Sie sind hier: Startseite München Aktuell News
Weitere Artikel
Oberlandesgericht

Erste Urteile im Münchner Terrorhelfer-Prozess gefallen

Im Münchner Terrorhelfer-Prozess sind die ersten Urteile gefallen.

Wegen der Verbreitung islamistischer Terrorvideos im Internet hat das Oberlandesgericht München drei Personen verurteilt. Der 25-jährige Harun Can A. erhielt am Dienstag eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung. Die 24-jährige Vivian S. muss einen sozialen Trainingskurs absolvieren. Beim 18-jährigen Emin T. setzte das Gericht die Entscheidung über die Verhängung einer Jugendstrafe zur Bewährung aus. Alle drei haben die Taten gestanden. Sie hatten 2007 im Internet für Terrororganisationen wie Al-Kaida und Ansar al Islam geworben.

Bei Harun Can A., der als einziger nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt wurde, folgte das Gericht dem Antrag der Verteidigung. Harun Can A. hatte ein Propaganda-Video von Al-Kaida übersetzt und mit Untertiteln versehen. Die Bundesanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten gefordert. Das Gericht wollte die Auswirkung einer schizophrenen Bewusstseinsstörung zum Tatzeitpunkt allerdings nicht ausschließen.

Emin T., der zum Tatzeitpunkt erst 15 Jahre alt war, muss sich nun zwei Jahre bewähren, ansonsten droht ihm ein neues Verfahren. Nachdem er in einer Vernehmung Ende 2008 noch Bewunderung für Osama bin Laden erkennen ließ, die Demokratie ablehnte und sich vorstellen konnte, als Selbstmordattentäter zu sterben, hat er sich nun nach eigenen Angaben davon distanziert.

Videos von Enthauptungen und Selbstmordattentätern

Emin T. hatte 2007 Anleitungen zum Bombenbau und islamistische Terrorvideos ins Internet gestellt, in denen die Vollstreckung vermeintlicher Gottesurteile an "Ungläubigen" gezeigt werde. In einem Video sei beispielsweise ein türkischer Lkw-Fahrer zu sehen, dem zunächst die Kehle durchgeschnitten und dann der Kopf vom Rumpf abgetrennt werde, weil er für US-Amerikaner Material transportiert habe, beschreibt der Richter die grausamen Filme.

Vivian S., die vor Gericht in einem Ganzkörperschleier erschien, hatte 2007 Videos online gestellt, in denen Werbung für Ausbildungslager von Selbstmordattentätern gemacht und offen der "Dschihad" ("Heiliger Krieg") propagiert wird. Das Gericht sah zum Tatzeitpunkt allerdings noch "erhebliche Reifeverzögerungen" vorliegen und verurteilte sie daher ebenfalls nach Jugendstrafrecht zur Absolvierung eines Anti-Aggressionstrainings. Die Verteidigung hatte einen Freispruch gefordert, die Bundesanwaltschaft eine Jugendstrafe von acht Monaten auf Bewährung.

Insgesamt waren acht Personen in dem Prozess angeklagt. Das Verfahren gegen vier weitere Angeklagte wurde allerdings frühzeitig abgetrennt und ist noch nicht abgeschlossen. Der Prozess gegen den 24-jährigen Tarek H., in dem ebenfalls am Dienstag das Urteil fallen sollte, soll nun auch separat weitergeführt werden, da hier möglicherweise ein weiteres Sachverständigengutachten notwendig wird.

(dapd-bay)


 


 

Oberlandesgericht
Urteile
Münchner Terrorhelfer-Prozess
Harun Can A.
Freiheitsstrafe
Trainingskurs
Jugendstrafe
Propagandavideos

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Oberlandesgericht" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: