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„München wireless“

Das Comeback von W-Lan in München

Business-on.de sprach mit Achim Möhrlein, Geschäftsführer der The Cloud Networks Germany GmbH in München über „München wireless“.

business-on.de: Wer steckt hinter dem Projekt „München wireless“?

Achim Möhrlein: Seit Anfang 2011 errichten wir in München gemeinsam mit privaten Partnern aus dem Gastgewerbe, Handel und Dienstleistung ein sogenanntes vermaschtes Indoor-/Outdoor-WLAN-Netzwerk. Mesh-Technologie bedeutet, dass jeder Netzwerkknoten mit einem oder mehreren anderen verbunden ist. So können User mit ihrem mobilen Endgerät durch das WLAN-Knotennetz laufen und die Internetverbindung „mitnehmen“ – wie beim Mobilfunknetz. Die Verantwortungsbereiche bei dieser Kooperation sind klar abgesteckt. Die lokalen Partner beauftragen uns und gestatten die Montage der Funkübertragungsstellen und wir übernehmen Projektmanagement , Planung, Ausbau sowie Finanzierung und Betrieb. In der Aufbauphase I wurden bisher 71 solcher Access Points installiert und in Betrieb genommen. Mit steigender Tendenz! Unser Fokus richtet sich dabei primär auf den Innenstadt-Bereich bzw. generell stark frequentierte öffentliche Plätze und Gebäude.

business-on.de: Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Die Zukunft in deutschen Städten heißt WLan

Achim Möhrlein: Indoor installieren wir in München schon seit langem Public WLAN-Netzwerke beispielsweise in rund 30 Hotels. Insgesamt kommen wir so auf etwa 600 Access Points, die wir betreiben, überwachen und warten. Das war die ideale Voraussetzung für ein flächendeckendes City-WLAN-Netz. So fiel der Startschuss für das deutsche Pilotprojekt „München wireless“. Wir sind der Meinung, dass die Zukunft der mobilen Kommunikation in unseren Städten WLAN heißt. Dieser Service bedeutet die Möglichkeit, sich als attraktive und zukunftsfähige Wirtschafts-, Wohn-, Einkaufs-, Touristik- und Universitätsstandorte zu positionieren. Endverbraucher, d.h. Einwohner, Geschäftsreisende, Studenten oder Touristen, profitieren von einer hochmodernen Netz- Infrastruktur ; die Stadt kann aktuelle kommunale Informationen oder eGovernment-Dienste bereitstellen. Dazu zählen beispielsweise Tourist-Informationen, Veranstaltungstipps, Unterhaltungsservices oder der schnelle Zugang zum Stadtportal München.

business-on.de: Welche Vorbilder gibt es für dieses Projekt?

Vorbilder dazu finden wir in ganz Europa

Achim Möhrlein: Unsere Vorbilder für das deutsche Pilotprojekt liegen in Großbritannien und Schweden. In London, eines der Hauptzentren des globalen Finanzwesens, hat The Cloud das Projekt in einer Public Private Partnership umgesetzt. Die Stadt stellt die Montage-Standorte zur Verfügung, spezifiziert die Service Level Vorgaben zur Netzwerk-Ausleuchtung und -Performance und überwacht deren Einhaltung. Die Integration ins Stadtbild sowie Image-Aufbau als technologisch einzigartiges Finanzzentrum der Welt waren wichtige Voraussetzungen bzw. Ziele. Im Gegenzug sind wir die Betreiber des Outdoor-WLAN-Netzes. Der Service in London beinhaltet 15 Minuten kostenfreien WLAN-Zugang pro Tag. Etwa 50.000 Anwender mit etwa 350.000 Sessions gehen heute pro Monat online - größtenteils mit Smartphones. 2008 wurden insgesamt 127 Access Points in Betrieb genommen, das entspricht einer Abdeckung von rund 95 Prozent auf 3,2 Quadratkilometern. Pünktlich zur Sommerolympiade 2012 wird das komplette Netz modernisiert und um weitere zentrale Standorte erweitert. Im schwedischen Karlskrona umfasst das WLAN-Netz mit knapp 2 Quadratkilometern rund 80 Prozent des Stadtzentrums sowie den historischen Hafen, 95 Prozent des Geschäfts- und Wissenschaftsparks sowie Universität und Uni-Campus. Den knapp 64.000 Einwohnern und Geschäftsleuten, 7.000 Studenten sowie den Touristen der Hafenstadt steht seit 2010 (2. Bauphase) ein „Fully Meshed“- Indoor und Outdoor Netz zur Verfügung, das überall eine nahtlose Verbindung und deutlich schnellere Übertragungsraten als 3G ermöglicht. Das Besondere an dem Netz: über die The Cloud Multi-Service-/Multi-Provider-Plattform können bis zu 16 Service-Kategorien angeboten werden, die aus Sicherheitsgründen logisch voneinander getrennt sind. Damit öffnet Karlskrona das Netz für private Anwendungen wie Music Downloads oder Video Streaming, Unternehmensanwendungen wie VPN oder VoIP, aber auch kommunale Anwendungen beispielsweise Kameraüberwachung, Zählerauslese sowie „grünes“ Gebäudemanagement. Kunden von weiteren Service Providern wie Telenor, Tele2, o2 oder Skype erhalten ebenfalls Zugang zum City-Netzwerk.

