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Interview Axel Berg

"Meine Lieblingsasoziale ist zur Zeit Frau Schaeffler!"

Der Münchner Bundestagskandidat Axel Berg ist bislang der einzige Sozialdemokrat aus Bayern mit Direktmandat und einziges Mitglied im Wirtschaftsausschuss aus München. Wie er die aktuelle Wirtschaftslage, Staatshilfen und Zukunftschancen sieht, verrät Berg www.muenchen.business-on.de – und teilt dabei erstaunlich hart aus.

business-on.de: Wie haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Axel Berg: Mit Rasen mähen zu Hause. Pädagogischer Grundsatz meiner Eltern war, dass die Kinder nur das Notwendige bekommen. Was mit Spaß oder Luxus zu tun hat, mussten wir selbst verdienen. Auch als Student habe ich nur 700 Mark Unterstützung bekommen. Wenn ich in den Urlaub fahren wollte, musste ich schauen, wo das Geld herkommt. Ich habe in der Fabrik gearbeitet und bin Taxi gefahren. Außerdem habe ich als Leistungssportler Geld verdient und wurde von der Deutschen Sporthilfe gefördert .

business-on.de: Sie sind gebürtiger Stuttgarter und erst durch das Studium nach München gekommen.

Axel Berg: In München war ich aber erst nur ein halbes Jahr. Ich fand die Studienbedingungen ganz entsetzlich. Erstens war es schweineteuer. Ich hatte für 400 Mark ein kleines Wohnloch. Und dann muss ich sagen: Die Jura-Studenten in München haben mir auch keinen Spaß gemacht. Das waren alles so glatte Pfeffersacksöhnchen mit Zahlenschlossköfferchen und weißem Golfcabrio vor der Tür. Und ich war ja damals mit Birkenstock, langen Haaren und Vollbart unterwegs. Entscheiden war aber, dass die Uni mir ein Doppelstudium verweigerte – wegen meines lausigen Abiturs. Heute allerdings gefällt mir die Stadt so gut, dass ich hier alt werden möchte.

business-on.de: Sie haben Politik und Jura studiert. Standen Sie danach selbst schon einmal auf dem Arbeitsamt?

Axel Berg: Als Politiker sowieso. Aber ich war zwischendurch auch schon mal arbeitslos. 

business-on.de: Sie sind Wirtschaftspolitiker, sogar Mitglied im Wirtschaftsausschuss des Bundestags. Was war wirtschaftspolitisch Ihr größter Erfolg?

Axel Berg: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Ich bin einer der Väter dieses EEG. Das ist ein Einspeisegesetz, damit werden die Netzbetreiber gezwungen, auch Energie aus Wind oder Sonne einzuspeisen. Die Kosten dafür werden unter allen Stromkunden aufgeteilt. Was jeden Haushalt im Schnitt knapp zwei Euro monatlich mehr kostet. Das Tolle daran: Das Gesetz ist im Jahr 2000 in Kraft getreten und heute macht Deutschland die besten Windräder, die beste Photovoltaik, die besten Biomasseanlagen. Für mich persönlich der größte Erfolg ist aber, dass ich das Gesetz in China vor dem Volkskongress vorstellen durfte – und China das Gesetz übernommen hat. Wie viele andere Länder übrigens auch.

business-on.de: Sie kandidieren in München. Hat das EEG auch hier etwas gebracht?

Axel Berg: Aber Hallo! Es sind jede Menge Unternehmen entstanden nur wegen diesem Gesetz. Beratungsbüros, Planungsbüros, Photovoltaikhersteller bei München.

business-on.de: Wann hatten Sie das Gefühl einmal versagt zu haben?

Axel Berg: (Denkt einen Augenblick nach.) Da kann ich mich jetzt an gar nichts erinnern.

business-on.de: Wie angenehm.

Axel Berg: Ja, anscheinend funktioniert die Verdrängung ganz gut. Aber natürlich mache ich wie jeder auch laufend Fehler. Wer arbeitet, macht Fehler.

business-on.de: In Ihrem Wahlkreis befinden sich mehrere DAX-Unternehmen, zahlreiche Mittelständler. Wie viel Staatshilfe halten Sie im Krisenfall für ein Unternehmen für angemessen?

