Sie sind hier: Startseite München Aktuell Recht & Steuern
Weitere Artikel
Rauchverbot

Zigarrenlounge in Nürnberg nach Rauchverbot vor dem Aus

Stadtverwaltung: Beim Rauchverbot sind keine Ausnahmen vorgesehen.

Christine Klever lässt sich tief in den roten Ledersessel fallen. Ihr Blick schweift müde durch ihre kubanische Zigarrenlounge am Nürnberger Hauptmarkt. Die vergangenen Tage haben ihr arg zugesetzt. Anfang 2006 hat sie die «Casa del Habano» eröffnet, ein schnell deutschlandweit geschätztes Refugium für Zigarrenraucher. Mit dem in einem Volksentscheid beschlossenen absoluten Rauchverbot in Bayern steht nun Klevers Existenz und die von sechs Angestellten und zwei Auszubildenden auf dem Spiel. «Am Tag nach dem Entscheid war ich völlig leer und habe nur geweint», sagt Klever.

Über viele Wochen hat Klever gegen das umfassende Rauchverbot und
für die Beibehaltung der zuletzt geltenden Regelung zum Nichtraucherschutz gekämpft. «Ich betreibe keine Gastronomie im klassischen Sinne, werde aber vom neuen Gesetz wie alle anderen getroffen», sagt sie. Sie habe keine Kneipe, in die man zum Trinken gehe und in der man nebenbei auch rauchen dürfe. Vielmehr seien ihre Gäste ausschließlich Zigarrenraucher, die wegen der Zigarren zu ihr kämen und dazu etwas trinken würden. Das Tabakprodukt stehe im Mittelpunkt, doch ohne begleitende Getränke gehe das bayernweit einmalige Konzept der «Casa del Habano» nicht mehr auf. «Das ist faktisch ein Berufsverbot», klagt Klever.

Viel Energie hat die Geschäftsfrau in die Lounge mit ihren etwa 30
Sitzplätzen gesteckt - aber auch rund 800 000 Euro in die Ausstattung
etwa mit kubanischen Möbeln. Alleine 100 000 Euro kostete die
aufwendige Be- und Entlüftung. Um den Kredit zu bekommen, hatte Klever sogar ihre Altersversorgung verpfändet. Abzahlen habe sie bislang kaum etwas können, sagt sie. Und so habe keine 24 Stunden nach dem Entscheid die Bank bei ihr angerufen und um ein Gespräch gebeten. «Mir bleibt nichts, wenn ich die Lounge schließen muss», sagt Klever.

Schon einmal hatte sie um die Zukunft ihres Geschäfts gebangt. Als die  CSU einst ein absolutes Rauchverbot beschloss, das zum 1. Januar 2008 in Kraft trat, musste Klever ihre Lounge zum Raucher-Club machen. Doch nicht jeder Gast wurde Clubmitglied, die Umsätze gingen zurück. Als das Rauchverbot im August 2009 wieder gelockert wurde, musste sich erst herumsprechen, dass die Casa wieder frei zugänglich war. «Erst mit Beginn dieses Jahres stiegen die Umsätze wieder», sagt Klever.

Nun steht die Lounge erneut vor dem Aus, denn auch eine Club-Lösung ist mit dem neuen Gesetz verboten. Doch Klever will die Hoffnung noch nicht aufgeben. «Irgendwie muss es weitergehen», sagt sie. Am liebsten weiter als Rückzugsraum für Zigarrenraucher. Denn welchen Sinn mache eine Zigarrenbar mit großem Humidor, in dem Tausende Zigarren lagerten, wenn ab 1. August dort nicht mehr geraucht werden dürfe, fragt Klever. Demnächst will sie sich mit ihrem Anwalt und einem Berater zusammensetzen. «Es kann nicht rechtens sein, dass man so ins Verderben gestürzt wird», sagt sie. Von der Stadt Nürnberg erwartet sie sich allerdings nicht allzu viel Unterstützung. Schließlich habe Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) für das Rauchverbot geworben.

Bei der Stadt Nürnberg sieht man das Problem pragmatisch. Geraucht
werden dürfe in der Lounge auch weiterhin, sagt Rainer Lenzner vom
Ordnungsamt. «Sie dürfen nur keinen Gaststättenbetrieb aufrecht erhalten» - also keinerlei Speisen oder Getränke anbieten. Auch die teure Belüftungsanlage sei für eine Lizenz «vollkommen uninteressant», sagt der Sachgebietsleiter für Gaststättenrecht und fügt hinzu: «Ausnahmen sind in dem Gesetz nicht vorgesehen.» Zwar werde die Stadt die Kontrollen wegen Personalmangel nicht verschärfen, doch die Befürworter des Rauchverbots kontrollierten selbst und meldeten jeden Verstoß umgehend beim Amt. «Im Prinzip ist es gar nicht notwendig, dass wir selbst rausgehen», sagt Lenzner.

Hoffnung macht der Zigarrenlounge-Inhaberin ausgerechnet der Initiator des «Volksbegehrens für echten Nichtraucherschutz», Sebastian Frankenberger (ÖDP). Man müsse zunächst abwarten, wie die Ausführungsbestimmungen des Gesundheitsministeriums für das neue Gesetz ausfallen, sagt er. Außerdem sei es auch durchaus möglich, dass für Zigarrenlounges und Wasserpfeifenbars eine Ausnahmegenehmigung über das Gaststättengesetz erteilt werde. Damit hätte Frankenberger nach eigenem Bekunden kein Problem. «Ich kenne Frau Klever recht gut», berichtet er. «Ich drücke ihr auch die Daumen, dass das klappt.»

(ddp-Korrespondent David Rollik)


 


 

Volksentscheid
Volksabstimmung
Nicht-Raucher-Schutz
Ulrich Maly
Sebastian Frankenberger
Zigarren-Lounge
Nürnberg
Gesetz
Zigarrenraucher
Gaststättenbetrieb
Volksbegehren

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Rauchverbot" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: