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Betrüger inszeniert Entführung

Münchner Tankstellenpächter hält mit allen Mitteln am Luxusleben fest

Sie war eine Goldgrube, die plötzlich versiegte: Die Münchner Aral-Tankstelle von Peter M. galt einst als umsatzstärkste in ganz Deutschland. Sie ermöglichte dem Pächter jahrelang ein Leben in Luxus - bis die Straße vor der Tankstelle untertunnelt wurde und das Geschäft teils um über die Hälfte einbrach.

Doch da hatte sich Peter M. schon an einen hohen Lebensstandard gewöhnt. Er finanzierte ihn fortan mit Betrügereien im großen Stil. Der Schein blieb gewahrt, vorerst. Als alles aufzufliegen drohte, beschloss der 49-Jährige, einen Raubmord vorzutäuschen, wie er am Freitag vor dem Münchner Amtsgericht gestand.

"Ich kam einfach mit der Situation nicht mehr klar", sagt der Angeklagte in weichem Münchner Dialekt vor Gericht aus. "Ich wollte dem Leben ein Ende setzen." Zweimal versucht er sich umzubringen, dabei sollte alles wie Raubmord aussehen. Der Mann, graumelierte Haare, gepflegte Erscheinung stellte Ende Januar seinen Sportwagen vor einer Bank ab und tauchte unter. Damit löste er einen Großeinsatz aus.

Für einen Raubmord zu wenig Blut am weißen Porsche

Etwa 80 Beamte von Schutzpolizei, Mordkommission, Raubdezernat, Spurensicherung sowie zwei Polizeihunde ermitteln. Schnell kamen aber erste Zweifel an einer Entführung, wie ein als Zeuge geladener Beamter schildert. Der weiße Porsche vor der Bank habe so "drapiert" ausgesehen, für einen Raubmord sei außerdem zu wenig Blut an der Fahrertür gewesen. Schnell flog der Schwindel auf. Als M. wieder auftauchte, lieferte er dem Polizisten zufolge zunächst eine "haarsträubende" Geschichte. "Es war von Anfang an klar, dass es Unsinn ist", sagte der Polizist.

Dass er sich als Entführungsopfer präsentiert, ist für Staatsanwältin Nicole Selzam Indiz für seine "weiche" Persönlichkeit. M. habe immer "als etwas gelten" wollen, Geschäftsmann mit schickem Auto und Doppelhaushälfte. Er sei "letztlich zu feige" gewesen, sich wegen seiner schweren Betrugsfälle zu stellen und habe stattdessen noch Mitleid erwecken wollen. Heute tut es ihm leid. Seine vorgetäuschte Entführung sei "durch nichts zu entschuldigen", sagt er und entschuldigt sich bei seiner Familie für die Tage in Angst und Ungewissheit. Gleichzeitig wehrt er sich aber auch gegen das Bild, das vor Gericht von ihm gezeichnet werde. Die Aussagen über seinen angeblich ausschweifenden Lebensstil hätten ihn "schon ein wenig traurig gemacht", beklagt er.

Betrügereien mit der Waschstraße der Tankstelle

Offenbar verstand der Mann es aber durchaus, seriös und kreditwürdig aufzutreten. Jahrelang gaben ihm die Banken Geld ohne seine falschen Angaben nachzuprüfen. Sein langjähriger Mitarbeiter vertraut ihm für angebliche Anlagegeschäfte 20 000 Euro an - ohne Quittung. Fast 300 000 Euro unterschlug M. durch Betrug beim Zählerstands der Waschstraße. "Er ist ein super Typ, niemand hätte das von ihm gedacht", sagt ein kopfschüttelnder Geschäftspartner am Rande des Prozesses.

Laut M.s Anwalt gibt es noch immer Menschen, die seinem Mandanten Etwas zutrauen. Er habe bereits für die Zeit nach seiner Gefängnisstrafe berufliche Perspektiven. Auch M.s Frau steht weiter hinter ihm. So findet er bei ihr nach dem einen Jahr und zehn Monaten Haft ein neues Zuhause, allerdings keine Doppelhaushälfte, sondern eine kleine Zweizimmerwohnung.

(dapd-bay/ Diana Gäntzle)


 


 

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