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Wirtschaftskriminalität

IM Mitarbeiter - Welche sind die „sensiblen“ Bereiche Ihres Unternehmens?

Tatorte für verhältnismäßig sichere Straftaten innerhalb eines Unternehmens befinden sich nicht nur in den Bereichen Produktion, Fertigung, Montage und in Lagerbereichen. Je nach Logistik werden hier oft erst bei einer Inventur Toleranzen ersichtlich.

Zwar verwalten viele Unternehmen Ihre Bestände über SAP, aber solche Soll-Zahlen, die über PC abgerufen werden, stimmen mit den Ist-Zahlen nicht immer überein. 

Es kann dauern bis sich die Frage der Fragen stellt

Ist die Verwirrung erst einmal da, kommt zuerst einmal den Verantwortlichen die Fehlersuche und auch die Behebung zu. Es vergeht einige Zeit, bis die Fragen danach, wo, wie und wann die Toleranz entstand, Beantwortung finden. Es gilt zu prüfen, ob es eine Falschlieferung von einer Zulieferfirma gab, die geringere Mengen anlieferte? Gab es vielleicht ein Qualitätsproblem, in dem Schlechtteile ausgelesen wurden? Steht das vermisste Produkt ganz woanders im Lager? Und dann kommt schlussletztlich die Frage aller Fragen: War es Diebstahl?

Oft kommt zum "einfachen" Diebstahl auch Betrug hinzu

So oder so hat der Täter nicht nur einen Zeitvorteil. Bei entsprechender Gefahr kann er sogar zusätzlich Verschleierungstaktiken anwenden, da die Mitarbeiter natürlich bei der Fehlersuche mit einbezogen werden. So kommt zum klassischen Diebstahl auch Betrug hinzu.

Betrug, auch diese Straftat kommt oft in Unternehmen vor, die, wie sollte es anders sein, auch viel zu später erkannt wird. Jeder, der mit Einkauf und Rechnungen im Unternehmen in Verbindung steht, hat hier manchmal ungeahnte Möglichkeiten zur illegalen Kapitalgewinnung.

Der Spion im Unternehmen - IM Mitarbeiter

Wer selbst schon auf Fachmessen war, der hat sicherlich festgestellt, dass dort auffallend viele Asiaten mit Fotoapparaten auf Fotosafari gehen und alles Mögliche an Produkten fotografieren. Oft kommen dann diese Produkte als Fälschungen bei uns wieder auf den Markt, nur eben viel billiger.

Es gibt eine regelrechte Spionage-Industrie

Die 1911 in Beijing ( China ) gegründete Tsinghua-Universität ist ein beliebter Platz für das Anwerben von Studenten durch Spionage-Agenturen. Als Austauschstudent kommen diese Studenten auch nach Deutschland und sammeln Eindrücke in Mittelständischen- und Großunternehmen . Per Auftrag nehmen sie hier georderte Informationen auf und leiten diese in Deutschland an Zwischenagenturen weiter, die sich als Vermittlungsagenturen für Studenten tarnen. Diese leiten dann das Ausspionierte nach China weiter.

Bei der Suche nach Industriespionage führte die Spur auch zu einem chinesischen Studentenverein in der belgischen Universitätsstadt Leuven. Das ist ein Verein mit etwa 500 chinesischen Studenten, nachzulesen bei epochtimes.de. Das Ausmaß der Spionagetätigkeit lässt sich genauer erkennen, nachdem kürzlich ein chinesischer Agent der Pekinger Regierung den Rücken gekehrt hat. Der seit zehn Jahren als Wissenschaftler an europäischen Universitäten und Firmen tätige Agent übergab dem belgischen Nachrichtendienst ‚Sûreté de l‘État‘ eine brisante Liste mit Informationen von über 100 chinesischen Informanten, wie die britische Tageszeitung ‚Telegraph‘ am 3. Juli berichtet.

Was können Unternehmen tun um sich vor kriminellen Mitarbeitern zu schützen?

Viele deutsche Unternehmen sehen in erster Linie die „vertrauensvolle“ Belegschaft. Dem entsprechend wollen sich Unternehmer Gegenteiliges einfach nicht vorstellen und verhalten sich mit einer gewissen Gemütlichkeit weder zeitgemäß, noch realitätsnah und oftmals zugunsten eines angenehmen Betriebsklimas nicht professionell. 

Zahlreiche Sicherheitsunternehmen bieten Aufklärungsthemen wie Tätertypenklassifikationen an, wodurch ein Unternehmen bereits beim Bewerbungsgespräch Anhaltspunkte finden soll, um den Bewerber schon im Vorfeld als potentiellen Täter in ein Typenschema einordnen zu können. Polizeiliche Führungszeugnisse sind ebenfalls ein beliebtes „Beruhigungsmittel“ für Unternehmen, wenn es um Stellenausschreibungen geht. Wer ein solches eintragslos vorlegen kann, ist nicht automatisch vertrauenswürdig. Viele Unternehmer wissen nämlich nicht, dass es Eintragungen gibt, die nach einiger Zeit gelöscht werden können. Hier berufen sich viele auf Scheinsicherheiten. 

Aufklärung von einem Täter

Stephan Brannys war in den Jahren 1995/96 selbst Haupttäter vom größten Betriebsdiebstahl in der deutschen Kriminalgeschichte. Im Auftrag eines außenstehenden Auftraggebers beschaffte er Computerchips vom Arbeitgeber Hewlett Packard. Nach bester Agenten-Manier steckte er schon längst mittendrin, bevor er selbst darüber richtig nachgedacht hat. In Rekordzeit hielt er zuerst 45.000 Mark in bar, kurz darauf schon 500.000 Mark Bargeld in den Händen. Nach 6 Monaten konnte er sich 11,8 Millionen Mark ergaunern. 

Heute leitet er Schulungen, Weiterbildungen, Events und Seminare. Zudem ermittelt er Schwachstellen in Unternehmen. „Wirtschaftskriminalität aus der Sicht des Täters“ ist ein Aufklärungs- und Beratungsthema, welches die Denk-, Verhaltens- und Vorgehensweise krimineller Mitarbeiter verdeutlicht.

(Edda Nebel/Stephan Brannys)


 


 

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