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Mietpreise in München

„München muss auch für die Verkäuferin oder den Busfahrer bezahlbar bleiben“

Die aktuelle Mietpreis-Betrachtung von ImmobilienScout24 belegt: Die Münchener zalhen im Durchschnitt 12,80 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete. Damit ist München bundesweit das teuerste Pflaster für deutsche Mieter. Business-on.de sprach zu dem Thema mit Prof. Dr. Stephan Kippes vom IVD-Institut - Gesellschaft für Immobilienmarktforschung und Berufsbildung mbH.

business-on.de: München wird immer beliebter, dadurch wird Wohnraum immer knapper. Was macht München so attraktiv?

Stephan Kippes: Grundsätzlich resultiert die Attraktivität Münchens aus den sogenannten weichen Standortfaktoren , aber auch der wirtschaftlichen Stärke. Was die weichen Standortfaktoren anbelangt, braucht man bei München angesichts der Lage in Alpennähe, aber auch dem urbanen Umfeld sowie der Seen im Umfeld von München nicht lange argumentieren. Was die wirtschaftlichen Faktoren angeht, so ist München ein bestens aufgestellter, gut diversifizierter Standort.

business-on.de: Inwiefern?

Stephan Kippes: Er wird nicht nur von einer Industrie- beziehungsweise einem Wirtschaftszweig beherrscht wie es in anderen Regionen teilweise der Fall ist, sondern er ist durch die relativ weitgehende Diversifizierung relativ stabil aufgestellt. Dies belegt auch der Zuzug in den Großraum München und dies belegen auch die langfristigen Bevölkerungsprognosen, die im Gegensatz zu vielen anderen Regionen bei München langfristig sogar von einer leichten Zunahme ausgehen, während viele andere Regionen in Deutschland hier mit einem deutlichen Rückgang der Einwohnerzahlen rechnen müssen.

business-on.de: Wie sind der Anstieg der Miet- und Kaufimmobilienpreise im Vergleich?

Stephan Kippes: Grundsätzlich kann man sagen, dass in München sowohl die Miet- als auch die Kaufpreise in den letzten Jahren deutlich angezogen haben. Grundsätzlich kann man sagen, dass der Wohnimmobilienmarkt in München, egal ob Kauf oder Miete, ausgesprochen stark tendiert.

business-on.de: Was raten Sie aktuell: Mieten oder kaufen?

Stephan Kippes: Hier spielen natürlich hier sehr persönliche Faktoren in das Kalkül hinein. Was Kaufen angeht, so sind derzeit natürlich die Zinsen auf historischen Tiefstwerten und machen Kaufen attraktiv, soweit man das passende Objekt am Markt findet und soweit man hier ein gewisses Startkapital hat. Ein wichtiger Punkt hierbei ist natürlich auch die berufliche Perspektive, das heißt, ob man zumindest mittelfristig in München bleiben wird.

Grundsätzlich hat der Erwerb einer Immobilie Vorteile. Man kommt aus dem permanenten Zahlen von Miete heraus, man entgeht dem schwierigen Mietwohnungsmarkt in München und man hat letztendlich mit der Immobilie etwas, das auch zur Altersvorsorge eingesetzt werden kann.

business-on.de: Ist Wohneigentum in München für Normalverdiener in Zukunft noch bezahlbar?

Stephan Kippes: Grundsätzlich ist für Normalverdiener angesichts des Preisniveaus der Kauf von Wohneigentum in München ein Kraftakt. Andererseits ermöglicht eine eigene selbstgenutzte Immobilie hohen Wohnungsmieten zu entgehen. Um etwas günstiger zu Kaufen ist es vielfach interessant von einem Neubau auf eine Bestandsimmobilie auszuweichen oder nicht in der Stadt direkt zu Kaufen sondern ins Umland auszuweichen.

business-on.de: Was kann München tun, um die Miet- und Immobilienpreisexplosion zu stoppen oder zurückzudrehen?

