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Interview mit Markus Hein

Markus Hein, Gründer von pixelio.de, spricht über seine Anfänge im Internetbusiness und die Zukunft von bezahltem Content

Der 30-jährige Markus Hein machte eine Ausbildung zum Mediengestalter in einem Münchner Medienunternehmen, bevor er Ende 2003 unter dem Namen Pixelquelle – heute pixelio - eine kostenlose Plattform für den Up- und Download lizenzfreier Fotos gründete. Mehr als 280.000 Mitglieder bieten rund 320.000 Bilder an, kommentieren diese und tauschen sich im Forum aus. Laut eigener Aussage ist pixelio die größte Bilddatenbank für kostenlose und lizenzfreie Fotos im deutschsprachigen Raum. Mit seinen vier festen und acht freien Mitarbeitern betreibt Markus Hein seit September 2007 außerdem clipdealer, einen Marktplatz für lizenzfreie Medien wie Footageclips sowie Audio- und Bilddateien. Dort finden sich derzeit etwa 46.000 Videoclips, 12.000 Audiodateien sowie 12.000 Fotos und Vektorgrafiken. Während Markus Hein pixelio selbst finanziert hat, sind an clipdealer drei weitere Firmen beteiligt.

Business-on.de: Herr Hein, auf pixelio.de bieten Fotografen anderen ihre Werke zur kostenlosen redaktionellen und sogar kommerziellen Nutzung an. Warum machen die das?

Markus Hein: Das hat mehrere Gründe: Zum einen freuen sich die unter unseren Mitgliedern überwiegenden Hobby- und Amateurfotografen, wenn ihre Bilder unter Angabe ihres Namens – so verlangen es unsere Statuten - in Online- und Printpublikationen erscheinen. Wir erhalten oft Belegexemplare oder Links, in denen Bilder von pixelio.de verwendet wurden, und leiten diese an unsere Nutzer weiter. Zum anderen finden Bildverwender bei pixelio viele Motive, die sie bei einer professionellen und kostenpflichtigen Bilddatenbank nicht finden, da sie nicht deren Anforderungen entsprechen. Seit dieser Woche bieten wir auch unter clipdealer.de lizenzfreie Fotos an, dort ist der Download allerdings kostenpflichtig. Um eine hohe Qualität sicherzustellen, prüfen wir jedes Bild hinsichtlich Auflösung und Professionalität. Es ist somit nicht zu erwarten, dass wir uns im eigenen Hause Konkurrenz machen, eher bedienen wir unterschiedliche Marktsegmente.

Business-on.de: Ist nicht die Rechtslage bei geistigem Eigentum sehr komplex und als Laie kaum zu überblicken?

Markus Hein: Pixelio ist – soweit es uns möglich ist - sehr aufmerksam, was das Respektieren etwa von Persönlichkeitsrechten, Rechten an Bauwerken und Ähnlichem angeht. Mit der Zeit haben wir hier viel Erfahrung gesammelt und dazugelernt, auch durch die Diskussion mit unseren Nutzern. Es gibt eine Liste mit Motiven, die wir aus rechtlichen Gründen nicht annehmen. Sie ist online für jeden Urheber einsehbar. Die Investition in eine fundierte Rechtsberatung lohnt sich bei diesem Thema besonders.

Business-on.de: Rechnen sich Ihre Plattformen?

Markus Hein: Pixelio war von Anfang an rentabel. Es ist werbefinanziert, das Startkapital stammt von mir. Da ich in den ersten zwei Jahren nach der Gründung noch in meinem Ausbildungsbetrieb angestellt war, konnte ich sämtliche Einnahmen reinvestieren, um zum Beispiel die Serverkapazitäten zu erweitern. Somit waren nach und nach auch mehr Zugriffe möglich und die Erlöse stiegen.

Business-on.de: Wenn das Prinzip des werbefinanzierten und dafür kostenfreien Angebots doch gut funktioniert hat, warum haben Sie es nicht auch bei clipdealer angewendet?

