12.06.2009  09:07 Uhr

Karstadt-Arcandor
Münchner Karstadt-Mitarbeiter gehen auf die Straße

München. Mit ohrenbetäubendem Pfeifen und Plakataufschriften wie "Ohne Karstadt keine Innenstadt" und "Wir sind ein Stück Deutschland" sind Münchner Karstadt-Mitarbeiter am Mittwochmittag auf die Straße gezogen. "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Arbeit klaut", schallt es aus mehreren Megafonen über den Münchner Karlsplatz in der Innenstadt.

Einen Tag nach Bekanntgabe der Arcandor-Pleite demonstrieren viele Mitarbeiter anderer Betriebe aus Einzel-, Groß- und Buchhandel ihre Verbundenheit mit den Kollegen von der Konkurrenz. Wie etwa eine 33-jährige Kaufhof-Mitarbeiterin, die seit 15 Jahren in dem Betrieb tätig ist: "Wir zeigen uns heute solidarisch für Karstadt-Arcandor", verkündet sie. Drei Kolleginnen, ebenfalls Kaufhof-Angestellte im Alter von 29 bis 59 Jahren, nicken zustimmend. Alle tragen sie weiße ver.di-Streikumhänge aus Plastik oder neongelbe ver.di-Westen.

Dass viele ihren Arbeitsplatz verlieren könnten, macht Münchens Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne) "nicht nur traurig, sondern auch wahnsinnig wütend". Es sei wirklich ein Trauerspiel, wie deutsche Traditionsfirmen von Managern "kaputt gewirtschaftet" würden, betont er in seiner Rede auf dem Karlsplatz. Die Demonstranten bejubeln seine Worte und stimmen ihm pfeifend zu, als er die "himmelschreiende Ungerechtigkeit" beim Namen nennt und fragt: "Wieso werden diese Versager nicht zur Verantwortung gezogen?" Eine Insolvenz bedeute jedoch nicht zwangsläufig den Untergang, sie könne auch ein "Neuanfang ohne diese Versager" sein.

Eine 57-jährige Karstadt-Mitarbeiterin, die seit 26 Jahren in dem Betrieb beschäftigt ist, betont: "Ich kämpfe für meinen Arbeitsplatz!" Dabei schwenkt sie zwei Karstadt-Plakate. Der bayerische DGB-Vorsitzende Fritz Schösser richtet sich in seiner Ansprache "auch an die Menschen, die in der Fußgängerzone einkaufen". Die Demonstranten schwenken ihre "Unsere Geduld hat ein Finale -
Arbeitgeber hört unsere Signale"- und "Stopp Preisdumping, Stopp
Umweltdumping, Stopp Sozialdumping"-Spruchbänder.

"Auch der Verbraucher ist am Schluss der Dumme", ruft Schösser in den Lärm der Kundgebung hinaus. Er zeigt sich bestürzt über die drohenden Entlassungen: "Wer die Arbeitnehmer schlecht behandelt, sägt sich den Ast ab, auf dem er sitzt."

Doch nicht bei allen stößt der Protest auf Verständnis. "Ich als Steuerzahler sehe es überhaupt nicht ein, für die Rettung dieses Unternehmens zu bezahlen", ruft ein Passant. Und eine der Demonstrantinnen wird von einer Frau regelrecht beschimpft: Kaufhof sei sowieso viel freundlicher als Karstadt. Und sie als Steuerzahlerin lasse sich dafür nicht in die Verantwortung nehmen.


 

(Redaktion)

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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Karstadt Warenhaus GmbH



 


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