business-on.de: Warum bieten Sie in der ganzen Stadt WLAN an, wenn doch fast jeder inzwischen über mobile Internet-Tarife unterwegs mit Smartphones und Tablet-Computern surft?

Gerade in den Städten kommen Mobilfunknetze an ihre Grenzen

Achim Möhrlein: Die Grundproblematik ist folgende: Jeder möchte heutzutage auch unterwegs mobil sein und sich informieren oder unterhalten lassen. Durch die steigende Anzahl von Smartphones und TabletPCs sowie die wachsende Nachfrage nach breitbandigen Applikationen, wie Video- und Audio-Streaming, kommen unsere Mobilfunknetze besonders in hoch frequentierten Lagen leicht an ihre Belastungsgrenzen. Teure Handy-Roaming-Gebühren für Touristen, die beispielsweise lokale Apps für Einkaufs- oder Städtetouren nutzen wollen, sind auch nicht besonders „city-freundlich“.
In Karlskrona - in Schweden als „Netzwerk des Jahres“ ausgezeichnet - resultieren aus dem City WLAN nicht nur Vorteile für Bürger und Touristen, sondern auch Marketingmöglichkeiten für ansässige Geschäfte und Restaurants sowie den Geschäfts- und Wissenschaftspark und die Universität. So steht allen Studenten auf dem Campus ein kostenloser Internet-/Intranet-Zugang zur Verfügung. In Geschäften und Restaurants können Gäste 60 Minuten lang kostenlos surfen und danach – ohne Unterbrechung – das mobile Internet kostenpflichtig weiter nutzen. Gewerbeeinheiten haben außerdem den Vorteil, dass sie Kredit- und EC-Karten-Lesegeräte über WLAN betreiben können. Die Stadt erhält durch das Netz einen echten Standortmarketing-Vorteil und kann sich von anderen Städten positiv abheben.

business-on.de: Was erhoffen Sie sich von diesem Projekt?

Aus Hotspots werden "Hotzones"

Achim Möhrlein: WLAN erfährt nicht zuletzt durch die Mesh-Technologie mit nahtloser Konnektivität wie bei Mobilfunknetzen eine Reminiszenz. Aus ehemals WLAN Hotspots werden Hotzones, die zusammenwachsen zu „Hotcities“. Unsere neutrale und offene Plattform für verschiedene Dienste, Diensteanbieter beziehungsweise kommunale Applikationen soll Bürgern einen echten Mehrwert bieten und nicht zuletzt die Attraktivität der Geschäftsmodelle für alle Stakeholder unter Beweis stellen. Basierend auf den Erfahrungen aus Skandinavien und Großbritannien wird mit dem Aufbau von „München wireless“ ein Proof of Concept durchgeführt bzw. ein ganzheitliches City Wi-Fi Gesamtkonzept etabliert, welches auch in Private Public Partnership vorgabengemäß umgesetzt werden kann. Standortspezifische Kundenanforderungen von Geschäftsreisenden, Touristen und Bürgern - beispielsweise Konferenzzugänge in Hotels oder begrenzte kostenlose Zugänge indoor - sowie flexible Geschäftsmodelle hat The Cloud in diesem Gesamtkonzept integriert.

business-on.de: Kann jeder damit ins Netz oder braucht man dafür ein besonderes Gerät?

Egal welches Endgerät - Hauptsache es ist internetfähig

Achim Möhrlein: Egal ob Handy, Smartphone, Tablet PC oder iPod – jeder kann ins Netz, vorausgesetzt die Endgeräte sind internetfähig.

Wo kann man das Public WLAN bisher in München verwenden?
Für die Aufbauphase I lag der primäre Fokus auf stark frequentierten Plätzen wie rund um den Hauptbahnhof, Marienplatz, Viktualienmarkt, Petersplatz, Tal sowie ausgesuchte Bereiche der Leopoldstraße. Aber auch an Veranstaltungsarealen wie dem Gasteig oder wichtigen Einkaufszentren wie dem OEZ gibt es mittlerweile Hotzones. Selbstverständlich sind wir auch am Platzl mit dem Hofbräuhaus, das jährlich mehrere Millionen Besucher anzieht.
Schnelle und aktuelle Auskunft über alle unsere Münchner Hotspots und Hotzones erhalten Endverbraucher über unsere App „FastConnect“ für Apple Touch, Android- oder Windows-basierte Endgeräte. Die App kann man sich kostenlos unter download.thecloud.de herunterladen.

business-on.de: Was muss ich dafür tun?

