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Coffee-Shops in München

"Normal funktionieren reicht hier nicht"

„Coffee-Fellows“-Firmengründer Stefan Tewes feiert demnächst das zehnjährige Firmenjubiläum – die erste Filiale eröffnete 1999 in München. Mit business-on.de sprach er über den harten Standortwettbewerb.

 Als erster American-Coffee-Shop in München eröffnete am 30. August 1999 die erste Filiale der Firma "Coffee Fellows" - fünf Jahre bevor der erste "Starbucks" dort eine Adresse bezog. Wenige Wochen vor dem zehnjährigen Firmenjubiläum sprach business-on.de mit Firmengründer Stefan Tewes über den harten Wettbewerb in der Branche und am Standort München sowie die herausragende Rolle von Schwabings berühmter Flaniermeile, der Leopoldstraße.

business-on.de: Herr Tewes, 1999 wurden ihre Frau und Sie zu Coffe-Shop-Betreibern. Wie kam es dazu?

Stefan Tewes: Meine Frau und ich verspürten den Drang, uns selbstständig zu machen. Damals lebten wir in England und sahen, wie nicht nur die US-Kette Starbucks, sondern auch drei Wettbewerber schnell auf dem Markt Fuß fassen und wachsen konnten. Wir dachten uns: Amerikaner und Engländer mögen es gerne süß, die Deutschen dagegen etwas herzhafter. Und so sind wir sind dann auf die Bagels gekommen, mit denen wir heute 20 bis 25 Prozent unseres Umsatzes erzielen. Ich denke, viele Leute glauben, wir seien ein Bagel-Shop.

business-on.de: Zehn ihrer bislang 34 Filialen sind in München angesiedelt. Ihre Konkurrenten "Starbucks" und "San Francisco Coffee Company" unterhalten aber mit elf beziehungsweise 14 Läden mehr Standorte in der Stadt. Tobt ein Kampf um die Vorherrschaft an der Isar?

Stefan Tewes: München ist sicherlich ein wettbewerbsintensives Pflaster. Da gibt es Ecken, wo zwei, drei Coffeeshops auf engem Raum konkurrieren. Es ist eben die deutsche Stadt mit der größten Kaufkraft. Auf der anderen Seite sind die Mieten sehr hoch. In einigen kleineren Städten mit niedrigerer Kaufkraft bekommen wir relativ gesehen mehr für unser Mietgeld. Im Prinzip haben wir jeden Laden, den die Konkurrenz (zur Definition Konkurrenz) angemietet hat, auch auf unserem Tisch gehabt. Viele lehnten wir dankend ab.

business-on.de: Dennoch wanderte der Pokal für die Kette mit den meisten Münchener Läden in den vergangenen Jahren zwischen ihnen und der Konkurrenz hin und her...

Stefan Tewes: Ja, aber wir haben unseren Fokus nie nur auf diese Stadt gelegt. Es ist unser strategisches Ziel, in Deutschland die Nummer 2 hinter Starbucks zu werden. Die große Herausforderung, der wir uns momentan stellen, ist der norddeutsche Markt. Dort hat sich die Kette "Balzac" eine herausragende Position erarbeitet. Wir hingegen sind der größte Mittelständler im süddeutschen Raum. Aber ob wir jetzt in irgendeiner Stadt die Nummer zwei oder drei sind, ist uns egal.

business-on.de: Kein bisschen neidisch, dass die San Francisco Coffee Company den Titel "lokaler Champion" in München hochhält?

Stefan Tewes: Das gönne ich denen, das haben die sich hart erkämpft. Aber wir hatten 1999 schon nicht vor, der Münchener Marktführer zu werden. Als die Konkurrenz dichter wurde, machte es irgendwann auch Sinn, dass man da rausging.

business-on.de: Der Wettstreit der Coffeeshops wird an kaum einem Ort so deutlich wie in der Leopoldstraße. Entlang der Flaniermeile buhlen alle Anbieter um die besten Plätze. Warum ist die Straße für die Branche so wichtig?

Stefan Tewes: Sie ist Ausgehmeile, Abendmeile und Flaniermeile, aber gleichzeitig auch tagsüber sehr interessant wegen der umliegenden Wohn- und Büroviertel. Sie ist eigentlich die Gastromeile der Stadt, mit einer Menge Potenzial auch für Coffeeshops. Wenngleich sich das durch die Konkurrenz deutlich relativiert hat: Der Kuchen ist gleich groß geblieben, aber mehr Player kamen hinzu. Jetzt liegt die Leopoldstraße nur noch im Mittelfeld, was den Umsatz pro Shop angeht. Vor drei Jahren war sie noch in der Spitzenposition oder zumindest unter den Top 3. Gerade jetzt zeigt sich: Man muss eine Miete akzeptieren, mit der man auf 20 Jahre glücklich ist und überleben kann, wenn der Wettbewerber dazukommt.

business-on.de: Drängeln sich derzeit zu viele Coffeshops auf der Leopold?

Stefan Tewes: Ich sehe das schon so. Einer unserer Wettbewerber mit zwei Läden in der Straße musste einen davon erst kürzlich wieder schließen. Die haben sich auch selbst kannibalisiert. Die Schließung bemerken auch wir, weil die Umsätze seitdem wieder steigen. Das ist einfach die Leopoldstraße. Normal funktionieren reicht hier nicht. Es muss richtig gut funktionieren.

business-on.de: Der Laie fragt sich: Wie können sich überhaupt so viele Anbieter in München halten? Es gibt ja nicht nur die Coffeeshops, sondern auch andere Konzepte wie etwa von McDonalds , Tchibo und Co.. Ist der Kaffeedurst in München größer als anderswo?

Stefan Tewes: Die Kaufkraft ist ganz wichtig. Das Segment "Coffeeshop" spricht nur eine bestimmte Käuferschicht an. Manche würden es nicht einsehen, sich für drei Euro einen Pappbecher mit Kaffee selbst von der Theke abzuholen. Und tatsächlich hat der Wettbewerb massiv aufgerüstet. Da sind Coffeeshops nur ein Phänomen. Auch immer mehr Bäckereien haben Kaffee "to go" angeboten. Und ein Anbieter verkauft am Bahnhof einen Becher mit Vollautomaten-Kaffee für einen Euro. Mit diesem Wachstum wird es so nicht weitergehen. Vor allem nicht inmitten einer Wirtschaftskrise.

business-on.de: Auf ihrer Homepage verkünden Sie, in diesem Jahr zehn neue Läden eröffnen zu wollen. Wie passt das zur Krise?

Stefan Tewes: Wir wollen weiter gesund wachsen. Ich weiß noch nicht, ob wir die zehn neuen Läden in diesem Jahr schaffen. Wir haben jetzt per Juli fünf oder sechs, zusammen mit neuen temporären Ständen in drei Bahnhöfen sind es acht. Gerade in der Krise gibt es Leute, die sich selbständig machen wollen und sich ein Polster angespart haben. Deswegen sehen wir als Franchise-Unternehmen gute Chancen, auch in der Krise vernünftig zu wachsen. In guten Zeiten zahlen Unternehmen gutes Geld und dann bleiben die Leute in ihrem Job. In schlechten Zeiten sagen sie sich: Ich will mein Schicksal in die eigene Hand nehmen.

business-on.de: Herr Tewes, vielen Dank für das Gespräch!

(Wolfgang Müller)


 


 

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