zuhören. Intros neigen oft zur Kleinteiligkeit. Achten Sie deshalb darauf, dass Sie sich in Ihren Beiträgen nicht in Details verlieren. Überlegen Sie daher vorher genau: Was ist meine Kernbotschaft? Bilden Sie kurze, einfach strukturierte Sätze. Eine leise, schwache Stimme, fehlende Pausen und ein zu schnelles Reden nehmen Beiträgen ihre Wirkung – ganz egal, wie gehaltvoll sie auf der Sachebene sind. Legen Sie also Nachdruck in Ihre Intonation. Sprechen Sie laut genug, damit alle Sie hören können. Suchen Sie Blickkontakt vor allem mit den Entscheidern im Raum: Diese gilt es zu gewinnen und zu überzeugen.

Sitzungsregel 3: Ohne Statusklärung keine Entscheidung

Ja, es ist leider so: Redezeit ist statusabhängig. Wer ranghöher ist, darf länger reden und sogar abschweifen. Statusniedrigere müssen sich kürzer fassen, werden leichter unterbrochen und bekommen weniger Resonanz für ihre Beiträge. Nehmen Sie sich also ausreichend Redezeit – mindestens so viel wie Kollegen in vergleichbarer Position. Wenn Sie lieber kurz reden statt ausgedehnt, so melden Sie sich im Ausgleich öfter zu Wort. Dabei ist während Ihrer Äußerung die wichtigste Person die ranghöchste – diese gilt es zu überzeugen. Zu erkennen ist diese Person daran, dass alle anderen ständig zu ihr hinsehen, um sich zu vergewissern, wie sie zuhört und auf Beiträge reagiert. Seien Sie auch in Ihrer Körpersprache selbstbewusst und den anderen zugewandt. Das heißt: Nutzen Sie die Gesamtfläche Ihres Stuhls zum Sitzen, aber vermeiden Sie es, sich zu räkeln oder die Ellenbogen auszufahren. Sitzen Sie offen und gerade. Vermeiden Sie Unterwerfungsgesten wie das Zurseite-Neigen des Kopfes oder das Wegblicken in einer unangenehmen Situation. Vermeiden Sie in Stimme und Bewegungen Hektik. Insgesamt sollten die Botschaften, die Sie senden, auf eines hinweisen: Sie wissen genau, was Sie tun!

Sitzungsregel 4: Fairness gibt es – manchmal!

Für viele Sitzungsteilnehmer lohnen sich Regelverstöße wie Unterbrechungen oder sogar Angriffe, wenn sie nicht sanktioniert werden und die Chancen auf ein persönliches Weiterkommen steigern. Gerade für leise Menschen sind unfaire Verhaltensweisen sehr stressreich. Damit Sie im Fall des Falles schnell handeln können, finden Sie hier eine „Notapotheke“ für drei häufige Regelverstöße in Diskussionen und die aussichtsreichsten Handlungsmöglichkeiten:

a) Ein Teilnehmer fällt Ihnen ins Wort und unterbricht Sie

Tipp: Vor allem bei Unterbrechungen durch Kollegen, die mit Ihnen auf einer Hierarchie -Stufe stehen, gilt: Bleiben Sie beharrlich– und reden Sie weiter! Fügen Sie mit deutlicher Stimme den folgenden Satz ein: „Lassen Sie mich das noch zu Ende führen …“ Bei Ihrem Chef kann es manchmal klüger sein, die Unterbrechung durchgehen zu lassen und über Blickkontakt und Nicken in Kontakt zu bleiben, während er redet. Wenn es eben geht, antworten Sie direkt auf seine Äußerung.

b) Ein Kollege moderiert Ihre Äußerung: »Sabine will sagen, dass …«

BUCHEMPFEHLUNG:

Tipp: Der Kollege will verdeutlichen, dass er die Deutungshoheit über Sabines Äußerung hat. Wenn Sie Sabine sind: Lassen Sie dieses Handeln niemals unkommentiert. Formulierungsvorschlag: „Danke für Deine Unterstützung, lieber Hans. Was hier besonders wichtig ist: …“

c) Ein Kollege versucht, Ihre Idee durch Verzögerung auf Eis zu legen

Stimmen Sie dem Kollegen im Plenum darin zu, dass bei der Neuerung vieles zu bedenken ist. Dann fügen Sie hinzu, dass Sie genau diese Denkarbeit mit Ihrem Team bereits geleistet haben. Etwa so: „Stimmt – da müssen wir bei mehreren Faktoren genau hinsehen, bevor wir diesen Projektteil outsourcen. Genau das haben wir in den letzten Wochen getan. Die Ergebnisse sind durchweg positiv. Gibt es Fragen zu unseren Recherchen?“ 

Sitzungsregel 5: Allianzen sichern das Ergebnis

Wenn eine wichtige Entscheidung ansteht, passiert die eigentliche Abklärung in den allermeisten Fällen vor der Sitzung. Das heißt: Diejenigen, denen etwas an der Entscheidung liegt, schließen Allianzen in erster Linie mit anderen Meinungsmachern, aber auch mit anderen Teilnehmern. Auf diese Weise sichern sie elegant bei einer anstehenden Wahl dem Wunschkandidaten die Mehrheit, klären vorab die Verteilung von Mitteln oder steuern Beschlüsse in eine bestimmte Richtung. So wird das Meeting in wichtigen Punkten kalkulierbar. Nicht zuletzt können Sie die Wahrscheinlichkeit verringern, dass Ihnen ein Teilnehmer im Plenum in den Rücken fällt. Sie gewinnen für die Sitzung also vor allem eines: Sicherheit und Berechenbarkeit.

Sitzungsregel 6: Besprochenes und Umsetzung sind zweierlei

Was beschlossen und verabschiedet wurde, wird umgesetzt. Manchmal. Doch gerade nach der Sitzung entscheidet sich, was diese eigentlich wert war und was nun geschieht. Hier ist vor allem wichtig: Was können Sie tun, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass Entscheidungen, die für Sie wichtig sind, auch umgesetzt werden? Wenn Ihnen eine Sache am Herzen liegt, sollten Sie „dranbleiben“ und mit den Kolleginnen und Kollegen im Gespräch bleiben, die mit der Umsetzung befasst sind. Klappt alles wie geplant? Gibt es Hindernisse? Um einen Beschluss zu stabilisieren, können Sie außerdem dafür sorgen, dass er niedergeschrieben wird: Geschriebenes ist leichter nachprüfbar, hilft also gegen Äußerungen wie „Das haben wir so niiiie gesagt!“

Probieren Sie die sechs Sitzungsregeln aus – und holen Sie sich in Meetings Ihren wohlverdienten Redeanteil!

(Dr. Sylvia C. Löhken)


 


 

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