Achim Möhrlein: User, die das City Wi-Fi nutzen wollen, wählen beim ersten Mal die Netzwerkkennung / SSID „Muenchen wireless“. Beim nächsten Mal verbindet sich sein Endgerät in Reichweite von München wireless Hotzones automatisch mit dem Stadtnetz. Beim Öffnen des Browsers wird er dann entweder gleich auf die Landing Page weiter geleitet, um sich anzumelden. Dies kann Smartphone-gerecht zum Beispiel über die Mobilfunknummer erfolgen. Oder er ist direkt im Internet, wenn er sich kurz zuvor schon an einer anderen Hotzone registriert hatte. Der Nutzer kommt so immer in den Genuss der am Standort maximal verfügbaren Bandbreite und Leitungsgeschwindigkeit.

business-on.de: Wie viel kostet dieser Service?

Achim Möhrlein: Zu besonderen Anlässen wie Oktoberfest oder Weihnachten haben wir den Münchner Bürgern und Touristen 15 Minuten kostenfreie Online-Zeit geschenkt – beispielsweise zum Posten des neuesten Wiesn- oder Glühwein-Schnappschusses. Die Produkte reichen sonst von 60 Minuten aufteilbarer Onlinezeit für 2 EUR bis zu einem Monat für 39 EUR. o2 Mobilfunkkunden können momentan in ausgewählten Tarifen unser WLAN-Netz deutschlandweit und so auch in München komplett kostenlos nutzen.
Ist diese Verbindung auch wirklich sicher? Welche Risiken gibt es für Benutzer?

Online Banking ist mittels Verschlüsselungsverfahren abgesichert

Für die Datensicherheit gilt das gleiche wie im gesamten Web: Facebook, & Co. werden unverschlüsselt übertragen, sensible Applikationen wie Online-Banking sind mittels Verschlüsselungsverfahren abgesichert. Unsere Hotspots bieten aber eine weitergehende Sicherheit – auch für Standortpartner, die den Service anbieten. Hier ist das Thema Störerhaftung ein wichtiger Punkt. Vielen Gastronomen ist nicht klar, dass sie letztlich für die Rechtsverletzungen ihrer Gäste haften, zum Beispiel für illegale Musik-Downloads. Als professioneller Anbieter übernehmen wir jegliche Haftungsrisiken, die mit einem öffentlich zugängigen Hotspot verbunden sind. Wir nehmen gesetzliche Vorgaben schon immer sehr ernst und halten uns strikt an die länderspezifischen Rechtsvorschriften, basierend auf den geltenden EU-Richtlinien. Umso mehr erstaunt es, dass es immer noch europäische Provider gibt, die das nicht tun. Denn damit entsteht ein hohes Risiko für den Public WLAN-Anbieter.

business-on.de: Die erste Aktion von „München wireless“ war 2011 auf dem Oktoberfest. Wie sah diese Aktion aus?

Achim Möhrlein: Für Münchner Bürger und Oktoberfest-Besucher hatten wir in der Schützenstraße einen Infostand aufgebaut, um über die entstehende Community zu informieren - gratis “München wireless“ Lebkuchenherzen inklusive. Viele testeten unser Stadtnetz mit dem 15-Minuten gratis WLAN: 49.124 Online-Minuten sind ein toller Wiesn-Erfolg.

business-on.de: Für Ihr Projekt haben Sie bereits private Partner gewonnen. Kann man noch Partner werden beziehungsweise wie kann man Partner werden? 

Achim Möhrlein: Mit der Community „München wireless“ wächst auch die Netzabdeckung ständig an. Die Weltstadt mit Herz wird mehr und mehr kabellos. The Cloud entwickelte für „München wireless“ einen eigenen, neutralen Markenauftritt, um auch öffentlichen Partnern eine neutrale Kooperationsplattform zu bieten. Selbstverständlich sind jederzeit weitere Partner aus dem privaten Bereich willkommen, ob Gastronomie, Handel, Friseur oder Arztpraxis. Nur gemeinsam können wir das Projekt vorantreiben, das City-WLAN-Netz ausbauen und so zur Standortattraktivität von München beitragen. Wir bieten Interessenten aktuell die Möglichkeit, unseren Hotspot kostenlos für 12 Monate zu testen. Wenn sie sich jetzt bei uns melden, erhalten sie noch rechtzeitig zur Fußball-EM einen WLAN-Hotspot für Gäste, Kunden oder Patienten – ohne Kosten und Einrichtungsgebühr.

Weitere Informationen dazu gibt es unter 0800 3 666 400 oder [email protected].

(Redaktion)


 


 

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