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Nacht der Tracht

Ja, is denn scho wieder Wiesn?

Zwei Abende hintereinander hieß es im Löwenbräu-Keller „Sehen und Gesehenwerden“. Also stylte sich das Publikum wie jedes Jahr hübsch, adrett, trachtig. Letzteres vor allem. Wer es hier wagte, ohne traditionelle Ausstattung zu erscheinen, tat sich selbst keinen Gefallen. Obwohl, man fiele auf...

So sah das Ganze aus: Goaßlschnalzende Buam in feschen Lederhosen beeindrucken Madln in ausgefallenen Dirndl-Kreationen, Asiaten mit großen Kameras kommen aus dem Knipsen nicht mehr raus und das große blonde Möchtegern-Model trägt ihr übergroßes Dekollete spazieren, in der Hoffnung, von Münchens Schickeria entdeckt zu werden. Wüsste man es nicht besser, könnte man meinen, man befindet sich im Schottenhammel auf dem Oktoberfest. Doch Ort des Dirndlmarathons ist der Stiglmaierplatz in München, genauer gesagt der Löwenbräukeller. Es ist nach 20.00 Uhr am Freitagabend und nachdem Wiesnwirt Christian Schottenhammel den Anstich vollzogen hat, schunkeln Prominente wie Moderatorin Eva Grünbauer oder Designer Daniel Fendler zur zünftig anklingenden Version von Sinatras „I did it my way“.

Zwei, die definitiv ihren Weg gemacht haben, sind Wiesnwirt Christian Schottenhammel und Eventmanager Philip Greffenius, unter deren Obhut die mittlerweile legendäre „Nacht der Tracht“ zum neunten Mal in Folge stattfindet.
Es ist eine Mischung aus Nachtclub und Wiesnzelt. Die Blasmusik der Band „Barfuß“ füllt den Festsaal aus. Drängt man sich vorbei an den Menschenmassen, die keinen Sitzplatz mehr ergattern konnten, die Stufen hoch zum ersten Stock, übernimmt Abbas „Dancing Queen“ die musikalische Führung und elektronische Bässe aus dem Loden-Frey-Club dröhnen im feierfreudigen Ohr. Hendlgeruch hängt in der schwülen Luft und mischt sich mit dem süßlichen Duft von Energydrinks. Traditionsbewusste Münchnerinnen in Dirndl laufen an den, in schwarzen Lederbustiers gekleideten Blondinen vorbei, die im Festsaal hinter den zahlreichen hippen Sponsoren-Bars stehen. Die Preise des Trachten-Techno-Szenarios sind Wiesn und Club gleichermaßen angepasst: Bei 9,50 für einen Longdrink und 7,50 für eine Maß Bier, kann die durchzechte Nacht teuer werden.

Der frühzeitige Wiesn-Warmup hat sich dennoch etabliert. Mit nur 800 Gästen gab die Veranstaltung 2001 den Startschuss, in der Zwischenzeit hat sich die Zahl der Gäste verdoppelt. Die Karten zum stolzen Preis von 26€ bis 64€ waren bereits Monate vorher ausverkauft, sogar auf Ebay wurde in letzter Minute noch versteigert. „Wir hatten überlegt, eine dritte und vierte ´Nacht der Tracht´ zu veranstalten,“ sagt Christian Schottenhammel, der den Löwenbräukeller vor drei Jahren übernommen hat, „aber die Exklusivität soll bewahrt werden und zwei Nächte hintereinander mit insgesamt 4.000 Menschen – das reicht.“ Angefangen hat das Trachtenevent mit nur einer Nacht, seit einigen Jahren feiert man aber zweimal. Der Grund: durchschlagender Erfolg.

Das Publikum an diesem Wochenende ist, laut Schottenhammel „wie jedes Jahr hübsch, adrett, trachtig.“ Trachtig allemal. Wer es hier wagt, ohne traditionelle Ausstattung zu erscheinen, tut sich selbst keinen Gefallen. Als puristischer Eindringling in der Spaßzone, wäre man den Dirndlwütigen schutzlos ausgeliefert. Obwohl, man fiele auf. Wohl mehr noch als Münchens obere Zweitausend, die es sich an beiden Abenden zur Lebensaufgabe gemacht hat, durch teure Dirndl und große Dekolletes alle Blicke auf sich zu ziehen. Denn das oberste Gebot heißt natürlich „Sehen und Gesehenwerden“.

Zur kollektiven Begeisterung führt in München neben der Tracht bekanntlich auch das Trikot. So gab es dieses Jahr ein besonderes Highlight: Die Liveübertragung von FC Bayern München gegen Inter Mailand auf der Großbildleinwand. Hatte die Stimmung während des Spiels noch den Ausnahmezustand erreicht, hing nach Bayerns Niederlage, neben dem Geruch von Hendl und Energydrink, auch sichtliche Enttäuschung in der Luft. Oktoberfest im Mai und Bayerns Sieg im Champions League Finale? Es wäre zu schön gewesen.

(Nurcan Özdemir)


 


 

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