07.10.2011  08:35 Uhr

Das perfekte Namensgedächtnis
Ein gutes Gedächtnis ist erlernbar!

München. 5 Sterne Redner Boris Nikolai Konrad ist Experte für Gedächtnistraining und das Namensgedächtnis. Er hält den Weltrekord im Namen merken, forscht am Max-Planck Institut über die Grundlagen außergewöhnlicher Gedächtnisleistungen und ist seit einigen Jahren als Gedächtnistrainer erfolgreich mit seinen Vorträgen unterwegs. Im Fernsehen machte er in 'Wetten Dass?' auf sich aufmerksam und ist als Gedächtnisexperte sehr gefragt. Für business-on.de erklärt er, wie man sich Namen im Alltag merken kann.

Wenn ich erzähle, dass ich Gedächtnistrainer bin, wird mir eine Frage am häufigsten gestellt: „Wie kann ich mir besser Namen merken?“

Während wir bei anderen Gedächtnisproblemen noch auf digitale Hilfsmittel oder Notizen ausweichen können, ist dies beim Namensgedächtnis nicht möglich. Das Schöne ist: Auch das Namen merken lässt sich erheblich trainieren! Die Vorgehensweisen hierfür basieren auf dem gleichen Fundament wie alle Gedächtnistechniken, dem bildhaften Denken.

Es gibt ein Experiment das dies verdeutlicht: Mehrere Personen bekamen die gleichen Fotos mit Gesichtern sehen. Der einen Hälfte wurde z.B. gesagt: diese Person ist von Beruf Bäcker. Die andere Hälfte bekam die Information, dass die Person Bäcker heißt. Nach einiger Zeit wurde abgetestet, ob sich die Probanden an die Information erinnern. Die Personen, welche sich den Beruf Bäcker gemerkt hatten, schnitten deutlich besser ab als die Personen, die sich den Namen merken sollten. Weil bei einem Beruf automatisch ein Bild der Tätigkeit entsteht!

Wenn Sie nun einen Herrn Bäcker kennen lernen und sich vorstellen, wie er in einer Backstube steht, haben Sie ein Bild für den Namen gemacht und mit der Person verknüpft. Da dies ein bewusster Vorgang ist, werden Sie den Namen auch nicht mit dem Beruf verwechseln. Gerade im Deutschen gibt es viele Namen, die von Berufen kommen. Frau Schmidt stellen Sie sich z.B. in einer Schmiede vor, wie sie angestrengt mit einem Hammer auf ein Stück Eisen schlägt – zumindest ist das mein Bild für einen Schmied.

EMPFEHLUNG:

Wichtig: Um sich überhaupt ein Bild machen zu können, müssen Sie den Namen auch richtig verstanden haben. Was banal klingt ist dennoch bereits ein Problem: Bei der ersten Vorstellung nennen beide Personen schnell ihre Namen. Dabei wird oft gar nicht richtig hingehört. Aber ein Name der gar nicht in meinem Gehirn „angekommen“ ist, den kann ich mir auch nicht merken.

Also: Hören Sie genau hin! Und fragen Sie nach, wenn Sie sich nicht 100 Prozent sicher sind, den Namen korrekt verstanden zu haben. Wenn der Name dadurch im Arbeitsgedächtnis zwischengespeichert ist, haben Sie auch nach dem Gespräch noch die Gelegenheit, sich den Namen mit einem Bild dauerhaft zu merken und müssen das nicht sofort tun.

Um mir ein Bild für einen Namen einfallen zu lassen, benutze ich eine Einteilung von Namen in vier Kategorien. Dies ist kein wissenschaftlicher Ansatz und auch nicht immer eindeutig.

  1. Namen wie Berufe
    z.B. Bäcker, Müller, Schmidt
  2. Konkrete Namen
    z.B. Stein, Baum, Rot
  3. Klangähnliche Namen
    z.B. Seiffert („Seife“), Haas („Hase“), Engler („Engel“)
  4. Schwierige Namen
    z.B. Vilamere, Nguyen, Kaczmarczyk

Wie finden Sie jetzt für die Namen passende Bilder?

