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Tod in der Synagoge

"Tatort"-Folge gewährt Einblicke in das Leben der jüdischen Gemeinde München

Erst begeht eine junge Frau Selbstmord, zwei Wochen später wird ihr Vater mit gebrochenem Genick tot in einem Treppenhaus gefunden. Aber nicht in irgendeinem Treppenhaus, sondern in dem der Synagoge in München.

Und schon sind die beiden TV-Ermittler Franz Leitmayr alias Udo Wachtveitl und Ivo Batic (Miroslav Nemec) mitten in einem besonderen "ganz normalen Fall", wie die Drehbuchautoren Daniel Wolf und Rochus Hahn die 60. Jubiläumsfolge mit dem beliebten Kommissargespann genannt haben. Sie wird am Sonntag (27. November, 20.15 Uhr) in der ARD ausgestrahlt. Ihre Ermittlungen führen die Kommissare und mit ihnen die Zuschauer hinter die dicken Mauern der Synagoge hinein an die Originalschauplätze des Lebens der jüdischen Gemeinde und damit auf bisweilen ebenso fremdes wie vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte sensibles Terrain. Denn, wie der Fernseh-Ermittler Leitmayr so treffend bemerkt: "Es ist nicht normal, normal ist nicht, wenn man immer noch über Normalität extra reden muss."

Ein Satz, der sich wie ein roter Faden durch den Film wie durch die anschließende Podiumsdiskussion zieht, zu der die israelitische Kultusgemeinde am Montagabend geladen hatte. Wie die TV-Kommissare mit der ihnen wenig vertrauten religiösen Welt, tut sich Charlotte Knobloch mit einem ganz normalen Umgang mit dem Judentum bisweilen schwer. Ihr falle es immer noch nicht leicht von "Juden" zu reden, bekennt die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern im Anschluss an den Film offen. Lieber spreche sie von "jüdischen Mitbürgern". "Ich glaube, da bin ich auch verkrampft." Aber, fügt sie hinzu: "Sich auf Augenhöhe zu unterhalten und Respekt voreinander zu haben und einzusehen, dass der andere gar nicht so anders ist, als man denkt, das ist der Anfang der Normalität."

Nicht ganz koscher

Dabei darf durchaus gelacht werden. Drehbuchautor Wolf, selbst Mitglied der jüdischen Gemeinde in München, nähert sich dem Thema mit lockerer Hand an. Von Wortspielen, dass den Kommissaren das koschere Essen wohl nicht ganz koscher war bis zur humoristischen Annäherung an die pseudowissenschaftliche Rassenlehre der Nazis, bei der Wachtveitl seine markante Nase in die Kamera hält, spart er kein heikles Thema aus. Mittelalterliche Religionsgesetze, außereheliche Liebschaften und der Umgang mit Behinderten sind weitere Aspekte der gut erzählten Geschichte.

Besondere Befindlichkeiten waren während der Dreharbeiten aber dennoch da, wie Wolf erzählt. So sei eine der Rollen ursprünglich als Jude angelegt gewesen, später sei man davon aber wieder abgekommen. Allzu böse, so scheint es, darf man Juden im deutschen Fernsehen wohl doch noch nicht darstellen.

Herausforderung "Tatort"

Letztlich aber, lobt der Inhaber des Lehrstuhls für Jüdische Kultur und Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Michael Brenner, sei es dem Film gelungen zu zeigen, dass es in einer jüdischen Gemeinde genau solche Probleme geben könne wie in jeder anderen auch.

Für den Drehbuchautor lag die Herausforderung nach eigener Aussage ohnehin weniger am "jüdischen Thema" als darin, einen "Tatort" zu schreiben: Schließlich sei dies die "Königsdisziplin" im deutschen Fernsehen.

(dapd/ Ursula Quass)


 


 

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