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Die ganze Natur in einer App

Die eigene Unwissenheit über Flora und Fauna in seiner Umgebung hatte ihn angespornt: Um endlich Bescheid zu wissen, welche Schätze die Natur um ihn herum bereit hält, hat der 31-jährige Physiker Daniel Zitterbart aus Erlangen kurzerhand eine App zur Bestimmung und Erfassung von Tieren, Insekten und Pflanzen entwickelt.

Die kostenlose Anwendung kann zwar bereits seit Juni im Internet unter anymals.org heruntergeladen werden, offiziell vorgestellt wurde sie aber am Dienstag in Berlin zum Auftakt der UN-Dekade der biologischen Vielfalt.

"Mit der App wollen wir den Menschen die Gelegenheit bieten, etwas über ihre Umgebung zu lernen", erklärt Zitterbart, der die Anwendung mit drei Schulfreunden über 18 Monate hinweg entwickelt hat und derzeit an der Uni Erlangen-Nürnberg und am Alfred-Wegener-Institut für Meeres- und Polarforschung in Bremerhaven darüber promoviert, nach welchen physikalischen Modellen sich Pinguine in der Gruppe warm halten.

Bewusstsein für die Umgebung entwickeln

Wer mit seinem GPS-fähigen Smartphone im eigenen Garten auf Vogel- oder Insektensuche geht, entwickle ein Bewusstsein für seine Umgebung, sagt der 31-Jährige. Und dieses Bewusstsein zu schaffen, sei eines der Hauptziele der App - die folgendermaßen funktioniert: Interessierte können darüber entweder on- oder offline Informationen zu Tier- und Pflanzenarten auf der ganzen Welt abfragen, umgekehrt aber auch selbst Beiträge einstellen, falls sie auf eine interessante Spezies treffen.

Um Zugriff auf die Daten zu erhalten, haben Zitterbart und seine Freunde keine weitere Datenbank geschaffen, sondern den Zugang zu den Informationen bereits vorhandener Datenbanken wie Wikipedia, Wikispecies oder GBIF (Global Biodiversity Information Facility) erleichtert. Insgesamt hätten die Anymals-Nutzer derzeit Zugriff auf Infos zu mehr als 1,3 Millionen Arten.

"Es gibt einfach so unglaublich viele Datenbanken, und man blickt nicht durch", erläutert Zitterbart. Also habe er nach Lösungen gesucht, wie dieser Wissensschatz intelligent nutzbar gemacht werden könne - ohne Fachchinesisch oder verwirrende Querverweise.

Schon 500 Nutzer

Hauptzweck von anymals.org sei es, alle Lebewesen des Planeten zu erfassen. "Je mehr Leute mitmachen, desto besser wird der Service", erzählt Zitterbart und berichtet von derzeit rund 500 Teilnehmern.

Die Idee zu anymals.org kam Zitterbart übrigens während einer Expedition mit dem deutschen Forschungsschiff "Polarstern" an der antarktischen Küste im Januar 2010. Damals habe er beobachtet, wie seine Kollegen mit Strichlisten Wale zählten. "Das kam mir vor wie im Mittelalter", erzählt er.

Derzeit arbeiten er und sein Team schon an einer neuen Version der App: Sie soll es ermöglichen, eine Spezies anhand eines Fotos automatisch zu bestimmen. "Aber bis das zuverlässig funktioniert, dauert es sicher noch mindestens zwei Jahre", sagt er.

www.anymals.org

(dapd-bay/ Brigitte Caspary)


 


 

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