Markus Hein: Hinter clipdealer steckt ein grundsätzlich anderes Konzept als bei pixelio, das somit auch andere Zielgruppen anspricht. Generell ist es so, dass werbefinanzierte Angebote viel langsamer wachsen als bezahlte. Das liegt wiederum an den geringen Werbeeinnahmen. Man muss da realistisch sein: Kaum einer – höchstens die Betreiber einiger großer Websites – erlöst für Werbeanzeigen die Entgelte, die er laut Preisliste verlangt. Es sind meist nur fünf bis zehn Prozent davon. Dessen muss man sich bewusst sein, wenn man vor hat, im Internetbusiness Fuß zu fassen. Zweitens sind im Falle von Videos die Investitionen viel höher als bei Fotos. Wir betreiben einen Hochleistungsserver, auf dem die angebotenen Dateien automatisch in das vom Kunden gewünschte Format und in die geforderte Qualität konvertiert werden. Und drittens sind bei bezahltem Content mehr - vor allem professionelle - Urheber bereit, ihr Material bei uns anzubieten.

Business-on.de: Haben bezahlte Inhalte also doch eine Chance, im Internet erfolgreich zu sein?

Markus Hein: Ich denke, redaktionelle Inhalte haben es eher schwer. Bezahlt wird nur für einzigartige Angebote, die vielleicht noch mit Dienstleistungen kombiniert sind. Dazu gehören sehr aktuelle oder exklusive Inhalte und Services, die möglichst viele Leute unbedingt haben wollen.

Business-on.de: Alle reden seit einigen Jahren von Web 2.0. Hat Ihnen dieser Boom Rückenwind für die Gründung Ihrer Internetfirmen gegeben?

Markus Hein: Ich habe pixelio bereits 2003 gegründet, erst 2005 kam der Web 2.0-Boom. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob wir im klassischen Sinne Web 2.0 sind. Nutzergenerierte Inhalte bieten wir zwar an, aber es handelt sich doch eher um einen Marktplatz nach dem Prinzip Ebay. Mir war aber immer wichtig, auch den Community-Gedanken aufzunehmen; die Nutzer können sich im Forum von pixelio.de austauschen und Fotos kommentieren.

Business-on.de: Nun denkt ja jeder, der sich mit HTML auskennt, er könne eine erfolgreiche Internetfirma gründen. Wie ist es wirklich?

Markus Hein: Programmierkenntnisse allein reichen sicher nicht aus, um erfolgreich zu sein. Wenn ich eine Art „Rangfolge des Erfolgs“ aufstellen müsste, dann wäre das erstens, sich zu überlegen, wie man mit seiner Idee irgendwann Geld verdienen will. Man muss sich im Klaren sein, dass im Internet wesentlich mehr Werbefläche angeboten als nachgefragt wird. Das drückt die Preise. Zweitens sollte man eine Idee haben, die einen Bedarf deckt, den viele Menschen haben, oder ein Problem löst, das viele haben. Und drittens sollte man sich im Vorfeld nicht zu lang mit Businessplänen und technischen Feinheiten aufhalten, sondern möglichst schnell starten. Einfach machen! Viele unterschätzen darüber hinaus den Umfang und die Relevanz juristischer Aspekte.

Business-on.de: Die derzeitige wirtschaftliche Lage ist nicht einfach. Inwiefern tangiert Sie das als Internetunternehmer?

Markus Hein: Bei pixelio verzeichnen wir in den vergangenen Monaten weniger Werbekunden. Auf der anderen Seite werden auch weniger Bilder bei uns heruntergeladen, obwohl pixelio kostenfrei ist. Die Agenturen haben einfach weniger Aufträge und benötigen daher weniger Bildmaterial. Was die Akquise von Venture-Kapital angeht, waren die auf die Internetbranche spezialisierten Kapitalgeber schon immer vorsichtig: Sie achten darauf, dass eine Geschäftsidee Wachstumschancen hat und die Vorteile des Internets, nämlich vor allem ein hohes Automatisierungs-potenzial und geringe Personalkosten, genutzt werden. Bei clipdealer.de haben wir von Anfang an alles von der Videokompression bis hin zum Debitorenmanagement automatisiert.

Business-on.de: Vielen Dank für das Gespräch.

pixelio.de und clipdealer.de

(Michael Grindmayer)


 


 

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