Axel Berg: Wenn ein Unternehmen grundsätzlich gesund ist und durch Widrigkeiten, für die es selbst nichts kann, in ein Zwischenfinanzierungsloch kommt – dann finde ich es in Ordnung, wenn der Staat hilft. Aber Opel ist schon ein Sündenfall. Denn Opel hält eisern am überholten Verbrennungsmotor fest, obwohl sogar Solarunternehmer Frank Asbeck Anfang der Krise Opel übernehmen und ein Elektroauto bauen wollte. Es ist fatal, dass wir der Autoindustrie, die alles verweigert, was mit sauberen Autos zu tun hat, jetzt auch noch helfen. Aber: Meine Lieblingsasoziale ist zur Zeit Frau Schaeffler.

business-on.de: Wie bitte?

Axel Berg: Na, da versucht sie mit einer heimlichen, tricky tricky Art die dreimal größere Continental zu übernehmen. Verhebt sich dabei. Dadurch kommen zwei grundgesunde Unternehmen ins Schleudern. Die Frau bleibt auf ihrem Privatvermögen sitzen, wie es sich halt für Asoziale gehört, und fordert nach Staatsknete. Ich habe auch mit dem Einsatz der Bayerischen Staatsregierung für Quelle große Probleme. Das ist Wettbewerbsverzerrung. Damit wird Otto Versandhandel bestraft. Der hat sich unternehmerisch klüger aufgestellt als Quelle. Mit welchem Ergebnis? Dass der Steuerzahler dem hilft, der sich unternehmerisch schlecht verhalten hat – das kann es doch nicht sein. Ebenso die Milliarden an die Allianz – auch ein DAX-Unternehmen in meinem Wahlkreis. Das finde ich nicht in Ordnung. Ein gut gehendes Versicherungsunternehmen traut sich in das Abenteuer Bankgeschäft und verkalkuliert sich. Weil Deutschland deutsche Banken erhalten will, geht es mit 18 Steuermilliarden rein. Die Allianz hätte diesen Schaden selbst ausgleichen können.

business-on.de: Was gehen Sie nach der Wahl als erstes an?

Axel Berg: Die Energiewende. Die Richtung stimmt, aber wir müssen wesentlich radikaler zur Sache gehen. In der Finanzkrise haben wir weltweit die Chance auf einen New Green Deal verpasst. Wir hätten alles umstellen sollen. Aber nur ein winziger Teil dessen, was losgemacht wird, um die Wirtschaft zu stützen, wird für grüne Zukunftstechnologien ausgegeben. Da hätte ich viel mehr Geld drauf gelegt.

business-on.de: Was ist Ihre größte Stärke?

Axel Berg: Dass ich meinen eigenen Wertekompass habe. Ich darf das Beispiel Jörg Tauss nehmen. Der steht unter Beschuss, weil die Staatsanwaltschaft in Sachen Kinderpornografie gegen ihn ermittelt. Was tatsächlich war, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass Tauss unser bester Datenschutzmann war. Und dass ihn die Parteigenossen sofort brutal fallen gelassen haben, als nur der Kinderpornografie-Verdacht aufkam. Vor lauter Angst, selbst in den Verdacht zu geraten. Als Tauss nun seine letzte Bundestagsrede als SPD-Abgeordneter gehalten hat, da hat niemand geklatscht. Dabei ist es üblich, dass alle bei der ersten und der letzten Rede eines Abgeordneten aus Respekt klatschen. Ich war der einzige. Manche sind gefolgt.

business-on.de: Und Ihre größte Schwäche?

Axel Berg: Ich habe keine Geduld.

(Gerda Frey)


 


 

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11 Kommentare

von Klima
30.06.09 12:31 Uhr
Die größte Schwäche

Herr Berg,
ihre größte Schwäche ist ihre Inkompetenz.
Unsachliche Bemerkungen wie die benennung ihrer "Lieblingsassozialen" lassen auf ihren Charakter schleißen.
Ich werde am 27. September auf den Verlust ihres Direktmandates anstossen. Prost - weiter so - auch 10% können ein Ziel sein!

von Genosse
01.07.09 13:16 Uhr
Ich schäme mich Sie als Genosse bezeichnen zu müssen

Mein lieber H. Berg,
mit ihrer Unwissenheit und grenzlosen Arroganz haben Sie mehr Schaden angerichtet als Sie vielleicht denken. An ihrer Stelle würde ich mich erst einal kundig machen bevor ich pauschal über Personen herziehe die ich nicht kenne. Sie haben mit ihrem Interview massiv den SPD Ortsvereinen und Kandidatinnen/Kandidaten für die Bundestagswahl geschadet.
Ich kann mich meinem Vorredner nur anschliessen:
Prost - weiter so - auch 10% können ein Ziel sein!

von Manuel G.
03.07.09 03:46 Uhr
Frage...

