Wirtschaftskriminalität
Wie kann man schnell und relativ sicher seinen Lohn aufbessern?
München. Wie kann sich ein normaler Arbeitnehmer zum monatlichen Lohn weiteres Kapital beschaffen? Da wäre der Zweitjob. Der jedoch ist zeitaufwändig, von den steuerlichen Belastungen ganz abgesehen. Dann eben Schwarzarbeit. Schließlich kennt jeder jemand, der dringend Hilfe braucht. Was bleibt ist der Faktor Zeit.

So offensichtlich funktioniert das sicherlich nicht mit der Wirtschaftskriminalität. Aber der Effekt ist der gleiche. ©Dieter Schütz pixelio.de
Anders sieht es da mit kleinen „Bedienereien“ am Arbeitsplatz aus, die einen finanziellen Vorteil versprechen. So ist zum Beispiel Diebstahl am Arbeitsplatz ein beliebtes Hilfsmittel, um sich seinen monatlichen Lohn aufzubessern, sei es mit dem berühmten Bleistift oder auch nur Klopapier. Gespart ist gespart. Geht man noch einen Schritt weiter, kann man seine „Beute“ auch verflüssigen und gegebenenfalls den monatlichen Lohn eben mal verdoppeln, verzehnfachen, verhundertfachen… Unmöglich meinen Sie?
Mundraub gibt es schon lange nicht mehr
Jetzt sollten wir doch mit diesen Visionen aufhören, denn der Schritt zur Illegalität ist rein gedanklich bereits längst überschritten. Dabei passiert es tausendfach, jeden Tag, in vielen Unternehmen.
Wirtschaftskriminalität ist zwar in aller Munde aber dennoch ist kaum ein Unternehmen dagegen sicher. Oft werden Schäden viel zu spät erkannt und meistens sogar nur durch Zufall. Wie aber kann es so weit kommen?
Die Sache mit den vertrauensvollen Mitarbeitern
„Vertrauensvolle Mitarbeiter“, die wünscht sich jeder, aber man schaut niemandem hinter die Stirn und dementsprechend oft ist hier der Wunsch der Vater des Gedankens.
Jeder Mensch ist bekanntlich nicht unfehlbar und vollkommen. Letztlich und das ist der wichtigste Punkt, ist er vom Geld abhängig. Geld ist meistens kein Motiv, es darf aber jederzeit als ein Bedürfnis angesehen werden, welches den Menschen sein Leben lang begleitet, verändert und gegebenenfalls auch seine Lebensart bestimmt.
Bei Geld hört die Freundschaft auf
Wir alle kennen das Phänomen: Je größer der Lottojackpot, desto mehr spielen mit, um an das große Geld zu kommen. Wer eine volle Geldbörse auf der Straße findet, der steckt sie in der Regel ein, zumindest das Bargeld. Bei Erbschaftsangelegenheiten steht Pietät nicht an erster Stelle der Familieneinigkeit. Der Satz „ bei Geld hört die Freundschaft auf“ bringt es hierbei auf den Punkt.
Nach dem Währungswechsel von D-Mark in Euro hatte jeder Bürger das Gefühl, nur noch die Hälfte seines bisherigen Geldes zu besitzen. Hinzu kam, dass die Preise gefühlt identisch blieben und nun zum Beispiel die Butter von 1,15 Mark nun 1,15 Euro kostete. Viele Bundesbürger stellten dann fest, dass ihr monatlicher Lohn immer „kleiner“ wurde. Bis heute liegt die „gefühlte Verteuerung“ bei rund 60 Prozent, obwohl das faktisch widerlegt ist. Still und leise jedoch wird die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer, noch nie war die Zahl der Millionäre in Deutschland so hoch wie heute.
Erkennen und ausnutzen
Aber zurück zu unserem Arbeitnehmer. Vor allem Mitarbeiter, die neu in ein Unternehmen kommen, speichern schon aus reinem Lernwillen im Gehirn reichlich Wahrnehmnungen über das Unternehmen, Mitarbeiter, Vorgesetzte, Arbeitsplatz, Produkte, Arbeitsabläufe, Kontrollen und so weiter ab. Wir alle kennen die berühmte „Sicht eines Dritten“, der auf Anhieb Dinge erkennt, die „schon immer so gemacht wurden“, aber eigentlich schon immer dusselig waren und es noch sind.
Dabei entdecken sie so manche Schwachstelle im Unternehmen und oft reicht eine wie auch immer geartete Unzufriedenheit aus, um aus einer kleinen Idee einen tieferen Gedanken über genau diese Schwachstelle werden zu lassen. Die gesamte Hollywood-Industrie lebt von solchen Geschichten und so mancher Gauner wurde vom „vertrauensvollen Mitarbeiter“ sogar zum Helden.
Ein Wirtschafts-Krimi „made in Germany“
Die Geschichte von Stephan Brannys liefert genau einen solchen Stoff, wobei sich die Drehbuchautoren die Arbeit sparen können. Die Geschichte ist nämlich wahr.
Brannys schädigte vor einigen Jahren spektakulär – vor allem weil es ihm so leicht gemacht wurde –das Unternehmen Hewlett Packard (HP) um rund 30 Millionen Euro.
Quasi nebenbei und ohne sich auch nur einen Moment verfolgt zu fühlen. Heute profitieren Unternehmen und auch öffentliche Behörden von seinem Wissen, um sich für das Thema Wirtschaftskriminalität zu sensibilisieren. Schließlich kann er wie keiner helfen Defizite in der Sicherheit zu erkennen und zu eliminieren. In seinen Vorträgen und Seminaren berichtet er aus der Sicht des Täters über die unterschiedlichen Vorgehensweisen und deckt auch schon mal in Unternehmen als eingeschleuster Mitarbeiter die entsprechenden Schwachstellen auf.
Business-on.de berichtet in einer neuen Serie zum Thema Wirtschaftskriminalität über die Arbeit von Stephan Brannys und gleichzeitig entführen wir Sie mit in einen wahren Wirtschafts-Krimi „made in Germany“.
(Edda Nebel/Stephan Brannys)
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