  1. Zu Kategorien eins haben Sie bereits erfahren, dass hier ein geeignetes Bild die Ausübung der Tätigkeit ist. Sie stellen sich die Person also möglich intensiv vor, wie sie der Tätigkeit nachgeht.
  2. Auch Kategorie zwei ist leicht, denn Sie können das konkrete direkt als Bild benutzen. Aber auch hier müssen Sie darauf achten, die Person mit in das Bild einzubauen, in dem Herr Stein etwa in Ihrer Vorstellung mit Steinen jongliert.
  3. Kategorie drei ist schon interessanter. Vielleicht befürchten Sie hier, dass das ähnlich klingende Bild alleine nicht reicht? Ihrem Gehirn reicht ein Impuls. Wenn Sie etwa an das Bild denken, fällt Ihnen der korrekte Namen ein. Sie haben ihn ja zuvor bewusst verstanden und dadurch aufgenommen. Daher reicht für Seiffert ein Stück Seife als Bild aus. Damit wäscht sich z.B. Frau Seiffert in Ihrer Vorstellung dann die Hände.
  4. Schwierige Namen sind oft ausländische Namen, deren eigentliche Bedeutung wir nicht kennen. Es gibt es trotzdem einen Weg: Stellen Sie sich eine kleine Bildgeschichte vor, in der die Person mitspielt! Für Kaczmarczyk können mögliche Bilder Katze und Marzipan sein. Herr Kaczmarczyk füttert eine Katze mit Marzipan. Absurd? Ja! Aber solche Bildgeschichten sollen gar keinen Sinn machen. Wenn Sie sich die Bildgeschichten bewusst vorstellen, merken Sie sich diese „ganz von allein“.

Es gibt noch eine Sonderkategorie: Namen, die Sie schon kennen. Entweder Prominente oder aus Ihrem Bekanntenkreis. Hier dienen die Personen als Bild. Lerne ich „Herrn Luther“ kennen, stelle ich ihn mir vor, wie er Thesen an ein Tor nagelt, eine „Frau Merkel“ als Bundeskanzlerin.

Wichtig: Achten Sie darauf, die reale Person die Sie gerade kennen lernen „in das Bild einzubauen“. Lassen Sie die Person in Ihrer Vorstellung etwas tun, was Sie nicht wirklich tut. Wie würde die Mimik und Gestik aussehen, wenn die Situation real wäre – etwa wenn Frau Schmid ein Eisen schmiedet? Wenn Sie so vorgehen „speichern“ Sie den Eindruck, den Sie von der Person ganz automatisch und unbewusst gewonnen haben mit ab. Dieser Eindruck wird auch beim nächsten Treffen präsent sein und Ihnen helfen auf das Bild zu kommen, auch wenn sich einzelne Merkmale wie die Frisur geändert haben. Trotzdem dürfen Sie solche flüchtigen Merkmale ergänzend mit einbeziehen.

Noch ein kleines „aber“: Wenn Sie meine Tipps befolgen, werden Sie sich erheblich mehr Namen einprägen und auch nach etwas Abstand noch wissen. Wenn Sie aber die neue Bekanntschaft erst nach Wochen wiedertreffen, würden auch die Bilder alleine nicht reichen. Unser Gehirn „konsolidiert“ alle Erinnerungen, das heißt überprüft und bearbeitet gelernte Inhalte und sortiert diese auch wieder aus, wenn Sie nicht wichtig genug erscheinen.

Jetzt nicht resignieren! Es gibt einen Weg um den Namen dauerhaft zu behalten. Und das ist Wiederholung. Dies gilt für alles, was Sie lernen: Es muss wiederholt werden, um dauerhaft im Gedächtnis zu bleiben. Leider können Sie nicht steuern, wann Sie jemanden wiedersehen. Aber Sie können steuern, wann Sie noch einmal darüber nachdenken. Sie können etwa jeden Abend einmal überlegen, wen Sie gestern und wen Sie heute alles neu kennen gelernt haben, wie die Personen aussahen und hießen und, ganz wichtig, welche Bilder Sie sich überlegt haben. Das dauert nur ein paar Sekunden, führt aber dazu, dass die Verbindungen im Hirn nochmals aktiviert und dadurch „als wichtig markiert“ und dauerhaft verankert werden.

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(Boris Nikolai Konrad)

  • Tags:
  • Gedächtnis
  • Namensgedächtnis
  • Boris Nikolai Konrad
  • Gedächtnistrainer

Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Boris Nikolai Konrad



 


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