Wann entschuldigen Sie sich öffentlich für den Blödsinn den Sie Herr Berg hier verzapft haben?
Oder reichen Ihnen die Beschwerdebriefe Ihrer Kollegen aus dem Bundestag noch nicht!? Falls diese nich bei Ihnen angekommen sein sollten sind sie hier zu finden: http://www.auch-wir-sind-schaeffler.de

Und so jemand nennt sich Volksvertreter. Vielen Dank!

von Paul S.
06.07.09 17:25 Uhr
Kompetenzmangel

Die Äußerungen von H. Berg haben auch uns als Mitarbeiter schwer getroffen. Ich persönlich habe Angst, wenn solche Poltiker mit so wenig Detail-Kenntnis dann wie im Fall von H. Berg im Wirtschafts-Ausschuß des Bundestages sitzen und Entscheidungen treffen, die auf unreflektierten Vorurteilen basieren.

Ich freue mich, dass sehr viele SPD-Politker sich in äußerster Schärfe von den Aussagen des Herrn Berg distanziert haben.

Wer es nachlesen möchte, kann dies auf der Web-Seite der Mitarbeiterinitiative der Schaeffler Gruppe tun:

http://www.auch-wir-sind-schaeffler.de/index.php?gv_chapter=6

von Schaefflerjaner
09.07.09 11:20 Uhr
Realitätsfremd

Das was Sie über meiner Chefin Frau Schaeffler von sich gelassen haben ist unterste Schublade. Es ist kein Wunder wenn die SPD in der Wählergunst immer weiter abrutscht, wenn sie mit realitätsfremden Mitglieder wie Sie bestückt ist. Sie müßen erstmal das leisten was Frau Schaeffler geleistet hat, aber dazu fehlt Ihnen wahrscheinlich das Gehirn. Sie können nur blödsinnige Reden (wie fast alle Politiker) halten, und über Menschen herziehen von denen Sie keine Ahnung haben. Sie leben von übigen Diäten, fahren mit dicken Spritfressenden Dienstwagen, tragen wahrscheinlich teuere Rollex und Nadelstreifenanzug, daß wir blöden Steuerzahler für Sie finanzieren müssen ohne das Sie dafür einen Finger krumm gemacht hat. Wenn einer wie Sie ohne eigener Hände Kraft was geleistet hat und den Steuerzahlern nur auf der Tasche liegt, ist daß für mich "Asozial"
Übrigens, ich war noch nie Arbeitslos und hatte keine Zeit in die Poltik zu gehen, dafür werde ich Frau Schaeffler ein Leben lang dankbar sein.

von Wahlkreisbewohner
10.07.09 07:11 Uhr
Und was wird für die Bürger vor Ort getan?

Ich wohne im Wahlkreis von Herrn Berg, aber ich muss sagen, dass ich mich nicht gut vertreten fühle durch meinen Wahlkreisabgeordneten. Ich sehe überhaupt nicht, dass sich Herr Berg konkret für die Menschen hier im Münchner Norden einsetzt - was seine Aufgabe wäre. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass ihn das einfach nicht interessiert. Und ob man mit der von Herrn Berg gepflegen Wortwahl ("Asoziale"), gepaart mit seiner herablassenden Art, erfolgreich in der "großen Politik" etwas für die Menschen bewegen kann, wage ich auch zu bezweifeln. Es ist Zeit, dass sich etwas ändert!