Stephan Kippes: Um die Wohnungsprobleme in München zu lindern ist eine Mischung aus verschiedenen Strategien wichtig; eine Einzelmaßnahme löst das Problem bei weitem nicht. Zum einen ist es notwendig eine Nachverdichtung innerhalb bereits bestehender Bebauung zu betreiben. Dies kann durch die Schließung von Baulücken, durch Abriss und Neubau größerer Wohngebäude oder Aufstocken bei vorhandenen Bauten erfolgen.

Dabei geht es um sozialverträgliche Nachverdichtung und nicht um eine Maximalbebauung. Zum anderen sollte, dort wo es von der Lage sinnvoll ist, versucht werden die ungenutzten Gewerbeflächen im Stadtgebiet in eine Wohnnutzung zu überführen. In München gibt es bereits positive Beispiele: So soll etwa auf dem ehemaligen Knorr Bremse-Gelände sowie der Funk-Kaserne statt einer geplanten Gewerbenutzung, Wohnbebauung dominieren. Ebenfalls wichtig für die Entspannung der aktuellen Situation auf dem Wohnungsmarkt in der Stadt wären positive Impulse im Umland.

business-on.de: Ist die soziale Stabilität in München in Gefahr? Wird München eine Elitestadt, in der nur Besserverdiener leben können?

Stephan Kippes: Die soziale Stabilität in München sehen wir noch nicht in Gefahr. Es ist allerdings schon ein großes Problem, wenn München gerade für Leute, die auf das mittlere oder einfache Preisniveau angewiesen sind, auch in diesem Segment kontinuierlich teurer wird oder anders ausgedrückt: München muss auch für die Verkäuferin oder den Busfahrer bezahlbar bleiben und nicht nur für Ingenieure großer Konzerne. Insofern ist es wichtig, die Bautätigkeit zu erhöhen um so etwas Druck aus dem Kessel zu bekommen.

business-on.de: Welches Viertel am teuersten, welches am günstigsten?

Stephan Kippes: Relativ günstig ist es etwa noch in Aubing und Langwied. Am obersten Ende sind etwa das Lehel oder Bogenhausen.

business-on.de: Bleibt München weiterhin die teuerste Stadt Deutschlands?

Stephan Kippes: Ja, wir gehen davon aus, dass München weiter die teuerste Stadt Deutschlands bleiben wird. Die Mischung einerseits aus wirtschaftlicher Stabilität auf Basis einer gut aufgestellten diversifizierten Wirtschaftsschaftstruktur und natürlich unsere weichen Standortvorteile werden auch weiterhin hier das Preisniveau hoch halten. Hinzu kommt, dass München sehr stark vom Zuzug von Personen geprägt ist, die in München oder im Großraum München dann ihren Arbeitsplatz suchen oder antreten. Insofern deuten auch die mittel- bis langfristigen Bevölkerungsprognosen, die in einer ganzen Reihe anderer deutscher Regionen eher auf eine -schrumpfende Bevölkerung ausgehen, im Großraum München sogar langfristig eher auf eine stabile bzw. steigende Bevölkerungszahl hin. Dies wird das hohe Preisniveau weiter halten.

business-on.de: Wie wird es mit den Miet- und Immobilienpreisen in Zukunft weitergehen?

Stephan Kippes: Bei den Mieten und Kaufpreisen gehen wir derzeit trotz der Euro-Krise nicht davon aus, dass es plötzlich starke Ausschläge nach unten gibt. Von einer sogenannten Blase wie sie an anderen Standorten, speziell in London, festzustellen war, wo die Preise sehr stark nach oben gingen und dann gewaltig nach unten fielen, sind wir ganz weit entfernt. Insofern wird es der Immobilienmarkt in München im Vergleich zu vielen anderen Standorten relativ stabil bleiben.

(Redaktion)


 


 

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