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St. Martin

Bayerische Gemeinden feiern Martinstag

Die langen schwarzen Haare sind unter dem Helm versteckt und der rote Mantel ist so weit, dass er nicht nur sie, sondern noch das halbe Pferd umhüllt: Wer es nicht weiß, merkt nicht, dass einer der größten Martinsumzüge Bayerns von einer Frau angeführt wird. Zum fünften Mal reitet Michaela Runge heuer als Heiliger Martin auf ihrem Pferd Fernando vor tausenden von Zuschauern durch die Freisinger Altstadt und teilt auf dem Domberg ihren Mantel mit einem Bettler.

Der Martinstag am 11. November, den das Erzbistum München und Freising mit seinem Umzug am darauf folgenden Sonntag begeht, ist ein hoher christlicher Feiertag und St. Martin eine Berühmtheit unter den Heiligen. Ein besonderer Tag, nicht nur für die Kinder, die dann mit ihren Laternen durch die Ortschaften ziehen. "Der Heilige Martin hat einen hohen Stellenwert, weil er einer der ersten großen Bekenner christlichen Glaubens war", sagt Martin Ritter, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim bayerischen Landesverein für Heimatpflege. Grund für die große Bekanntheit sei aber auch die Legende von der Mantelteilung. "Es ist die Verwirklichung des zentralen Worts Christi, dass man seinem Nächsten helfen soll", sagt Ritter.

Zurück geht die Legende auf den späteren Bischof Martin von Tours, der als Soldat mitten in einem harten Winter am Stadttor des französischen Amiens einem Armen ohne Kleider begegnet sein soll. Er flehte um Hilfe und Martin, der nichts außer seinem eigenen Mantel bei sich hatte, teilte diesen in zwei Hälften und gab eine dem Bettler.

"Es ist Wahnsinn"

Diese Szene spielt auch Michaela Runge nach, wenn sie durch Freising reitet. "Der Domberg ist voll mit einer riesigen Menge Kinder und ihren Mamas und Papas", erzählt Runge, "alles wird beleuchtet von den Laternen der Kinder. Es ist Wahnsinn." Oben angekommen zieht sie das Schwert und schneidet ihren roten Mantel entzwei. Die eine Hälfte bekommt in Freising ein nur mit kurzen Hosen bekleideter Schüler der Musikschule, deren mittlerweile ehemaliger Leiter Josef Goerge den Umzug seit 38 Jahren organisiert. "Egal, wie kalt es an dem Abend ist, der muss da durch", sagt Runge. Danach führt die 31-Jährige ihren Wallach Fernando weg, denn das Martinsfeuer, das dann entzündet wird, wäre doch zu viel für das Tier, das die ganze Aufregung sonst gleichmütig hinnimmt.

Ihr ruhiges Pferd, das die Heilerziehungspflegerin auch in der Arbeit mit behinderten Kindern einsetzt, war auch ein Grund, warum sie für die Rolle ausgewählt wurde. "Fernando packt das, dass hinter ihm die Blaskappelle herläuft, der macht alles mit", sagt Runge. Und sie selbst hatte von Anfang an Lust darauf: "Für mich ist das etwas Besonderes." Katholisch und in Bayern aufgewachsen kenne sie die Geschichte von klein auf. Dass sie eine Frau ist, war da kein Hindernis. "Mit Mantel und Helm erkennt das keiner." Und wenn Kinder mal misstrauisch würden, ob sie wirklich der echte Martin sei, dann zeige sie das Schwert unter ihrem Mantel, das überzeuge dann auch die kleinen Skeptiker.

Bekenntnis zum Glauben

Den Kindern und den Kindergärten ist es zu verdanken, dass sich das Brauchtum des Martinsumzugs bis heute erhalten hat. Nach einer großen Verbreitung im 19. Jahrhundert habe es an Bedeutung verloren und erst in den vergangenen Jahrzehnten wieder mehr Interesse erfahren, sagt Michael Ritter. Auch der Laternenumzug und das Martinsfeuer haben einen christlichen Hintergrund: "Das Licht ist ein Symbol für Christus. Bei den Martinsumzügen soll es verstanden werden als ein Bekenntnis zum Glauben", sagt Ritter. Der Martinstag am 11. November sei aber traditionell ein Markt- und Festtag vor der vorweihnachtlichen Fastenzeit gewesen, den der Volksglaube mit der Legende verbunden habe.

So beliebt ist der Feiertag aber nicht nur wegen des Umzugs und der Martinsgänse, die dann geschlachtet und verspeist werden, sondern auch weil es das einzige Fest zu Ehren eines Heiligen ist, das auch die Protestanten feiern. Sie begehen den Martinstag in Gedenken an Luther. "Weil auch der große Reformator den Namen Martin getragen hat, sind die evangelischen Christen mit den Bräuchen - in Anführungszeichen - etwas gnädiger umgegangen", sagt Ritter.

(dapd-bay/ Monika Ebitsch)


 


 

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