von Schaefflerjaner
15.07.09 20:27 Uhr
Zum Wahlkreisbewohner

Das Prinzip eines jeden Abgeordneten oder Politiker ist es sich mit Versprechungen wählen zu lassen, diese aber nicht einhalten können.Die dummen Deutschen (die merken das sowieso nicht) für blöd zu verkaufen. Das sind für mich keine Volksfertreter sondern Asoziale die in der Hängematte des Steuerzahlers liegen. Die haben Büros, Sekreterin, Dienswagen,und noch ein paar Nebenjops, die uns Idioten laut Gesetzgeber(wer ist denn das eigentlich?) verwehrt wird. Sondervergütungen bei Flug un Bahn, nach ein paar Jahren eine fette Pesion (wer bestimmt denn das?) Der Bundestag? oder das Volk ? Dann ist das für mich Vetternrwirtschaft oder Mafiamentalität. UND DAS BEZAHLEN WIR. Sie brauchen nicht darauf zu hoffen , daß sich da was ändert. das war schon immer so , und daß wird immer so bleiben.
MfG.
der auf die Barikaten geht.

von fufubaer
21.07.09 22:54 Uhr
Eloquenter Unfug

Sie sind meines Erachtens eines der besten Beispiele dafür, welche unfähigen und realitätsfremden Leute UNSEREN Staat lenken oder besser gesagt lenken wollen. Die Kurzsichtigkeit Ihrer Argumente und "Ideen" ist grenzenlos, wie die anderer Politiker auch (Der Horizont reicht nicht über die nächste Wahlperiode hinaus). Was momentan passiert, Privatisierung von Gewinnen und Sozializierung von Verlusten, dürfte sowieso jeden halbwegs gescheiten Ökonomen die Haare aufstellen lassen.
Die Arroganz und ihre Wortfertigkeit (Ich mag es salop, Grosse Fresse !, nennen) ist unglaublich. Ich gebe Ihnen mal einen bescheidenen Tip: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten !

von Bernd
07.08.09 22:32 Uhr
Glückwunsch

Glückwunsch Herr Berg,

leider stosse ich erst heute durch Zufall auf den Artikel, sonst hätte
ich meine Meinung über die SPD doch schon etwas früher
revidieren müssen. Ich freue mich, dass bei allen Banken- und
Unternehmensrettungen der letzten Monate es anscheinend
im Bundestag letzte Aufrechte gibt, die noch gesunden Menschen-
verstand bewahrt haben. Und glauben Sie mir, Ihre Wortwahl
war wahrlich nicht verkehrt.
Alle Fälle, die Sie angeführt haben sehen Millionen von Menschen
in dieser Republik ähnlich wie Sie.
Im Falle Schaeffler konnten wir zusätzlich letzte Woche noch
erleben, wie die Schaeffler Clique mit Machtgeilheit gepaart
mit Inkompetenz versucht, Conti jetzt ganz zu versenken.
Dies sehen die Mitkommentatoren leider nicht, was dort
passiert, Schaeffler wird Conti wenn es gelingt nach
Heuschreckenmanier filetieren, die noch fehlenden MIlliarden
soll der Staat liefern.
Über die CONTI-Arbeitsplätze redet in diesem Zusammenhang
leider niemand.
Und zum Schluss sei angemerkt, dass jeder Hartz 4 Empfänger
vor Bezug seiner Stütze "die Hosen runter lassen muss", sprich
sein Vermögen offen legen muss. Ist zuviel da, muss es vorher
verbraucht werden, warum das bei Frau Schaeffler nicht
genauso sein sollte, sollten die Mitkommentatoren mal
erläutern. Solange dies so ist, sollten Sie Frau Schaeffler
so oft wie möglich in der Öffentlichkeit als Asoziale bezeichnen.
Glauben Sie mir, würden das mehr SPD - Abgeordnete so machen,
wäre die Partei heute nicht bei 20 %.

Viel Glück und halten Sie die Ohren steif.

von kristy
30.09.09 09:18 Uhr
Pro Herr Berg!!!

Ich stimme Herrn Berg absolut zu!Diese sogenannten Manager, die gesunde Unternehmen in den Ruin treiben sollten höchstens noch Hartz 4 bekommen,aber das gibts nur wenn man seine Konto-Auszüge vorlegt und nicht irgendwo Geld versteckt hat.

von Manuel
30.09.09 14:28 Uhr
Re kristy

Was hat bitte "Diese sogenannten Manager, die gesunde Unternehmen in den Ruin treiben" mit Frau Schaeffler zu tun? Bitte erstmal genauer über die Frau informieren und keine haltlos dahergeredete Behauptung aufstelllen!!! Danke!

 

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