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BDI interviewt M.Wissmann

Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA): "Freier Handel sichert Arbeitsplätze"

Drei von vier in Deutschland gebauten Autos werden ins Ausland verkauft, sagt Matthias Wissmann. Deshalb sei ein freier Handel auf dem Weltmarkt für unsere Industrie entscheidend.

BDI(Bundesverband der Deutschen Industrie): Es wird in diesen Tagen viel über die Kreditklemme gesprochen. Wie ist die Situation in Ihrer Branche?

M.Wissmann: Man darf nicht pauschalieren, aber wir erhalten derzeit von vielen Mitgliedsfirmen gerade aus dem mittelständischen Sektor sorgenvolle Anrufe wegen der Kreditkonditionen, der Verlängerung oder Erweiterung der Kredite. Mein Appell an die Banken lautet: Schaut Euch jeden Fall einzeln an. Jetzt in der Krise muss es darum gehen, die Liquidität von im Kern gesunden Betrieben mit einer guten Zukunftsperspektive durch angemessene Kredite zu sichern.

BDI: Welche Bedeutung hat ein freier Welthandel für die Automobilindustrie vor allem mit Blick auf den Einbruch beim Export?

M.Wissmann: Ein freier Handel auf dem Weltmarkt ist für unsere Industrie von entscheidender Bedeutung – denn drei von vier in Deutschland gebauten Autos werden ins Ausland verkauft. Hindernisse beim Marktzugang – wie hohe Zölle oder sogenannte nicht-tarifäre Handelshemmnisse – belasten den Export deutscher Produkte und fördern die Produktionsverlagerung ins Ausland. Das kostet Investitionen und Arbeitsplätze am Standort Deutschland.

BDI: Angesichts der hoch verschuldeten öffentlichen Haushalte – welche Perspektiven sehen Sie langfristig für den Erhalt und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur?

M.Wissmann: Die große Rolle, die Infrastrukturinvestitionen in den Konjunkturprogrammen weltweit spielen, zeigt, dass die Politik sich der Bedeutung der Infrastruktur bewusst ist. Doch diese Maßnahmen dürfen kein Strohfeuer bleiben. Wir brauchen einen langfristigen verkehrspolitischen Ansatz. Die Verkehrswege müssen intelligenter werden, Möglichkeiten zum Verkehrsmanagement müssen stärker genutzt werden. Unser Ziel ist es, die Nachhaltigkeit im Straßenverkehr kontinuierlich zu stärken. Damit die technischen Fortschritte beispielsweise bei der Minderung des CO2-Ausstoßes aber nicht in Staus und zäh fließendem Verkehr verloren gehen, sind in dem kommenden Jahren stetige Investitionen in die Infrastruktur, vor allem in den Fernstraßenbau, erforderlich.

Matthias Wissmann, geboren 1949 in Ludwigsburg, studierte Rechtswissenschaften, Volkswirtschaft und Politik in Tübingen und Bonn. Er war 1993 Bundesminister für Forschung und Technologie und von 1993 bis 1998 Bundesminister für Verkehr. Seit Juni 2007 ist Wissmann Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) und seit November 2007 BDI-Vizepräsident.

(BDI)


 


 

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